Volume 14 (2002) – Issue 1

14. Jahrgang (2002) – Heft 1

Content | Inhalt

Bodenmann, Guy & Bradbury Thomas & Maderasz, Sabine: Scheidungsursachen und -verlauf aus der Sicht der Geschiedenen

Klaus, Daniela & Steinbach, Anja: Determinanten innerfamilialer Arbeitsteilung.
Eine Betrachtung im Längsschnitt

Hillmert, Steffen: Familiale Ressourcen und Bildungschancen: Konsequenzen eines frühzeitigen Elternverlustes

Klocke, Andreas & Lück, Detlev & Spellerberg, Annette: Lebensstile im Haushalts- und Familienkontext

Badnárová Bernardína & Džambazovic Roman: Internationale Zentrum für Familienstudien Bratislava


Abstracts and keywords | Zusammenfassungen und Schlagwörter

Guy Bodenmann, Thomas Bradbury & Sabine Maderasz (pp. 5-20)

Scheidungsursachen und –verlauf aus der Sicht der Geschiedenen

In dieser deskriptiven Untersuchung interessiert die Frage, wie Geschiedene den Zerfall der Partnerschaft aus der eigenen Sicht beschreiben, welche Gründe sie für die Auflö- sung der Ehe anführen, welche scheidungserschwerenden und scheidungserleichternden Bedingungen sie sehen und welche Ereignisse ihrer Meinung nach scheidungsauslösend wirkten. Die Untersuchung erfolgte an 204 Personen (140 Männer und 64 Frauen) mittels eines Fragebogens. Die Ergebnisse zeigen, dass als wichtigste Scheidungsgründe eine unterschiedliche Entwicklung der beiden Partner, deren mangelnde Kompetenzen für die Führung einer zufriedenstellenden Partnerschaft und enttäuschte Erwartungen genannt wurden. Als scheidungserleichternd wurden eine unbefriedigende Sexualität und mangelnde Passung gesehen, während die Verantwortung gegenüber den Kindern als wichtiger scheidungserschwerender Umstand bezeichnet wurde. Stress spielte sowohl als Scheidungsgrund wie auch als Auslöser für die Scheidung eine wichtige Rolle. Die Befunde werden vor dem Hintergrund der Befunde anderer Studien und theoretischer Gesichtspunkte analysiert und hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Prävention und Therapie bei Paaren diskutiert.

Schlagworte: Scheidung, Trennung, Ursachen.

The Causes and Progression of Divorce – divorced persons‘ views

This descriptive investigation focuses on divorced persons’ descriptions of the deterioration of their partnership, the reasons they cite for their marital break-up, which conditions made the divorce easier or more difficult, and which events, in their opinion, triggered the divorce. The study is based on questionnaire responses from 204 persons (140 men and 64 women). The results show that the most important reasons for divorce were partners developing differently from each other, their lack of competence in conducting a satisfying partnership, and their disappointment with unfulfilled expectations. Sexual dissatisfaction and insufficient compatibility were seen to make divorce easier, while responsibility for children was noted as an important factor making divorce more difficult. Stress played an important role both as a reason for divorce and as a trigger. The findings are analysed in light of other studies and theoretical perspectives and discussed with respect to their significance for divorce prevention and relationship counselling.

Key Words: divorce, separation, causes


Daniela Klaus & Anja Steinbach (pp. 21-43)

Determinanten innerfamilialer Arbeitsteilung. Eine Betrachtung im Längsschnitt.

Dieser Artikel versucht auf der Basis einer Sekundäranalyse der beiden Erhebungswellen des Familiensurveys von 1988 und 1994 sowie unter Rückgriff auf drei handlungstheoretische Erklärungsmodelle Faktoren herauszuarbeiten, die die Aufteilung der in Haushalt und Familie anfallenden Arbeiten zwischen den Partnern determinieren. Auf der Grundlage einer theoretischen Herleitung wird angenommen, dass neben der Erwerbstätigkeit und dem beruflichen Status, auch die Anzahl der im Haushalt lebenden Kinder, das Alter des jüngsten im Haushalt lebenden Kindes sowie der Familienstand Einfluss auf die innerfamiliale Arbeitsteilung nehmen. Mittels einer dynamisch modellierten logistischen Regressionsanalyse, welche dem durch die Nutzung von Längsschnittdaten gegebenen Entwicklungsaspekt explizit Rechnung trägt, gilt es diese Faktoren empirisch zu testen. Das Ergebnis schließt sich im Allgemeinen dem Haupttenor bereits vorliegender Untersuchungen an, der besagt, dass sich das traditionelle Muster der innerfamilialen Arbeitsteilung als recht resistent gegenüber Veränderungen erweist. Zwar kann diese Studie die Erwerbssituation in der Familie als eigenständig relevanten Faktor identifizieren, dennoch ist dessen Reichweite sehr begrenzt: Die Beteiligung der Frau am Erwerbsleben trägt nur sehr moderat zur einer stärker partnerschaftlich orientierten Arbeitsteilung bei.

Schlagworte: Innerfamiliale Arbeitsteilung, Ressourcentheorie, Austauschtheorie, Ökonomische Haushaltstheorien

Determinants of the Division of Work within the Household from a Longitudinal Perspective

The following article contains a secondary analysis of data from the German longitudinal study ,Family Survey, collected in 1988 and 1994. The data is examined in light of three theoretical approaches, to identify determinants for the division of labour within private households. The hypotheses are that the following factors will influence the division of labour within the household: employment, occupational position, the number of children living in the household, the age of the youngest child, and the partners’ marital status. A dynamic logistic regression model, appropriate to the ‘developing’ nature of longitudinal data, is used to empirically test for evidence of these determinants. The findings concur with existing empirical knowledge concerning this topic: The traditional division of household work is quite resistant to change. Although the study does identify the employment situation within the family as a significant determinant, its influence is very limited: women’s employment had only a small effect toward equitable division of household labour.

Keywords: division of labour within the household, resource theory, exchange theory, new home economics


Steffen Hillmert (pp. 44-69)

Familiale Ressourcen und Bildungschancen: Konsequenzen eines frühzeitigen Elternverlustes

Der Beitrag erfasst theoretisch und empirisch die Auswirkungen, die ein frühzeitiger Verlust der Eltern – insbesondere der Tod eines Elternteils – auf die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen hat. Insbesondere wird anhand von aktuellen Daten (Mikrozensus, SOEP) der faktische Einfluss auf die Bildungskarriere im Jugendund Heranwachsendenalter beobachtet. Ausgegangen wird dabei von der Vorstellung verschiedener Arten notwendiger oder hilfreicher Ressourcen, die zu einem großen Teil von den Eltern bereitgestellt werden. Insofern werden bei der Analyse neben der Ausbildungsphase des Kindes die formale Bildung, soziale Stellung und ökonomische Position der Herkunftsfamilie sowie das Alter beim Verlust der Eltern berücksichtigt. Zur Bewertung der Ergebnisse dienen als Vergleichsgruppen Kinder und Jugendliche, die mit beiden Elternteilen aufwachsen und solche, deren Eltern sich haben scheiden lassen. Die Ergebnisse zeigen – in Abhängigkeit vom Zeitpunkt – teilweise deutliche negative Einflüsse auf die Bildungskarrieren.

Schlagworte: Elternverlust; Bildungschancen; Ressourcen; soziale Ungleichheit; Waisen; empirische Analyse; Bundesrepublik Deutschland

Family Resources and Educational Opportunities: Consequences of early loss of parents

This project consists of theoretical and empirical analysis of the effects of early parental loss, especially the death of a parent, on educational opportunities for children and youth. Recent data (Mikrozensus, SOEP) is analysed to observe the actual impact on educational career in youth and early adulthood. This observation is guided by a concept of various kinds of necessary or helpful resources that are largely provided by parents. Therefore, the analysis considers, in addition to the child’s schooling, the family of origin’s formal education, social status, economic position and the child’s age at parental loss. Comparison groups of children who grew up with both parents and children whose parents got divorced are used in the interpretation of the results. The results show that, dependent of when a parent is lost, there are some clearly negative influences on the child’s educational career.

Key words: parental loss; educational opportunity; resources; social inequity; orphans; empirical analysis; Federal Republic of Germany


Andreas Klocke, Annette Spellerberg, Detlev Lück (pp. 70-87)

Lebensstile im Haushalts- und Familienkontext

Lebensstile beziehen sich zentral auf die Dimensionen Freizeit, Kultur und Lebensplanung. Sie berühren auch Aspekte des Familienlebens, und zwar im Hinblick auf die Relevanz des Lebensziels, eine Familie zu gründen, und hinsichtlich der Ausgestaltung dieses Lebensbereichs. Fragen nach der Verteilung von Lebensstilen auf Haushalts- und Familienformen sind in der Familiensoziologie bisher allerdings nicht behandelt worden; sie stehen im Zentrum dieses Beitrags. Auf Basis des ALLBUS 1998 wurde eine Lebensstiltypologie erstellt und nach den Haushalts- und Familienformen aufgeschlüsselt. Dabei zeigt sich, dass entgegen häufig geäußerter Erwartungen die grösste Vielfalt an Lebensstilen in den mittleren Altersgruppen und in der Familienphase aufzufinden ist, und nicht in der Gruppe der jüngeren Singles oder Paarhaushalte. Zugleich sind Einschätzungen zur Wichtigkeit von Familie im Rahmen der persönlichen Lebensplanung maßgeblich über Lebenszykluseffekte und nicht über Lebensstilzugehörigkeiten geprägt.

Schlagworte: Lebensstile, Lebensformen.

Lifestyles of Housholds and Families

Lifestyles revolve around the following dimensions: recreation, culture, and lifeplanning. They also involve aspects of family life, especially with respect to the relevance of the goal of starting a family and the fulfillment of this part of life. However, questions about the division of lifestyles into types of households and families had yet to be addressed by family sociology; they are the focus of this study. Based on the 1998 ALLBUS, a lifestyle typology was developed and applied to kinds of households and families. The results showed that, contrary to frequently expressed expectations, the greatest diversity of lifestyles is found in the middle-aged groups and in the group of young singles or childless , couples’ households. At the same time, attitudes about the the importance of family are influenced primarily by life-cycle effects and not lifestyle-type.

Key Words: lifestyles, living arrangements.