Volume 26 (2014) – Issue 1

26. Jahrgang (2014) – Heft 1

Content | Inhalt

Anne Busch, Miriam Bröckel & Karin Golsch: Berufliche Aufstiege im partnerschaftlichen Kontext – Zur Bedeutung von Homogamie und sozialer Unterstützung durch den Partner

Francesca Alby, Marilena Fatigante & Cristina Zucchermaglio: “Somebody is thinking about it”: Women as household managers in dual-earner families

Sabine Diabaté & Detlev Lück: Familienleitbilder – Identifikation und Wirkungsweise auf generatives Verhalten

Birgit Leyendecker, Banu Citlak, Jörg-Peter Schräpler & Axel Schölmerich: Diversität elterlicher Einstellungen und vorschulischer Lernerfahrungen – Ein Vergleich deutscher und zugewanderter Familien aus der Türkei, Russland und Polen

Armando Häring: Der Zusammenhang von Partnermarktopportunitäten aus dem Freundeskreis und der Stabilität von Paarbeziehungen. Eine Analyse mit den Daten des Partnermarktsurvey


Abstracts and keywords | Zusammenfassungen und Schlagwörter

Anne Busch, Miriam Bröckel & Katrin Golsch (pp.3-28)

Berufliche Aufstiege im partnerschaftlichen Kontext – Zur Bedeutung von Homogamie und sozialer Unterstützung durch den Partner

Als wichtiger Kontext, in dem Aufstiegschancen, aber auch -hindernisse generiert werden, gilt die Partnerschaft. Der Artikel knüpft mit Daten des Sozio-ökonomischen Panels an Forschung zu „coupled careers“ an und fokussiert insbesondere auf Status-Homogamie und soziale Unterstützungsleistungen als mögliche karriereförderliche Aspekte von Partnerschaften. Die Analyse von erwerbstätigen Frauen und Männern in DoppelverdienerPartnerschaften verdeutlicht, dass insbesondere Männer häufig in hohe berufliche Positionen aufsteigen, wenn sie und ihre Partnerin im gleichen Berufsfeld arbeiten und beide eine hohe Bildung aufweisen. Dies kann mit sozialkapitaltheoretischen Überlegungen erklärt werden, die von einem partnerschaftlichen Austausch beruflicher Netzwerke, Wissenstransfers und Verständnis gerade bei dem Vorliegen einer solchen Status-Homoganie ausgehen. Darüber hinaus zeigen die Analyseergebnisse, dass insbesondere für Frauen die soziale Unterstützung durch den Partner wichtig ist, um eine hohe berufliche Position zu erreichen. So steigen Frauen signifikant häufiger auf, wenn sie angeben, dass ihr Partner sie im beruflichen Fortkommen unterstützt, und wenn er den höheren Anteil an Hausarbeit verrichtet. Da die partnerschaftliche Hausarbeitsteilung in Deutschland nach wie vor stark zu Lasten der Frauen geht, spielt ein solcher „support gap“ zur Erklärung der Unterrepräsentanz von Frauen in hohen beruflichen Positionen eine entscheidende Rolle, wie die Analyse verdeutlicht.

Schlagwörter: Doppelverdiener-Partnerschaften, „coupled careers“, Aufstiege, hohe berufliche Positionen, Ressourcen, Sozialkapital, Homogamie, soziale Unterstützung, Hausarbeit, marginale Effekte

Career advancement in partnership context: The role of homogamy and partners’ social support

Based upon research on “coupled careers”, the partnership is seen as an important context where not only career opportunities but also barriers are generated. Using data from the Socio-Economic Panel Study (SOEP), this article pays particular attention to status homogamy and partners’ social support as beneficial aspects of partnerships for career advancement. The analysis of dual-earner couples reveals that men are more likely to move up into high occupational positions when they live in a highly qualified status homogameous partnership where both partners are highly educated and work in similar occupations. This is in line with arguments from social capital theory assuming an exchange of knowledge and understanding between partners especially in homogamous partnerships. Furthermore, the analysis shows that for women partners’ social support is of significant importance for gaining a high occupational position: Women are more likely to advance their careers if they report that their partners support their career advancement, and if the partner carries out the higher amount of domestic work. Because in Germany the division of domestic labor is still traditional, with women carrying out the lion’s share of domestic work, this “support gap” plays a significant role in explaining the underrepresentation of women in high occupational positions, as the analysis shows.

Key words: dual earner partnerships, coupled careers, promotion, high occupational positions, resources, social capital, homogamy, social support, housework, marginal effects


Francesca Alby, Marilena Fatigante & Cristina Zucchermaglio (pp.29-48)

„Jemand wird schon daran denken.“ – Frauen als Managerinnen des Haushalts in Doppelverdienerfamilien

In dieser Arbeit nehmen wir mithilfe eines Multimethodenansatzes die Managementpraxis erwerbstätiger Mütter, die diese zur Bewältigung komplexer Zeitpläne und der Bedürfnisse der Familie anwenden, in den Blick. Aus vorausgegangenen Studien wissen wir, dass Doppelverdienerfamilien einer grundlegenden Umgestaltung des häuslichen Familienlebens gegenüberstehen, wobei bisher kaum darüber geforscht wurde, wie eine solche Reorganisation innerhalb der Familien erreicht wird. Die Erkenntnisse beruhen auf verschiedenen Datensätzen (Fokusgruppen, Zeitverwendungstagebücher, Aufzeichnung von Alltagsgesprächen) und verweisen auf die zentrale Bedeutung dieser Managementpraktiken im häuslichen Alltagsleben dieser Familien. Die Ergebnisse zeigen zudem, dass die Hausarbeit eine Arena praktischer Überlegungen und Denkmuster ist. Mithilfe einer detaillierten Analyse der sequentiellen Handlungsabfolgen in der Hausarbeit werden die Managementpraktiken sichtbar, die die Mütter nutzen, um unterschiedliche und miteinander in Wettstreit stehende Aktivitäten für sich zu verwerten und zu koordinieren. Abschließend schlagen wir vor, dass diese Managementpraktiken eine Form von Care-Arbeit darstellt, durch die Mütter das Wohlergehen der Familienmitglieder sicherstellen.

Schlagwörter: erwerbstätige Mütter, Hausarbeit, Interaktion, Familienmanagement, kognitive Tätigkeit

“Somebody is thinking about it”: Women as household managers in dual-earner families

In this work we focus, through a multi-method approach, on the managerial practices used by working mothers to deal with complex schedules and family needs in domestic life. We know, from previous studies, that dual earner families face substantial reorganizations of their domestic life, but there has been little research on how such reorganizations are accomplished within families. Findings draw on different data sets (focus groups, self-report charts, naturally occurring in- teractions) and, overall, show the centrality of managerial practices in the everyday domestic life of this kind of families. Results also show that housework is an arena for practical reasoning and thinking, making visible, through a detailed analysis of the sequential unfolding of actions, the managerial practices used by mothers to exploit and interactively coordinate different and competing activities. Finally, we suggest that managerial practices may constitute a form of care work through which mothers guarantee family members’ well-being.

Key words: working mother, housework, interaction, family management, cognitive work


Sabine Diabaté & Detlev Lück (pp.49-69)

Familienleitbilder – Identifikation und Wirkungsweise auf generatives Verhalten

Seit langem zeichnet sich die Bundesrepublik Deutschland durch ein niedriges Geburtenniveau aus. In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurden zur Erklärung des generativen Verhaltens vor allem sozioökonomische und strukturelle Rahmenbedingungen herangezogen. Dieser Beitrag versteht sich als Plädoyer für eine Leitbildforschung, in der normativ-kulturelle Erklärungsansätze weiterentwickelt werden, um bestehende Konzepte komplementär zu ergänzen und zu einem umfassenderen Verständnis beizutragen. Hierbei wird angenommen, dass kollektiv geteilte Leitbilder existieren, welche beispielsweise die Gestaltung der Partnerschaft oder Elternschaft und den Kinderwunsch bzw. die Entscheidung für oder gegen (weitere) Kinder beeinflussen. Es werden verschiedene Kriterien entwickelt, um eine künftige empirische Suche und Identifikation von Familienleitbildern theoretisch zu fundieren. Abschließend werden methodische Herausforderungen für eine soziologische Leitbildforschung diskutiert.

Schlagwörter: Leitbild, Familienleitbild, Leitbildforschung, Rational-Choice, Normen, Werte, Geschlechterrollen, Partnerschaft, generatives Verhalten, Elternschaft, Kinderwunsch, Leitbildanalyse, Familienpolitik

Family-orientated Leitbilder – Identification and impact on generative behaviour

For a long time, the Federal Republic of Germany has been characterised by a low birth rate. In the past two decades, particularly socio-economic and structural frameworks were used to explain generative behaviour. This article is to be understood as a plea for Leitbild research. Here, normative-cultural explanations are developed to explain reproductive behaviour and to obtain a deeper understanding of parental roles and partnership. It is assumed that collectively shared guiding role models (Leitbilder) exist, which are influencing e.g. the partnership, the parent-child relationship and the decision for or against (more) children. Criteria are developed to provide a theoretical foundation for the empirical search for and identification of Leitbilder in the future. Finally, starting points for sociological research on Leitbilder are outlined.

Keywords: Leitbild, guiding role model, family role model, Leitbild research, rational choice, norms, values, gender roles, partnership, generative behaviour, parenting, fertility, Leitbild analysis, family policy


Birgit Leyendecker, Banu Citlak, Jörg-Peter Schräpler & Axel Schölmerich (pp.70-93)

Diversität elterlicher Einstellungen und vorschulischer Lernerfahrungen – Ein Vergleich deutscher und zugewanderter Familien aus der Türkei, Russland und Polen

Das Ziel der vorliegenden Studie war die Untersuchung der bildungsrelevanten Vorerfahrungen von Schulanfängern (N = 3.960) im Hinblick auf den kulturellen Hintergrund und die Bildung ihrer Eltern. 39 Prozent der befragten Eltern hatten einen Migrationshintergrund. Der Zusammenhang zwischen Schulbildung der Eltern und ihren Einstellungen sowie den Lerngelegenheiten für ihre Kinder war in allen Gruppen erkennbar, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. Kinder aus zugewanderten Familien sahen insgesamt mehr fern, ihre Eltern maßen dem Vorlesen weniger Bedeutung bei und die Wahrscheinlichkeit, dass sie an extracurricularen Aktivitäten teilnahmen, war geringer. Ihre Eltern erwarteten eine höhere Übernahme von Verantwortung für Bildung von den Kindergärten sowie für Disziplin von den Schulen. Fast alle Kinder besuchten eine Kindertagesstätte, jedoch war die Wahrscheinlichkeit eines verkürzten Besuchs von maximal zwei Jahren am höchsten bei Kindern aus zugewanderten Familien mit geringer elterlicher Schulbildung. Die Ergebnisse werden im Hinblick auf Empfehlungen diskutiert.

Schlagwörter: Familie, Migration, Bildung, Vorschulalter, Erziehungseinstellungen

Diversity of parental attitudes and early learning experiences – A comparison of German and immigrant families from Turkey, Russia, and Poland

The aim of the present study was to identify differences in children’s preschool experiences in relation to their parents’ educational and cultural backgrounds (N = 3.960). 39 percent of the participating children grew up in immigrant families. Results indicate that the relationship between parents’ education and attitudes, and children’s learning opportunities was visible among members of all groups, albeit to different degrees. Children from immigrant families were more likely to watch more TV and less likely to participate in extracurricular activities and reading. Their parents were more likely to expect the kindergarten to be responsible for children’s education and schools to be responsible for teaching discipline to children. Kindergarten participation was high in all groups, yet immigrant children who had mothers with little education were most likely to attend kindergarten for two years or less. Policy implications of these findings are discussed.

Keywords: family, migration, education, preschool age, parental socialization goals


Armando Häring (pp. 94-113)

Der Zusammenhang von Partnermarktopportunitäten aus dem Freundeskreis und der Stabilität von Paarbeziehungen. Eine Analyse mit den Daten des Partnermarktsurvey

Der Beitrag analysiert den Zusammenhang zwischen Partnermarktoportunitäten aus dem Freundeskreis und der Stabilität von Paarbeziehungen. Unter Verwendung des theoretischen Konzepts der Theorie der Interaktionsgelegenheiten sowie von Annahmen der Austauschtheorie und der Familienökonomie, werden mögliche Zusammenhänge zwischen gemeinsamen Freundeskreisen mit dem Partner, Partnermarktgelegenheiten aus dem Freundeskreis (sex ratio) und der Stabilität von Paarbeziehungen diskutiert. Der Beitrag befasst sich daneben mit sozialen Unterschieden im Zugang zu Partnermarktgelegenheiten im Freundeskreis, die für Männer und Frauen und für Personen mit und ohne gemeinsamen Freundeskreis mit dem Partner bestehen können. Die Befunde zeigen, dass Partnermarktopportunitäten im Freundeskreis mit einer geringeren Beziehungsstabilität zusammenhängen. Soziale Unterschiede im Zugang zu Partnermarktgelegenheiten im Freundeskreis tragen dagegen nicht zu der Erklärung der Beziehungsstabilität bei. Als Datengrundlage für die empirische Analyse wird der Partnermarktsurvey verwendet, der speziell dazu verwendet werden kann, Partnermarktopportunitäten zu beschreiben.

Schlagwörter: Trennung, Partnermarkt, Freundeskreis, Partnerschaft

The association of partner market opportunities in friendship networks and the stability of partnerships. An analysis using the Partner Market Survey

The empirical analysis in this paper focuses on the association between partner market opportunities from friendship networks and the stability of relationships. Following the theoretical framework of the theory of interaction, the exchange theory and the economic theory of the family, the paper discusses possible associations between common friends with the partner, partner market opportunities from friendship networks (sex ratio) and the stability of relationships. The paper also considers social differences in partner market opportunities from friendship networks, which can be assumed for men and women and for people with and without a common friendship network with their partner. Empirical evidences in this paper show that partner market opportunities from friendship networks stand in a negative association with the stability of relationships. However, social differences in partner market opportunities from friendship networks show no further results. A special data set for examining partner market opportunities (Partner Market Survey) is used for the empirical analysis in this paper.

Key words: separation, partner market, friendship network, partnership