Volume 22 (2010) – Issue 1

22. Jahrgang (2010) – Heft 1

Content | Inhalt

Irena Kogan: Einleitung zum Schwerpunktthema: Introduction to the special issue on Minority ethnic groups’ marriage patterns in Europe

Frank Kalter, Julia Schroether: Transnational marriages among former labour migrants in Germany

Raya Muttarak: Explaining trends and patterns of immigrants’ partner choice in Britain

Aycan Çelikaksoy, Lena Nekby & Saman Rashid: Assortative mating by ethnic background and education among individuals with an immigrant background in Sweden

Mirna Safi: Patterns of immigrant intermarriage in France: Intergenerational marital assimilation?

Daniela Klaus: Kinderkosten und Familiengründung: Erste Befunde einer Prüfung der Neuen Haushaltsökonomie unter Verwendung von Paardaten


Abstracts and keywords | Zusammenfassungen und Schlagwörter

Frank Kalter & Julia H. Schroedter (pp. 11-36)

Transnationale Ehen von ehemaligen Arbeitsmigranten in Deutschland

In diesem Beitrag verwenden wir Daten der amtlichen Statistik, um transnationale Ehen bei Immigranten in Deutschland zu analysieren. Die Zusammenführung aller verfügbaren Scientific Use Files des deutschen Mikrozenus zwischen 1976 und 2004 liefert empirische Befunde, die in ihrer Breite und in der Tiefe ihrer Differenzierung bislang einzigartig sind. Wir betrachten die fünf am weitesten verbreiteten Gruppen ehemaliger Arbeitsmigranten und untersuchen gruppenspezifische Trends über die Generationen und über die Zeit. Unsere empirische Analyse wird von vier Grundannahmen geleitet, die in einem allgemeineren theoretischen Rahmen des Heiratsverhaltens von Migranten verankert sind. Wie erwartet finden wir hinsichtlich der Neigung, eine(n) Partner(in) aus dem jeweils eigenen Herkunftsland zu wählen, große Unterschiede zwischen den Gruppen. Die vermuteten Effekte der Opportunitätsstruktur werden jedoch nur für die Frauen bestätigt. Zentrale Schlussfolgerungen aus einer allgemein assimilationistischen Sichtweise zeigen sich ebenfalls nur teilweise: Zu den erstaunlichsten Ergebnissen unserer Studie gehören die allgemeine Zunahme transnationaler Ehen von Frauen aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei sowie die Abwesenheit von Effekten der strukturellen Assimilation auf die Neigung zur transnationalen Ehe.

Schlagwörter: transnationale Ehen, soziale Integration, Heiratsverhalten von Migranten, Mikrozensus

Transnational marriage among former labour migrants in Germany

In this paper we make use of data from the official statistics to analyze transnational marriage among immigrants in Germany. Pooling all currently available Scientific Use Files of the German Microcensus between 1976 and 2004, we are able to contribute empirical findings that are unique in their scope and their degree of differentiation. We look at the five most common groups of former labour migrants and study group-specific trends over generations and time. Our empirical analysis is guided by four basic expectations, which are anchored in a more general theoretical framework of immigrants’ marriage behaviour. We find, as expected, large group differences in the propensity to select a spouse from one’s own country of origin. Assumed effects of the opportunity structure, however, can only be confirmed for women. Central derivations from a general assimilationist view are also only partly supported: A general increase in transnational marriages among ex-Yugoslav and Turkish women over marriage cohorts, and the absence of any effects of structural assimilation on the propensity toward transnational marriages are the most puzzling results.

Key words: transnational marriage, social integration, marriage behaviour of migrants, German Microcensus


Raya Muttarak (pp. 37-64)

Wie sind die Trends und Verhaltensmuster der Partnerwahl von Immigrant(inn)en in Großbritannien zu erklären?

Auf Basis des General Household Survey der Jahre 1988 bis 2006 (N=121.934) werden in diesem Beitrag Trends und Verhaltensmuster der Partnerschaftsanbahnung von Immigrant(inn)en in Groß- britannien untersucht, sowie diesen zugrundeliegende Faktoren, die die Partnerwahl beeinflussen, erklärt. Folgende Fragestellungen sind dabei ausschlaggebend: 1. Gehen Immigrant(inn)en aus beiden Geschlechtern, aus verschiedenen Generationen und unterschiedenen ethnischen Gruppen eine Partnerschaft ein mit a) einer/einem weißen Britin/Briten, b) einer/einem Angehörigen der gleichen Ethnie, die/der in Großbritannien geboren ist oder c) einer/einem im Ausland geborenen Angehörigen der gleichen Ethnie? Und 2) Welche Faktoren tragen dazu bei, diese Auswahl zu erklären? Für Immigrant(inn)en, die in Großbritannien sozialisiert wurden – d.h. diejenigen, die zur zweiten Generation gehören oder in sehr jungen Jahren eingewandert sind – ist es wahrscheinlicher, eine(n) weiße(n) britische(n) Partner(in) zu haben. Zugleich ist es für diese weniger wahrscheinlich, sich in einer transnationalen Partnerschaft zu befinden. Das Heiratsalter, der Zivilstand, die Bildungsqualifikationen, die ethnische Zusammensetzung des Wohngebietes, die Geschlechterratio und Bildungshomogamie sind signifikante Prädiktoren der Partnerwahl. Dennoch bleibt die ethnische Herkunft eine wichtige Determinante der Verhaltensmuster beim Entstehen von Partnerschaften. Die statistischen Analysen lassen darauf schließen, dass die Anteile interethnischer Partnerschaften mit einer/einem weißen Britin/Briten für Schwarze aus der Karibik und Afrika stetig und allmählich auch für höher gebildete Inder ansteigen werden. Die Anteile der Pakistanis und Bangladeschis mit einem weißen britischen Partner wird gering bleiben, zugleich werden transnationale Hochzeiten mit einem Partner aus Übersee, der der gleichen Ethnie angehört, gängige Praxis bleiben. Ingesamt nehmen in Großbritannien interethnische Partnerschaften zwischen der weißen britischen Bevölkerungsgruppe und denjenigen mit einem Migrationshintergrund zu.

Schlagwörter: interethnische Ehen, transnationale Ehen, Integration, ethnische Minderheit, Großbritannien

Explaining trends and patterns of immigrants’ partner choice in Britain

Based on the 1988–2006 General Household Survey (N=121,934), this paper investigates trends and patterns of partnership formation of immigrants in Britain and explains underlying factors influencing partner choice. The key questions are:1) whom do the immigrants of different gender, generation and ethnic groups form partnerships with: (a White British partner, a Britishborn coethnic partner or a coethnic partner from overseas); and 2) what factors are explaining such a choice. Immigrants socialised in Britain, the second generation and those who migrated to Britain at a young age, are more likely to have a White British partner and less likely to be in a transnational partnership. Age at union, marital status, educational qualification, area ethnic composition, sex ratio and educational homogomy are significant predictors of one’s partner choice. Yet, ethnic origin remains a crucial determinant of patterns of partnership formation. The statistical analysis suggests that the rates of interethnic union with a White British partner will continue to increase for Black Caribbean, Black Africans and also gradually for highly educated Indians. The proportion of Pakistanis and Bangladeshis having a White British partner will remain low and simultaneously transnational marriage with a coethnic partner from overseas will still be commonly practiced. Overall, interethnic partnerships between the White British population and the population with an immigrant background are increasing in Britain.

Key words: intermarriage, transnational marriage, integration, ethnic minority, Britain


Aycan Çelikaksoy, Lena Nekby & Saman Rashid (pp. 65-88)

Assortative Mating nach ethnischen und Bildungsgesichtspunkten bei Individuen mit Migrationshintergrund in Schweden

In diesem Beitrag werden die Determinanten des nach ethnischen und Bildungsgesichtspunkten ausgerichteten Assortative Mating bei Individuen mit Migrationshintergrund in Schweden untersucht, indem die Rolle individueller und elterlichen Charakteristika sowie die des Heiratmarktes in den Blick genommen werden. Die Ergebnisse legen nahe, dass ein höheres Niveau des für das Aufnahmeland spezifischen Humankapitals die Wahrscheinlichkeit ethnischer Endogamie sinken und die Wahrscheinlichkeit der Bildungshomogamie steigen lässt. Gelegenheitsstrukturen, hier gemessen anhand der Geschlechterratio und der relativen Größe der ethnischen Gruppe, sind jedoch positiv mit beiden Typen des Assortative Mating korreliert. Elterliche Partnerauswahl (nach ethnischen oder Bildungsaspekten) als ein Maß für die ethnische Gruppenidentität erhöht die Wahrscheinlichkeit des Assortative Mating. Ein Vergleich marginaler Effekte nach dem Geschlecht legt nahe, dass die durch die Ethnizität und das Bildungsniveau definierten sozialen Grenzziehungen auf dem Heiratsmarkt von den Männern mit der Akkumulation von örtlichem und allgemeinem Humankapital – relativ gesehen – leichter überschritten werden können. Ebenso gilt, dass der Einfluss der Gruppenidentität für Frauen von größerer Bedeutung ist, wenn Eheschließungen auf der Grundlage der Ethnizität erfolgen und dass dieser Einfluss dann für die Männer wichtiger ist, wenn die Eheschließungen auf der Grundlage des Bildungsniveaus erfolgen.

Schlagwörter: Assortative Mating, Migrationshintergrund, Ethnizität, Bildungsniveau, Heiratsmarkt, elterliche Charakteristika, Geschlechterratio, Gruppengröße, Gender

Assortative mating by ethnic background and education among individuals with an immigrant background in Sweden

This paper analyzes the determinants of assortative mating by ethnicity and education for individuals with an immigrant background in Sweden, focusing on the role of individual, marriage market and parental characteristics. Results indicate that higher levels of host country specific human capital decrease the likelihood of ethnic endogamy and increase the likelihood of educational homogamy. Opportunity as measured by sex ratios and relative group size is found to be positively correlated to both types of assortative mating. Parental assortative mating (ethnic/educational), as a measure of group identity, is found to increase the likelihood of assortative mating. A comparison of marginal effects, by gender, suggests that the social boundaries defined by ethnicity and education in the marriage market are relatively more easily crossed by men with the accumulation of local and general human capital. Likewise, the influence of group identity appears to matter more for women when marriages are based on ethnicity but matter more for men when marriages are based on education.

Key words: assortative mating, immigrant background, ethnicity, educational level, marriage market, parental characteristics, sex ratio, group size, gender


Mirna Safi (pp. 89-108)

Muster interethnischer Eheschließungen von Immigranten in Frankreich: Intergenerationale Assimilation durch Eheschließungen?

Dieser Beitrag gibt Einblick in interethnische Eheschließungen in Frankreich. Es werden Trends des Heiratsverhaltens von Immigrant(inn)en in den Jahren 1976 und 2000 in Frankreich beschrieben, interethnische Eheschließungsraten bei verschiedenen Immigrantengruppen miteinander verglichen, wobei ein besonderes Augenmerk auf Veränderungen im Heiratsverhalten über die Einwanderergenerationen hinweg gerichtet wird. Bei den statistischen Analysen werden sowohl individuelle Faktoren als auch Kontexteffekte, wie z.B. das Geschlechterverhältnis und die Gruppengröße der betreffenden Gruppen, einbezogen. Auf Basis der Daten des Échantillon démographique permanent (demographische Dauerstichprobe) des Institut National de la Statistique et des Études Économiques (INSEE) deuten die Ergebnisse darauf hin, dass es einen über die Zeit stabilen Trend beim Heiratsverhalten von Männern und Frauen mit Migrationshintergrund, sehr deutliche Unterschiede in den interethnischen Eheschließungsraten zwischen den Einwanderergruppen sowie signifikante Ver- änderungen im Heiratsverhalten der zweiten Generation der Einwanderer gibt. Letztere gehen – unabhängig von ihrer Herkunft – sehr viel häufiger interethnische Ehen als noch ihre Eltern ein.

Schlagwörter: Immigration, interethnische Ehe, Assimilation, zweite Generation, Kontextvariablen

Patterns of immigrant intermarriage in France: Intergenerational marital assimilation?

This article provides insight into immigrant intermarriage in France. It describes trends of immigrant marital behaviour between 1976 and 2000, compares intermarriage rates amongst different immigrant groups and pays particular attention to changes in marital behaviour across immigrant generations. The statistical analyses take into account individual factors and contextual effects such as the sex-ratios and sizes of the groups in question. Based on data from the Échantillon démographique permanent (Permanent Demographic Sample, EDP) of the Institut National de la Statistique et des Études Économiques (INSEE), findings point to a stable trend of marital behaviour among immigrant men and women over time, sharp differences in intermarriage rates among groups, and a significant change in the marital behaviour of secondgeneration immigrants, who intermarry much more often than their parents regardless of their origin.

Keywords: immigration, intermarriage, assimilation, second generation, contextual variables


Daniela Klaus (pp. 109-129)

Kinderkosten und Familiengründung: Erste Befunde einer Prüfung der Neuen Haushaltsökonomie unter Verwendung von Paardaten

Am Beispiel der Familiengründung wird die empirische Relevanz der Neuen Haushaltsökonomie (NHE) untersucht. Dabei geht dieser Beitrag in zweierlei Hinsicht über die übliche Anwendung dieses Ansatzes hinaus: Einerseits wird, parallel zur Opportunitätenkostenhypothese, die oft vernachlässigte Einkommenshypothese berücksichtigt. Andererseits wird das in diesem Erklärungszusammenhang zentrale Konzept der Kinderkosten nicht, wie üblich, über bildungs- oder erwerbsbezogene Indikatoren operationalisiert, sondern über die subjektive Einschätzung der persönlichen Relevanz unterschiedlicher Kostenaspekte von Elternschaft. Die Analyse basiert auf Daten von 237 Paaren, die im Rahmen einer Vorstudie des Projektes Panel Analysis of Intimate Relationships and Family Dynamics 2006 erhoben worden sind. Die angesichts des Querschnittscharakters der Daten sowie der eingeschränkten Validität einiger Indikatoren vorläufigen Ergebnisse lassen sich allenfalls als mittelmäßige Bestätigung der NHE interpretieren. Zumindest gewisse Unterstützung erfährt die Opportunitätenkostenhypothese: Mit zunehmender Bildung der Frau steigen die von ihr wahrgenommenen Opportunitätenkosten, was die Wahrscheinlichkeit der Familiengründung herabsetzt. Auch die von der Frau angegebenen direkten Kosten, die mit dem Bildungsniveau ihres Partners sinken, beeinflussen die Erstgeburt negativ, was zunächst für die Einkommenshypothese spricht. Allerdings kann nicht bestätigt werden, dass dieser positive Bildungseffekt seine Wirksamkeit über die Kinderkosten erlangt. Schließlich erweisen sich die von den Männern wahrgenommenen Kinderkosten weder als bildungsabhängig noch haben sie einen Einfluss auf die Familiengründung.

Schlagwörter: Neue Haushaltsökonomie, Familiengründung, Kinderkosten, Paaranalyse

Child-related costs and the transition to parenthood: A preliminary test of the New Home Economics using data from German couples.

The aim of this contribution is to examine basic implications of the New Home Economics (NHE) with respect to family formation using data from couples. This investigation extends the multitude of empirical applications of the NHE in two ways: First, the often neglected income hypothesis is tested simultaneously to the prominent opportunity cost hypothesis. Second, child-related costs are measured directly rather than assumed from individual’s socio-economic position since they were indicated by the respondent’s individual perception. Within a pre-study of the German Panel Analysis of Intimate Relationships and Family Dynamics a sub-sample of 237 couples was conducted in 2006. Due to the cross-sectional nature of the data and the limited validity of some indices the findings are only of preliminary character. They suggest only a moderate confirmation of the NHE. At least, some evidence is provided for the opportunity cost hypothesis. The higher woman’s educational level the higher her job related opportunity costs which finally decrease the likelihood of the first birth. No evidence is found with respect to the income hypothesis as man’s positive educational effect on family formation seems not to be mediated by the direct childrelated costs perceived by his female partner. Counterevidence is also related to the costs perceived by the male partner as they are not only independent of the educational level but also irrelevant in terms of family formation.

Key words: New Home Economics, family formation, child-related costs, dyadic analysis