Volume 18 (2006) – Issue 2

18. Jahrgang (2006) – Heft 2

Content | Inhalt

Hartmann Tyrell: Familienforschung – Familiensoziologie: Einleitende Bemerkungen

Guy Bodenmann: Positionsbestimmung in der Paar- und Familienpsychologie

Rainer Silbereisen: “Für Politik relevant” bedeutet mehr als nur “Forschung mit Anwendungsbezug” – Kommentar zum Beitrag von Guy Bodenmann

Günter Burkart: Positionen und Perspektiven. Zum Stand der Theoriebildung in der Familiensoziologie

Josef Brüderl: Was kann familiensoziologische Theorie? Korreferat zum Beitrag von Günter Burkart

Johannes Huinink: Zur Positionsbestimmung der empirischen Familiensoziologie

Martin Abraham: Empirische Forschung und theoretischer Fortschritt in der Familiensoziologie: Korreferat zu Johannes Huininks Beitrag


Abstracts and keywords | Zusammenfassungen und Schlagwörter

Hartmann Tyrell (pp. 139-147)

Familenforschung – Familiensoziologie: Einleitende Bemerkungen

In diesen einleitenden Bemerkungen nimmt der Moderator der Familienwissenschaftlichen Konferenz Stellung zum Verhältnis zwischen Familienpsychologie und Familiensoziologie, zum wachsenden Einfluss der Rational-Choice-Theorie auf letztere, sowie zur während der Tagung recht lebhaften Debatte über Stabilität und Wandel des Familienleitbildes im 20. Jahrhundert. Abschlie- ßend plädiert er für eine Dekomposition des so stark einheitsbetonten Familienbegriff.

Schlagworte: Familienpsychologie, Familiensoziologie, Rational-Choice-Theorie, Stabilität und Wandel des Familialen, Dekomposition

Family research – family sociology: Some introductory remarks

In his introductory remarks, the chairman of the Conference on the State of the Art in Family Research – that took place on March 19th and 20th 2006 in Bamberg and was jointly organised by the State Institute for Family Research at the University of Bamberg and the Zeitschrift für Familienforschung (Journal of Family Research) – comments on the relationship between family psychology and family sociology, on the increasing impact of rational-choice theory on family sociology as well as on the debate on stability and change of the overall concept of family during the 20th century that was so vibrant during this conference. The author concludes his remarks by pleading for a decomposition of the concept of the family as an all encompassing unit.

Keywords: family psychology, family sociology, rational-choice theory, stability vs. change of the overall concept of family, decomposition


Guy Bodenmann (pp. 148-170)

Positionsbestimmung in der Paar- und Familienpsychologie

Dieser Beitrag gibt einen Überblick über gewisse Themen und Strömungen in der Paar- und Familienpsychologie, die aktuell besondere Aufmerksamkeit erfahren. Diese werden nach dem Gesichtspunkt der familienpsychologischen Grundlagenforschung versus der familienpsychologischen Anwendungsforschung unterschieden. Diese Zusammenstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern zeigt lediglich einige Tendenzen auf. Forschungsthemen, die künftig noch mehr Beachtung finden sollten, werden ebenfalls kurz gestreift.

Schlagworte: Familie, Partnerschaft, Scheidung, Stress, Bindung, Paartherapie.

Current situation of couple and family psychology

This article tries to resume some of the theoretical and empirical issues that attract currently high attention within the field of marital and family psychology. Although no exhausting overview can be given, some relevant topics are presented and discussed with regard to basic research in family psychology and their application in prevention and psychotherapy. Themes that merit more consideration in the future are also addressed.

Key words: family, couple, divorce, stress, attachment, marital therapy


Rainer K. Silbereisen (pp. 171-174)

„Für Politik relevant“ bedeutet mehr als nur „Forschung mit Anwendungsbezug“ – Kommentar zu Guy Bodenmann

Der Kommentar zu Bodenmanns Beitrag versucht an Beispielen zu zeigen, dass es mehr als korrelativer Evidenz zum Zusammenhang von familiären Risikobedingungen und problematischen kindlichen Verhaltensweisen bedarf, wenn man als Forscher politische Entscheidungen zur Planung von Interventionen beeinflussen will. Zuvorderst muss eine klare UrsacheWirkungs-Beziehung mit geeigneten Designs belegt werden. Weiterhin sind Informationen über die Veränderbarkeit der Risikobedingung, etwa die von Bodenmann angeführte elterliche Sensitivität erforderlich, man benötigt Kenntnisse zu möglichen Schwelleneffekten mit Blick auf das Problemverhalten, Abschätzungen der Kostenwürdigkeit, sowie Einsichten in mögliche Nebeneffekte der Intervention und alternativer Ziele und Maßnahmen.

Schlagworte: politische Entscheidungen, Ursache-Wirkungs-Beziehung, elterliche Sensitivität, effektive Intervention

“Relevance for social policies” requires more than just doing “research with an applied perspective”. A commentary on Guy Bodenmann’s paper

In this commentary on Bodenmann’s paper, I try to exemplify that in order to be relevant to the formulation of social policies, researchers need to offer more than correlative evidence on potential family antecedents of children’s behaviour that are deemed problematic for the development of competence. Rather, a clear cause-effect relation has to be established via adequate design. Moreover, policy makers need information on the malleability of the antecedent condition, such as parental sensitivity mentioned by Bodenmann, knowledge about potential thresholds for effective intervention, cost-effect estimates, and insights into potential side effects and alternative solutions to the targets and measures originally suggested.

Key words: policy decisions, cause-effect relation, parental sensitivity, effective intervention


Günter Burkart (pp. 175-205)

Positionen und Perspektiven. Zum Stand der Theoriebildung in der Familiensoziologie

Der Beitrag versucht, den Stand der familiensoziologischen Theoriebildung zu bestimmen. Dazu werden zunächst die wichtigsten theoretischen Ansätze benannt, die für die Familienforschung der letzten Dekaden in Deutschland relevant waren, gefolgt von einer Darstellung der wichtigsten theoretischen Grundprobleme und Diskussionsfelder, zunächst das Außenverhältnis der Familie betreffend, dann die Binnenstruktur. Ein Ergebnis ist, dass sich eine Reihe von Forschungsfeldern aus der Familiensoziolgie ausgelagert haben, so dass es nicht nur eine Reihe von Defiziten zu vermelden gibt, sondern dass es auch zunehmend schwierig erscheint, eine einheitliche Theorie der Familie zu konstruieren. Dies wäre aber gerade angesichts der Herausforderung durch die Erfolge der BioWissenschaften dringend notwendig.

Schlagworte: Familiensoziologie, Familientheorie, Stand der Forschung

Positions and perspectives : on the state of the art in sociological family theory

This paper tries to ascertain the state of the art in family theory and to identify the discussions and topics which contributed to progress in the field. For this purpose, the most influential approaches in German family sociology are discussed, followed by two sections focusing on the relationship between family and society, and the internal structure of the family, respectively. One result is that the problems of theoretical integration are increasing because some of the research fields that were formerly part of family sociology now have abandoned the field. An integrated theory of the family, however, seems to be an important issue for the future when regarding the challenge of family research by the success of biology and life-sciences.

Key words: family theory, family sociology, state of the art


Josef Brüderl (pp. 206-211)

Was kann familiensoziologische Theorie? Korreferat zum Beitrag von Günter Burkart

Dieser Artikel diskutiert aus der Sicht des kritischen Rationalismus gängige Theoriedebatten der Familiensoziologie. Es zeigt sich, dass viele dieser Theoriedebatten wenig Erkenntnisgewinn versprechen. Demgegenüber – so wird argumentiert – sind familienökonomische Modelle hilfreich für die Familienforschung.

Schlagworte: Familiensoziologie, Familien- ökonomie

What is sociological theory on the family about?

This article discusses current theoretical debates within family sociology. It is argued that many of these debates are fruitless. Instead, the author argues that models inspired by family economics have proven to be very helpful for family research.

Key words: family sociology, family economics


Johannes Huinink (pp.. 212-252)

Zur Positionsbestimmung der empirischen Familiensoziologie

In diesem Beitrag wird, notgedrungen selektiv, der derzeitige Stand der soziologischen Familienforschung beleuchtet und es werden einige Schlussfolgerungen zu zukünftigen Aufgaben abgeleitet, denen sich die Familiensoziologie zu stellen hat. Das Forschungsprogramm der Familiesoziologie wird näher bestimmt. Darauf bezogen wird ein kritischer Überblick über den Forschungs- und Diskussionsstand in den wichtigsten Forschungsfeldern gegeben. Einige Forschungsdefizite werden diagnostiziert. Die Bestandsaufnahme mündet in die Formulierung einer Reihe von wichtigen Herausforderungen familiensoziologischer Forschung. Dazu gehört, die Analyse der kulturellen und sozialen Determinanten der Familienentwicklung zu stärken, was nur durch einen Innovationsschub in der familiensoziologischen Empirie, eine noch stärkere interdisziplinäre Ausrichtung der empirischen Familiensoziologie und mehr international vergleichende Forschung erreicht werden kann. Inhaltlich sollte die Forschung zu den Leistungen und zur Leistungsfähigkeit der Familie unter verschiedenen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen stärker in den Vordergrund gerückt und eine engagierte Diskussion um die Zukunft der Familie initiiert werden.

Schlagworte: empirische Familiensoziologie, Forschungsstand, Desiderata

Taking stock: Empirical sociological research on the family

In this article, we take a view on the current state of the art of empirical sociological research on the family and draw some conclusions concerning challenges of future research. We identify the main research topics of family sociology and provide a critical overview over the knowledge already gained and the scientific discourse in important fields of research. Deficits are addressed und future research topics are proposed. We need more research on cultural and social determinants of family dynamics, thus requiring an innovative thrust in research methods, more interdisciplinary openness and more comparative research. From the substantive point of view, more research is needed on the performance and the capabilities of families in modern societies. These research endeavours should be accompanied by a serious discussion about the future of the family.

Key words: empirical sociological research on the family, state of the art, desiderata


Martin Abraham (pp. 253-259)

Empirische Forschung und theoretischer Fortschritt in der Familiensoziologie: Koreferat zu Johannes Huininks Beitrag

In diesem Beitrag wird der Frage nachgegangen, welcher Art von empirischer Forschung es bedarf, um theoretischen Fortschritt zu erzielen. In Thesenform werden vier Forschungsdesigns vorgestellt, die die „klassischen“ Forschungsdesigns fruchtbar ergänzen können: 1. der verstärkte Einsatz von Längsschnittdaten, 2. die verstärkte Betrachtung kleiner Subgruppen, 3. der Einsatz experimenteller Verfahren und schließlich 4. der Einsatz von Simulationsstudien. Der vermehrte Bezug auf diese bisher weniger gebräuchlichen Designs kann dazu beitragen, Empirie und Theorie stärker aufeinander zu beziehen.

Schlagworte: Forschungsdesigns, Längsschnittdaten, experimentelle Verfahren, Simulationsstudien.

Empirical research and theoretical progress in family sociology: Supplementary paper on Johannes Huinink’s presentation

In this paper, I discuss the question what kind of empirical research should be considered necessary for achieving progress in the formation of theory. In four theses, I present research designs that could complement ‘classical’ research designs in a fruitful manner: first, boosting the application of longitudinal data; second, strengthening the observation of small subgroups; third, applying experimental procedures; and, fourth, applying simulation studies. A stronger emphasis on these lessemployed research designs can contribute to a stronger interrelation between empirical research and theoretical reasoning.

Keywords: research designs, longitudinal data, experimental procedures, simulation studies