Volume 28 (2016) – Issue 3

28. Jahrgang (2016) – Heft 3

Content | Inhalt

Caroline Berghammer, Isabella Buber-Ennser & Alexia Prskawetz: Childlessness intentions of young female researchers in Austria

Stefanie König & Marc Langhauser: Gendered division of housework in Germany – The role of self-employment, relative resources and gender role orientation

Stefanie Kley: Trennungsrisiko Pendelmobilität. Welche Paarbeziehungen mobiler Frauen sind gefährdet? Eine Fuzzy-Set-Analyse

Sabine Diabaté & Kerstin Ruckdeschel: Gegen den Mainstream – Leitbilder zu Kinderlosigkeit und Kinderreichtum zur Erklärung der Abweichung von der Zweikindnorm

Volker Cihlar & Andreas Mergenthaler: Der Einfluss formeller und informeller Tätigkeiten auf die Qualität privater Beziehungen nach dem Übergang in den Ruhestand

Jaap Dronkers †: Parents’ living arrangement and the political and civic attitudes of 13- and 14-year-old children


Abstracts and keywords | Zusammenfassungen und Schlagwörter

Caroline Berghammer, Isabella Buber-Ennser & Alexia Prskawetz (pp. 267-288)

Childlessness intentions of young female researchers in Austria

According to prior studies, female researchers in Austria exhibit a very high level of childlessness and, consequentially, a low mean number of children. Following up on these studies, we analyse childlessness intentions of young female researchers and compare them to those of other highly educated women in other occupations. We examine factors that are related to female researchers’ intent to stay childless. The analysis is based on a survey of 196 female researchers between the ages of 25 and 45 (with the majority being between age 25 and 34). Results indicate that few young, childless researchers plan a life without children: Only 7% intend to stay childless and most of them want to have two children (66%). Their intentions are strikingly close to those of their highly educated peers in other occupations. We discuss three factors that play a role for childlessness intentions of female researchers: work-related conditions (employment uncertainty and work-family reconciliation), personal career orientation, and partnership context.

Key words: Austria, childlessness, female researchers, fertility, intentions

Intendierte Kinderlosigkeit von jungen Wissenschaftlerinnen in Österreich

Bisherige Studien haben nachgewiesen, dass Wissenschaftlerinnen in Österreich sehr häufig kinderlos bleiben und dass daher ihre mittlere Kinderzahl sehr niedrig liegt. Ausgehend von diesen Studien untersuchen wir intendierte Kinderlosigkeit unter jungen Wissenschaftlerinnen im Vergleich zu ebenfalls höher gebildeten Frauen in anderen Berufen. Des Weiteren analysieren wir Faktoren, die mit gewünschter Kinderlosigkeit von Wissenschaftlerinnen in Zusammenhang stehen. Die Studie basiert auf einer Befragung von 196 Wissenschaftlerinnen im Alter von 25 bis 45 Jahren (die Mehrheit ist 25 bis 34 Jahre alt). Die Ergebnisse verweisen darauf, dass nur wenige junge, kinderlose Wissenschaftlerinnen ein Leben ohne Kinder planen: Nur 7% wollen kinderlos bleiben und die meisten wünschen sich zwei Kinder (66%). Ihre gewünschte Kinderzahl ähnelt in hohem Maß jener ihrer hoch gebildeten Vergleichsgruppe außerhalb der Wissenschaft. Wir diskutieren drei Faktoren, die wesentlich für gewünschte Kinderlosigkeit von Wissenschaftlerinnen sind: berufliche Bedingungen (prekäre Arbeitsverhältnisse, Vereinbarkeit von Familie und Beruf), persönliche Karriereorientierung und Partnerschaftssituation.

Schlagwörter: Fertilität, Kinderlosigkeit, Kinderwunsch, Österreich, Wissenschaftlerinnen


Stefanie König & Marc Langhauser (pp. 289-304)

Gendered division of housework in Germany – The role of self-employment, relative resources and gender role orientation

The purpose of this paper is to investigate the division of housework within couples in Germany by taking employment status, relative resources and gender role orientation into consideration. We use a large scale primary data collection that deliberately oversampled self-employed and included questions on role orientation. While selfemployment and work autonomy was related to a lower share of housework for men, rather the opposite was true for women. Furthermore, the results indicate that the relative resources and bargaining theory and the time budget approach seem to be less relevant for female self-employed compared to their employed counterparts. Our data allowed for a direct control of the gender role orientation and shed more light on the relationship between relative resources and the share of housework. A traditional role orientation was found to be highly significant for the share of housework for men and women but did not moderate the effect of relative resources. Thereby our study supports the distinct effect of gender role orientation. This can be seen as an important contribution to the ongoing discussion where relative resources are interpreted in the light of gender role orientation.

Keywords: division of labour, gender, relative resources, self-employment, time use

Geschlechterspezifische Hausarbeitsteilung in Deutschland – die Rolle beruflicher Selbständigkeit, relativer Ressourcen und traditioneller Rollenorientierung

Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der Aufteilung der Hausarbeit bei Paaren in Deutschland unter Berücksichtigung des Berufsstatus, der relativen Ressourcen und der Geschlechterrollenorientierung. Es wird eine umfassende Primärerhebung ausgewertet, die überproportional Selbständige erfasst und Fragen zur Rollenorientierung beinhaltet. Während Selbständigkeit und Autonomie eher zu einer niedrigeren Übernahme von Haushaltsaufgaben bei Männer führt, trifft für Frauen eher das Gegenteil zu. Zudem deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die relative resources and bargaining theory und der Zeitbudget-Ansatz für Frauen in der Selbständigkeit weniger relevant sind als für abhängig Beschäftigte. Unsere Daten erlauben die direkte Kontrolle der Rollenorientierung und geben Aufschluss über den Zusammenhang von relativen Ressourcen und dem Anteil an Hausarbeit. Eine traditionelle Rollenorientierung war hoch signifikant für den Anteil an Hausarbeit für Männer und Frauen, veränderte allerdings nicht den Effekt der relativen Ressourcen. Dadurch bestätigt unsere Studie den für sich stehenden Effekt der Geschlechterrollenorientierung. Dies kann als wichtiger Beitrag für die laufende Diskussion gesehen werden, bei der relative Ressourcen im Licht der individuellen Rollenorientierung interpretiert werden.

Schlagwörter: Arbeitsteilung, Gender, relative Ressourcen, Selbständigkeit, Zeitverwendung


Stefanie Kley (pp. 305-327)

Trennungsrisiko Pendelmobilität. Welche Paarbeziehungen mobiler Frauen sind gefährdet? Eine Fuzzy-Set-Analyse

Ausgehend von dem Befund in der Literatur, dass Pendelmobilität von Frauen die Stabilität von Paarbeziehungen gefährden kann, untersucht der Beitrag Zusammenhänge von Pendelbelastung, Unzufriedenheit mit der Paarbeziehung und sozio-ökonomischen Merkmalen mittels Fuzzy-Set-Analyse. Als heuristischer Rahmen dient die Theorie der Sozialen Produktionsfunktionen, um die Auswirkungen weiter Pendelwege auf verschiedene Lebensbereiche zu verdeutlichen. Datengrundlage ist die 2008/9 erhobene erste Welle des deutschen Beziehungs- und Familienpanels (pairfam). Es werden N = 267 Berufspendlerinnen in Partnerschaft untersucht. Im Ergebnis zeigen sich fünf Konfigurationen von Fernpendlerinnen, von denen zwei unzufrieden mit ihrer Paarbeziehung sind. Dass diese tatsächlich als trennungsgefährdet gelten können, wird mittels Außenkriterien verifiziert. Ein konstituierendes Merkmal beider gefährdeten Partnerschaftskonfigurationen ist die Anwesenheit von kleinen Kindern.

Schlagwörter: räumliche Mobilität, Trennung, Scheidung. Fuzzy-Set-Analyse, soziale Ungleichheit

Commuting as a separation risk: Which couple relationships of female commuters are susceptible? A fuzzy set analysis

Based on the findings in the literature that women’s commuting can endanger the stability of couple relationships, this contribution examines correlations between commuting, dissatisfaction with the relationship, and socio-economic characteristics by means of fuzzy set analysis. The theory of social production functions serves as a heuristic framework to discuss the impact of long commutes on different areas of life. Data basis is the first wave of the German Family Panel (pairfam), conducted in 2008/2009. An N of 267 female commuters in partnerships is analyzed. The results show five configurations of female long commuters, two of them are dissatisfied with their relationship. That they are actually at risk of separation is verified by external criteria. A constituent part of both partnership configurations at risk is the presence of young children.

Key words: spatial mobility, separation, divorce, fuzzy set analysis, social inequality


Sabine Diabaté & Kerstin Ruckdeschel (pp. 328-356)

Gegen den Mainstream – Leitbilder zu Kinderlosigkeit und Kinderreichtum zur Erklärung der Abweichung von der Zweikindnorm

Seit Jahrzehnten dominiert in der Bundesrepublik Deutschland das Leitbild der Zweikindfamilie. Dennoch gibt es Menschen, die von diesem Mainstream abweichen: Sie entscheiden sich bewusst gegen Kinder, für ein Einzelkind oder aber für drei oder mehr Kinder. Solche Paritätsunterschiede werden seit langem untersucht, jedoch selten unter Einbezug kultureller Vorstellungen zum Leben ohne oder mit vielen Kindern. Anhand der Daten des Leitbildsurveys wird für junge Erwachsene im reproduktiven Alter gezeigt, dass kulturelle Idealvorstellungen einen zusätzlichen Erkenntnisgewinn zur Normabweichung liefern und dass Abweichler eine soziale Stigmatisierung wahrnehmen. Zudem überstrahlt bei der Kinderwunschparität von vier und mehr Kindern die hohe intrinsische Motivation alle ökonomischen und strukturellen Aspekte. Bei Kinderlosen zeichnet sich – im Vergleich zu den anderen Normabweichlern am stärksten – eine wahrgenommene Diskrepanz zur Mehrheitsgesellschaft ab. Sie weist möglicherweise auf sozialen Druck hin, sich zu rechtfertigen oder sogar der Norm zu entsprechen. Entgegen der in der Literatur vertretenen These der „Kultur von Kinderlosigkeit“ besteht die verbreitete Ansicht, dass Kinderlosigkeit zwar „normal“ sei, jedoch selten erstrebenswert im Sinne eines Ideals. Außerdem haben sich trotz der dominanten Zweikindnorm weitere Familienmilieus etabliert.

Schlagwörter: Familienleitbild, Zweikindnorm, Zweikindfamilie, Einkindfamilie, Mehrkindfamilie, Paritäten, Fertilität, Familiengründung, Familienerweiterung, Kinderreichtum, Kinderlosigkeit, Stigmatisierung, sozialer Druck

Against the mainstream: Cultural conceptions of childlessness and large families to explain a deviation from the two-child family

For decades, the ideal of a two-child family has been predominant in Germany. Nevertheless, there are people who deviate from this mainstream, taking the informed decision not to have any children at all, to have only one child or, alternatively, to have three or more children. Such differences in the number of children have long been examined, however, cultural concepts of having either lots of or no children at all, have rarely been included. The data collected in the survey “Familienleitbilder” reveals that in young adults in reproductive age, existing cultural conceptions provide new insights into the phenomenon of deviation from the norm, deviators being subject to social stigmatization. Moreover, in case of families with four and more children, a high degree of intrinsic motivation outshines all economic and structural aspects. In childless people – even more than in comparison to other groups – a discrepancy with respect to the majority becomes apparent, potentially suggesting a pressure to justify oneself to society or even to comply with the mainstream. In contrast to the advocated thesis in literature, childlessness is indeed commonly regarded as “normal”, however, rarely as desirable in terms of an ideal. Furthermore, despite the dominant two-child-norm, other family milieus have been established.

Key words: cultural concepts of family, two-child ideal, two-child family, one-child family, large families, value of children, parities, fertility, family formation, family extension, childlessness, stigmatization, social pressure


Volker Cihlar & Andreas Mergenthaler (pp. 357-380)

Der Einfluss formeller und informeller Tätigkeiten auf die Qualität privater Beziehungen nach dem Übergang in den Ruhestand

Der Übergang in den Ruhestand ist eine bedeutsame Statuspassage im Leben älterer Erwachsener. Über die Konsequenzen dieses Übergangs für die Qualität privater Beziehungen ist in Deutschland bislang wenig bekannt. Ziel dieser Studie ist es daher, die Bedingungen zu untersuchen, unter denen eine positive Entwicklung sozialer Beziehungen in Familie und Freundeskreis nach dem Ruhestandseintritt möglich ist. 1.949 Ruheständler im Alter zwischen 55 und 70 Jahren (M=66,2) wurden zur subjektiv wahrgenommenen Veränderung ihrer Beziehung zum Partner, zu den eigenen Kindern und Enkelkindern und Freunden seit dem Ruhestandseintritt befragt. Mithilfe eines Index wurde eine Maßzahl generiert, die von der Verschlechterung bis hin zur Verbesserung in allen vier Bereichen alle Zustände abbildet. Eine schrittweise lineare Regressionsanalyse zeigt den Einfluss von tätigkeitsbezogenen Variablen, individuellen und sozio-ökonomischen Merkmalen, Interaktionseffekten zwischen Tätigkeiten und dem Geschlecht sowie der Art des Ruhestandsübergangs auf die Verbesserung der Beziehungsqualität von Sozialkontakten. Insbesondere die Betreuung von eigenen Enkelkindern zeigte einen positiven Zusammenhang mit einer gesteigerten Beziehungsqualität in privaten Kontakten an. Wer aktiv und planend in das eigene Leben investierte, wies außerdem eine positivere Wahrnehmung von Sozialkontakten seit dem Ruhestandseintritt auf. Männer, die im Ruhestand keiner Erwerbstätigkeit nachgingen, schätzten ihre Beziehungsqualität außerdem höher ein als diejenigen Männer, die eine Erwerbsarbeit ausübten. Ein unfreiwilliger Übergang in den Ruhestand wies einen negativen Zusammenhang mit erlebter Beziehungsqualität auf.

Schlagwörter: Ruhestand, private Beziehungen, Regressionsanalyse, life investment, Kinderbetreuung

The influence of formal and informal activities on the quality of private relationships after the transition to retirement

The transition to retirement is a crucial status passage in older adults’ life. To date, little is known about the consequences of this transition for the quality of private relationships in Germany. Therefore, the aim of this study is the examination of conditions under which a positive development of social relationships in family and friends after the transition to retirement is possible. 1,949 retirees aged 55 to 70 years (M=66.2) were asked about subjectively experienced changes in their relationship to their partner, children, grandchildren, and friends since the transition to retirement. By means of an index, improvement and deterioration in all four dimensions were measured, displaying different conditions. A stepwise linear regression analysis shows the influence of activity-related factors, individual and socio-economic characteristics, interaction effects of activities and gender, as well as the type of retirement transition. Caring for grandchildren especially shows a positive correlation with an increased quality of private relationships. Those who realize active and planning life investment also hold a more positive perception of close social relationships since the transition to retirement. Besides, men who do not work after retirement experience a higher quality of close relationships than those men who perform bridge employment. An involuntary retirement transition shows a negative correlation with perceived relationship quality.

Key words: retirement, private relationships, regression analysis, life investment, childcare


Jaap Dronkers † (pp. 381-397)

Parents’ living arrangement and the political and civic attitudes of 13- and 14-year-old children

This paper focuses on the role of parents’ living arrangement in the attitudes of their children toward society. It uses data from the International Civic and Citizenship Education Study conducted by the International Educational Association in 2009, which surveys the civic attitudes and participation of 13- and 14-year-old students across 38 countries. In this paper, we use only 22 European countries and examine adolescents’ attitudes toward trust in civic institutions, positive attitudes toward one’s own country, equal rights for all ethnic groups, and positive attitudes toward gender equality. We distinguish between five living arrangements: twoparent families, stepfamilies, single fathers, single mothers who live alone with their children, and single mothers in multi-generational households. The analysis shows strong and significant differences between the civic attitudes of 13- and 14-year-old students living in a two-parent family and those living in other family forms, irrespective of the country, and also after controlling for parental socioeconomic background.

Key words: political socialization, family form, parental divorce, parental separation, children’s civic attitudes, children’s societal attitudes

Der Einfluss der elterlichen Familienform auf die politischen und staatsbürgerlichen Einstellungen 13- und 14-jähriger Kinder

In diesem Artikel wird darauf fokussiert, welchen Einfluss die elterliche Familienform auf die Einstellungen ihrer Kinder gegenüber der Gesellschaft ausübt. Datengrundlage ist die International Civic and Citizenship Education Study, die 2009 von der International Educational Association durchgeführt wurde und in der in 38 Ländern Daten zu den staatsbürgerlichen Einstellungen und staatsbürgerlichen Aktivitäten 13- und 14-jähriger Schüler(innen) erhoben wurden. Wir beziehen uns in diesem Beitrag nur auf 22 Länder Europas und untersuchen die Einstellungen dieser Heranwachsenden bezüglich ihres Vertrauens in die staatsbürgerlichen Institutionen, im Hinblick auf positive Einstellungen gegenüber dem eigenen Land, zu gleichen Rechten für alle ethnischen Gruppen sowie zur Gleichheit der Geschlechter. Wir unterscheiden zwischen fünf Familienformen: Zwei-Eltern-Familien, Stieffamilien, alleinerziehende Väter, Mütter, die alleine mit ihren Kindern zusammenleben und alleinstehende Mütter, die in Mehrgenerationenhaushalten leben. Die Befunde aus den Analysen zeigen große und signifikante Differenzen in den staatsbürgerlichen Einstellungen zwischen denjenigen 13- und 14-jährigen Schüler(inne)n, die in Zwei-Eltern-Familien leben und denjenigen, die in anderen Familienformen leben, auf. Dies ist unabhängig vom jeweiligen Land. Die Effekte bleiben auch unter Kontrolle des sozio-ökonomischen Hintergrunds der Eltern bestehen.

Schlagwörter: politische Sozialisation, Familienform, Scheidung der Eltern, Trennung der Eltern, staatsbürgerliche Einstellungen der Kinder, Einstellungen der Kinder gegenüber der Gesellschaft