Volume 30 (2018) – Issue 1

30. Jahrgang (2018) – Heft 1

Content | Inhalt

Editorial

Michaela Kreyenfeld & Florian Schulz: Zeitverwendung in der Familie. Einleitung in das Schwerpunktthemenheft

Nina Klünder & Uta Meier-Gräwe: Caring, Cooking, Cleaning – repräsentative Zeitverwendungsmuster von Eltern in Paarbeziehungen

Sabine Walper & Shih-cheng Lien: Routinebetreuung und interaktive „Quality Time“: Was beeinflusst, wieviel Zeit Väter wie mit ihren Kindern verbringen?

Christina Boll & Andreas Lagemann: Wie die Eltern, so die Kinder? Ähnlichkeiten in der Zeitverwendung auf bildungsnahe Aktivitäten

Iris Gönsch, Anja Liersch & Nora Merkel: Kulturelle und musisch-ästhetische Bildung: Wie viel Zeit investieren Familien?

Andrea Buschner, Ursula Adam & Florian Schulz: Relative education, parenthood, and couples’ division of paid work


Abstracts and keywords / Zusammenfassungen und Schlagwörter

Nina Klünder, Uta Meier-Gräwe (pp. 9-28)

Caring, Cooking, Cleaning – repräsentative Zeitverwendungsmuster von Eltern in Paarbeziehungen

Vor dem Hintergrund der steigenden Erwerbstätigkeit von Müttern geht dieser Beitrag der Frage nach, wie Eltern in Paarbeziehungen die Haushaltsbereiche Betreuung, Beköstigung sowie Wohnungs- und Wäschereinigung untereinander aufteilen. Dazu werden drei Paartypen mit unterschiedlichem Erwerbsumfang gebildet: Zweiverdiener-Paare, Paare mit weiblichem Zuverdienst sowie Paare mit männlichem Familienernährer. Deren Zeitverwendung für die genannten Tätigkeiten wird mithilfe der repräsentativen Zeitverwendungserhebung 2012/2013 und 2001/2002 sekundäranalytisch untersucht. Die Analyse zeigt, dass vollzeiterwerbstätige Mütter täglich am wenigsten Zeit für die drei genannten Arbeitsbereiche im Haushalt aufwenden, nicht erwerbstätige Mütter hingegen am meisten. Innerhalb einer Dekade – von 2001/2002 bis 2012/2013 – haben alle untersuchten Mütter ihre Zeitverwendung für hauswirtschaftliche Tätigkeitsfelder reduziert, zeitgleich nehmen sich Eltern 2012/2013 deutlich mehr Zeit für Betreuungsaufgaben. Unabhängig des Erwerbsumfangs der Mutter ist die Arbeit des Alltags nach wie vor, besonders werktags, weiblich konnotiert und somit geschlechtsdifferenzierend aufgeteilt. Nur am Wochenende zeigt sich in Paaren mit erwerbstätiger Mutter bei der Betreuung eine annährend egalitäre Arbeitsteilung.

Schlagwörter:  Zeitverwendung, Erwerbsumfang der Eltern, Betreuung, Beköstigung, Wohnungs- und Wäschereinigung

Caring, cooking, cleaning – Representative time use patterns in two-parent households

As a result of the increasing labor force participation of mothers, this article questions how two-parent households divide the housework activities of caring, cooking and cleaning. Therefore three types of couples with different labor force participations were formed: Dual-earner couples, couples with additional female income and male breadwinner couples. The time use for the mentioned activities was examined with a secondary analysis based on the German representative time use surveys of 2012/2013 and 2001/2002. The analysis showed that fulltime mothers spent the lowest amount of time for caring, cooking and cleaning. However, unemployed mothers spent the most time for these activities. Within a decade – from 2001/2002 to 2012/2013 – all mothers have reduced their time spent on household activities. Meanwhile, all parents in 2012/2013 take noticeably more time for child care. Regardless of the mother’s labor force participation, mothers still spent more time for caring, cooking and cleaning, especially on weekdays. Additionally, the everyday housework is divided by gender. Only on weekends, couples with employed mothers shared the care-work almost egalitarian.

Key words: time use, parental labor-force participation, child care, cooking and meal preparation,  cleaning, doing the laundry


Sabine Walper & Shih-cheng Lien (pp. 29-49)

Routinebetreuung und interaktive „Quality Time“: Was beeinflusst, wieviel Zeit Väter wie mit ihren Kindern verbringen?

Der vorliegende Beitrag fokussiert das Engagement von Vätern in Paarhaushalten mit unter zehnjährigen Kindern in zwei zentralen Aktivitätsbereichen: (1) der Routinebetreuung der Kinder und (2) interaktiven Aktivitäten, die vielfach als „quality time“ und damit als stärker entwicklungsförderlich für die Kinder herausgestellt wurden. Anhand der aktuellen Zeitverwendungserhebung 2012/2013 werden neben dem zeitlichen Umfang für jeden Aktivitätsbereich auch hierfür relevante Einflussfaktoren anhand von Regressionsanalysen untersucht. Die Befunde für 665 Väter zeigen, dass ein höherer Erwerbsumfang der Väter in beiden Bereichen sowohl wochentags als auch an Wochenenden mit weniger Zeitaufwand für die Kinder einhergeht. Demgegenüber sind die Anzahl der Kinder und das Alter des jüngsten Kindes lediglich für die Routinebetreuung an einem Wochentag relevant. Darüber hinaus scheint ein höherer Erwerbsumfang der Mütter in begrenztem Umfang durch höheres zeitliches Engagement der Väter für ihre Kinder kompensiert zu werden. Der deutliche positive Zusammenhang der Zeitaufwendung beider Eltern im jeweiligen Bereich, insbesondere in interaktiven Aktivitäten, spricht für eine hohe Synchronisierung der zeitlichen Investitionen beider Eltern für ihre Kinder. Demnach reflektieren die Betreuungszeiten der Väter in hohem Maße gemeinsam verbrachte Familienzeit.

Schlagwörter: aktive Vaterschaft, Kinderbetreuung, Zeitverwendung, Arbeitsteilung, Geschlechterrollen

Routine child care and interactive “quality time”: What affects how much time fathers spend with their children and how they do this?

The present paper focuses fathers‘ engagement in couple households with children below age ten, investigating two core domains of activities: (1) routine child care and (2) interactive activities which have frequently been pointed out as „quality time“ being more important for fostering children’s development. Based on the current Time Use Survey 2012/2013, we investigate the amount of time spent for each domain of activities and estimate relevant predictors of time use by means of regression analysis. Data for 665 fathers show that fathers‘ longer working hours in employment reduce their time with children in both domains on weekdays and on weekends, while the number of children and the age of the youngest child only affect their time use for routine child care on weekdays. Mothers’ longer working hours seem to be somewhat compensated  by fathers’ higher time investments in child care. The strong positive link between both parents‘ time use in each domain, particularly for interactive child care, points to the high synchronicity in both parents’ time investments for children. Accordingly, fathers’ time for child care strongly reflects jointly spent family time.

Key words: engaged fathering, child care, time use, labor division, gender roles


Christina Boll & Andreas Lagemann (pp. 50-75)

Wie die Eltern, so die Kinder? Ähnlichkeiten in der Zeitverwendung auf bildungsnahe Aktivitäten

Dieser Beitrag erforscht die Zeitverwendung von Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 bis 17 Jahren auf bildungsnahe Aktivitäten und beleuchtet dabei insbesondere die Rolle gleichartiger elterlicher Aktivitäten. Die Ergebnisse zeigen, dass sogenannte Spiegelkorrelationen der Zeitverwendung auch dann signifikant sind, wenn für die üblichen sozio-demografischen Merkmale der Kinder und der Eltern kontrolliert wird. Die multivariaten Analysen differenzieren zwischen sechs Aktivitätengruppen, die jeweils separat für die Kindesaltersgruppen 10-13 Jahre und 14-17 Jahre geschätzt werden. Bezüglich der einzelnen Aktivitäten finden wir spezifische Muster nach Geschlecht und Erwerbsstatus der Eltern sowie Unterschiede zwischen Werk- und Wochenendtagen. Die stärksten Korrelationen betreffen die Mediennutzung der Väter und Mütter. Für Väter kommen signifikante Assoziationen in den Bereichen Sport und Spiele, für Mütter in den Bereichen Kunst und Kultur hinzu.

Schlagwörter: Zeitverwendung, bildungsnahe Aktivitäten, Geschlecht, Eltern, Kinder, Kindesalter, Paarhaushalte, Wochenende, Werktag, Spiegelkorrelationen

Do children mirror their parents’ time use? The case of educational activities

This article explores the determinants of the time use of children aged 10 to 17 for educational activities, focusing in particular on the role of corresponding parental educational activities. Results show significant correlations even when the usual socio-demographic characteristics of children and parents are controlled for. Multivariate analyses differentiate between six activity groups which are separately estimated for children aged 10 to 13 and 14 to 17, respectively. We find specific patterns for parental gender and employment status. Moreover, associations vary between working days and weekend. Strongest mirror correlations are found for media-related activities, both for mothers and fathers. In addition, children’s time use exhibits significant correlations to mothers’ time use with respect to cultural activities and arts, and to fathers’ time use concerning sports and games.

Key words: time use, educational activities, gender, parents, children, children’s age, couple households, mirror correlations


Gönsch, Anja Liersch & Nora Merkel (pp. 76-95)

Kulturelle und musisch-ästhetische Bildung: Wie viel Zeit investieren Familien?

Kulturelle Bildung stellt einen wichtigen Teil der Allgemeinbildung dar und schafft die Grundlage für die kulturelle Teilhabe an der Gesellschaft. Kinder und Jugendliche erfahren kulturelle Bildung in der Schule, aber auch im Elternhaus oder durch den Besuch kultureller Einrichtungen in der Freizeit. Dieser Beitrag untersucht anhand der Daten der Zeitverwendungserhebung 2012/13 die Zeitverwendung für kulturelle und musisch-ästhetische Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Die von den Kindern und Jugendlichen für verschiedene kulturelle und musischästhetische Tätigkeiten aufgebrachte Zeit wird anschließend mit Haushaltscharakteristika verknüpft. Die Analysen zeigen, dass Kinder und Jugendliche, deren Eltern einen höheren Bildungsstand haben, signifikant mehr Zeit für als qualitativ ‚hochwertig‘ eingestufte Tätigkeiten verwenden. Sie bringen signifikant mehr Zeit für künstlerische Tätigkeiten sowie Lesen und dafür weniger Zeit für die als wenig ‚hochwertig‘ eingestuften Tätigkeiten Computerspielen und Fernsehen auf.

Schlagwörter: Zeitverwendungserhebung 2012/13, kulturelle, musisch-ästhetische Bildung, kulturelle Teilhabe, Kinder und Jugendliche, soziale Reproduktion

Education in culture and arts: How much time do families invest?

Cultural education constitutes an important part of general knowledge/education and creates the foundation of cultural participation in society. Children and adolescents experience cultural education at school, but also at home and by visiting cultural institutions during leisure time. Using data from the German Time Use Survey 2012/13, this paper analyses the amount of time children and adolescents in Germany spend on culture and (fine) arts. These time designations are then linked to household characteristics. The analyses show that children and adolescents whose parents have a higher level of education spend significantly more time on activities classified as ‘high quality activities’. They spend significantly more time for artistic activities and reading and, in return, less time for cultural activities of lower quality like computer games and watching TV.

Key words: Time Use Survey 2012/13, education in culture and arts, cultural participation, children and adolescents, social reproduction


Andrea Buschner, Ursula Adam & Florian Schulz (pp. 96-119)

Relative education, parenthood, and couples’ division of paid work Evidence from German census data

Educational expansion, the massive increase of women’s labor force participation, and assortative mating have reduced asymmetries in educational achievements and in career resources between women and men in virtually every Western society. This paper provides an analysis of the association between partners’ education, parenthood, and spouses’ relative labor supply in East and West Germany. Education is considered from two angles: as an indicator for resources on the labor market or as an indicator for gender attitudes. We apply cross-sectional data from the 2011 German Microcensus, comprising 57,366 couple households. For our estimations, we use General Linear Models. Because of high case numbers, we are able to estimate several interaction effects in statistical powerful detail. We find that (1) a woman’s share of paid work is higher, the higher she is educated; (2) women with higher education than their male partners realize higher shares of relative employment (in comparison to other women); (3) women rarely realize a share of 50% or higher on average in any educational composition; (4) especially young children have a huge impact on women’s labor supply; and (5) women’s comparative educational advantages are more important for their share of paid work in West than in East Germany. Neither interpretation of relative education can explain the overall picture of couples’ division of paid work alone. Depending on parenthood, the age of the youngest child in the household, and the regional context, either normative, or economic exchanges between partners seem to drive the association between relative education, and relative labor supply of women. We demonstrate the usefulness of two theoretical approaches of framing education as an explanatory concept.

Key words: relative education, division of paid work, relative labor supply, parenthood, labor market resources, normative context, East Germany, West Germany

Relative Bildung, Elternschaft und Aufteilung der Erwerbsarbeit – Belege aus dem deutschen Mikrozensus

Entwicklungen wie die Bildungsexpansion, die zunehmende Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen sowie die Homophilie in der Partnerwahl haben bestehende Bildungsasymmetrien zwischen Männern und Frauen in westlichen Gesellschaften deutlich reduziert. Der vorliegende Beitrag liefert für Ost- und West-Deutschland eine Analyse des Zusammenhangs zwischen der Bildung der Partner, deren Elternschaft sowie deren Erwerbsanteilen im Paar. Relative Bildung kann hierbei sowohl als Indikator für Arbeitsmarktressourcen als auch für Geschlechtsrolleneinstellungen interpretiert werden. Die Analysen basieren auf den Daten des deutschen Mikrozensus 2011 mit insgesamt 57.366 Paarhaushalten. Für die Schätzung der weiblichen Erwerbsanteile werden Allgemeine Lineare Modelle herangezogen. Aufgrund der hohen Fallzahl ist die Berücksichtigung von Interaktionseffekten möglich. Die Befunde zeigen, dass (1) der Erwerbsanteil von Frauen umso höher ist, je höher ihr eigenes Bildungsniveaus ist; (2) Frauen, die einen höheren Bildungsabschluss als ihr Mann aufweisen, zeigen im Vergleich zu anderen Frauen die höchsten Erwerbsanteile; (3) Unabhängig von der relativen Bildung im Paar erreichen Frauen im Durchschnitt in aller Regel keinen Erwerbsanteil von 50%; (4) Vor allem junge Kinder zeigen einen großen Einfluss auf den Zusammenhang zwischen relativer Bildung und relativer Erwerbsbeteiligung; (5) Bildungsvorsprünge von Frauen gegenüber ihren Partnern sind für ihre Erwerbsanteile in West-Deutschland von höherer Bedeutung als in Ostdeutschland. Keine der beiden Interpretationen von Bildung erklärt allein die Aufteilung der Erwerbsarbeit im Paar. Je nach Präsenz und Alter des jüngsten Kindes sowie dem regionalen Kontext trägt die ökonomische oder wertorientierte Perspektive mehr oder weniger stark zur Erklärung des Arbeitsarrangements bei. Dabei konnten wir auf die Nützlichkeit der zwei theoretischen Rahmungen von Bildung als erklärendes Modell hinweisen.

Schlagwörter: relative Bildung, Aufteilung der Erwerbsarbeit, relatives Arbeitsangebot, Elternschaft, Arbeitsmarktressourcen, normativer Kontext, Ost-Deutschland, West-Deutschland