Volume 24 (2012) – Issue 1

24. Jahrgang (2012) – Heft 1

Content | Inhalt

Una Röhr-Sendlmeier & Sebastian Bergold: Die Rolle des Vaters bei berufstätiger Mutter – Aufgabenbeteiligung, Lebenszufriedenheit und Schulleistung der Kinder

Florian Schulz & Harald Rost: Hausarbeitsteilung und Erwerbsunterbrechung von Müttern unter den Bedingungen des neuen Elterngeldgesetzes

Claudia Zerle, Waltraud Cornelißen & Walter Bien: Das Timing von Elternschaft und seine Folgen für Familien

Ulrike Zartler: Die Kernfamilie als Ideal: Zur Konstruktion von Scheidung und Nachscheidungsfamilien

Fridtjof Nussbeck: Der Zusammenhang von positiven und negativen Interaktionsverhalten in der Partnerschaft mit Partnerschaftszufriedenheit und Trennungsabsichten


Abstracts and keywords | Zusammenfassung und Schlagwörter

Una M. Röhr-Sendlmeier & Sebastian Bergold (pp. 3-26)

Die Rolle des Vaters bei berufstätiger Mutter – Aufgabenbeteiligung, Lebenszufriedenheit und Schulleistung der Kinder

Väterliche Rollenkonzepte, mütterliche Berufstätigkeit und die Zufriedenheit des Vaters in verschiedenen Lebensbereichen werden als Bedingungsfaktoren für die väterliche Beteiligung am Haushalt und an kindbezogenen Aufgaben untersucht und die Bedeutung dieser familiären Kontextvariablen für die Schulleistungen der Kinder in den Kernfächern Deutsch und Mathematik beleuchtet. Bei 279 Elternpaaren von Schülern und Schülerinnen in 3., 6. und 9. Klassen verschiedener Schultypen wurden Fragebogendaten erhoben. Väter mit berufstätigen Partnerinnen hatten ein egalitäreres Geschlechtsrollenkonzept und beteiligten sich insbesondere mehr an Haushaltsaufgaben, die als traditionell „weiblich“ angesehen werden. Beides hing mit besseren Schulleistungen der Söhne und Töchter im Fach Deutsch zusammen. Weitere Mediatoranalysen erbrachten, dass speziell in Familien mit berufstätigen Müttern das Ausmaß der Vater-Kind-Interaktion und die Zufriedenheit des Vaters mit der Beziehung zu seinen Kindern für die Schulnote in Mathematik relevant waren. Für die Aufgabenübernahme des Vaters war die von ihm empfundene Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben von großer Bedeutung.

Schlagwörter: Väterliche Rolleneinstellungen, mütterliche Berufstätigkeit, Aufgabenbeteiligung, Lebenszufriedenheit, Schulleistungen

Father’s role when mother is working – family involvement, life satisfaction and children’s scholastic achievement

Fathers’ role concept, life satisfaction in the work-family context and mothers’ vocational participation are investigated as to their impact on fathers’ involvement in child directed and household activities. Questionnaire data were collected of 279 couples with children in 3rd, 6th and 9th school grades. When mothers worked, fathers showed more egalitarian gender role concepts and participated more in household activities that are traditionally considered being “feminine”. Mediator analyses revealed that such fathers’ gender roles and participation had an impact on higher school achievement of sons and daughters in the German language subject. In families with working mothers, the amount of father-child-interaction and fathers’ satisfaction with their fatherchild relationship correlated with children’s proficiency in mathematics. Experiencing a satisfactory work-life balance strongly influenced fathers’ family involvement.

Key words: gender role concept, working mothers, family involvement, life satisfaction, scholastic achievement


Florian Schulz & Harald Rost (pp. 27-45)

Hausarbeitsteilung und Erwerbsunterbrechung von Müttern unter den Bedingungen des neuen Elterngeldgesetzes. Erste empirische Befunde aus Bayern

Der Beitrag untersucht, ob unterschiedlich lange Erwerbsunterbrechungen von Müttern nach dem Übergang zur Erstelternschaft einen Einfluss auf die Aufteilung der Hausarbeit in Paarbeziehungen haben. Für die empirischen Analysen werden Daten einer repräsentativen Querschnittstudie über bayerische Mütter verwendet, die im Jahr 2007 ihr erstes Kind bekamen und für die damit das neue Elterngeldgesetz der Bundesregierung galt. Die Ergebnisse zeigen, dass Mütter, die frühzeitig den Wiedereinstieg in den Beruf realisieren und entsprechend den Anreizen des neuen Elterngeldgesetzes maximal für ein Jahr ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen, ein partnerschaftlicheres Modell der Arbeitsteilung im Haushalt praktizieren als Mütter, die eine längere berufliche Pause einlegen. Dennoch ist nach wie vor ein traditionell ausgerichtetes Rollenmodell bei den untersuchten Paaren dominant, so dass sich der Beitrag der Väter zur Hausarbeit insgesamt auf einem niedrigen Niveau bewegt. Im Einklang mit anderen Studien steht der Befund, dass eine hohe Bildung und eine Abkehr von traditionellen Einstellungen eine partnerschaftlichere Hausarbeitsteilung begünstigen.

Schlagwörter: Hausarbeitsteilung, Wiedereinstieg in den Beruf, Elterngeld, Deutschland, Bayern

Division of housework, maternity leave and the policy of parenting benefit in Germany. First empirical results from Bavaria.

This paper analyzes the association between the duration of maternity leave and the division of housework, using a representative sample of Bavarian mothers who gave birth to their first child in 2007 under the new parenting benefit policy of the German federal government. The results show that mothers re-entering the labor market after a maximum break of 12 months after accouchement, which is in accordance with the intention of the parenting benefit policy, report more egalitarian housework arrangements than mothers with longer employment breaks. Yet, all women report a rather traditional division of labor with a relatively low contribution of their partners. Our finding that women who are highly educated and disapprove of traditional family roles report more egalitarian housework patterns is in line with previous research.

Key words: division of housework, re-entry into employment, parenting benefit policy, Germany, Bavaria


Claudia Zerle, Waltraud Cornelißen & Walter Bien (pp. 46-66)

Das Timing der Familiengründung und dessen Folgen für Familien

Ausgehend vom lückenhaften Forschungsstand zu den Folgen des Timing von Elternschaft für die Lebenslage, Lebensform, und Lebensführung von Müttern, Vätern und Kindern werden Hypothesen zu diesem Zusammenhang entwickelt und anschließend mit Daten des DJI-Surveys AID:A für die Familiengründungsphase überprüft. Wo möglich, werden die Befunde mit Daten aus dem Mikrozensus 2007 validiert. Der Analyse sind Überlegungen zur Definition von „früher“ und „später“ Elternschaft vorgeschaltet. Die Untersuchung zeigt, dass zentrale Aspekte der sozialen Lage und der Institutionalisierungsgrad der Paarbeziehung mit dem biografischen Zeitpunkt der Familiengründung variieren. Das Zeitbudget für das Kind und die Zufriedenheit der Eltern werden durch den biografischen Zeitpunkt der Familiengründung aber kaum beeinflusst.

Schlagwörter: Familiengründung, Elternschaft, Zeitverwendung, Zufriedenheit

The timing of family formation and its consequences for families

Little is known about the consequences of the timing of family formation for the living conditions, the civil status, the conduct of life and the well-being of mothers, fathers and their children. This study is based on the DJI Survey AID:A, and the official statistics of the 2007 German Microcensus. The analysis includes considerations about the definition of “early” and “late” parenthood. Results: Living conditions, educational background, marital status and the stability of partnership vary by the timing of the first child. The timing of family formation hardly has an impact on the time that parents spend with their first child nor does it influence their contentment.

Key words: family formation, parenthood, time use, contentment


Ulrike Zartler (pp. 67-84)

Die Kernfamilie als Ideal. Zur Konstruktion von Scheidung und Nachscheidungsfamilien

Vor dem Hintergrund hoher Scheidungsraten und veränderter sozialwissenschaftlicher Konzepte wird die Frage gestellt, wie Kinder und Eltern Scheidungen sowie familiale Lebensformen vor und nach einer Scheidung konstruieren. Basierend auf einer österreichischen qualitativen Befragung von 50 zehnjährigen Kindern und ihren Eltern (n = 71) zeigt sich, dass Scheidung überwiegend als Auflösung der Familie konstruiert wird. Kernfamilien werden, basierend auf den Aspekten Normalität, Komplementarität und Stabilität, als vorteilhafteste Lebensform wahrgenommen. Ein- Eltern-Familien werden als defizitär und benachteiligt konstruiert, während Stieffamilien aufgrund der alltäglichen Präsenz von zwei Elternpersonen positiver betrachtet werden. Die Ergebnisse verweisen auf eine Orientierung am Desorganisationsmodell, eine Hierarchisierung von Lebensformen sowie haushaltszentrierte und familienstrukturell fokussierte Konzeptionen. Auswirkungen und Implikationen dieser Ergebnisse für Sozialpolitik und Familienforschung werden diskutiert.

Schlagworte: Scheidung, Kinder geschiedener Eltern, Ein-Eltern-Familie, Stieffamilie, Kernfamilie, qualitative Interviews

The nuclear family as an ideal. A view on constructing divorce and post-divorce families

Against the backdrop of high divorce rates and changing concepts in the social sciences, the issue is addressed as to how children and families construct divorce and patterns of family life prior and subsequent to divorce. Based on an Austrian qualitative survey of 50 ten-year old children and their respective parents (n=71), it can be shown that divorce is predominantly constructed as a disintegration of the family. Based upon the dimensions of normalcy, complementarity and stability, nuclear families are being perceived as the most advantageous form of living together as a family. Whereas single-parent families are constructed as being both deficient and disadvantaged, stepfamilies are seen in a more positive light which, in turn, is due to the everyday presence of two parents in those families. These findings indicate that the interviewees orientate themselves along the lines of the model of disorganization, hierarchized ways of family life, and family concepts that are household-centered and focus primarily on family structures. Finally, the implications and repercussions of these findings for family policies and family research are being discussed.

Key words: divorce, children of divorce, single-parent families, stepfamilies, nuclear families, qualitative interviews


Fridtjof W. Nussbeck, Peter Hilpert & Guy Bodenmann (pp. 85-104)

Der Zusammenhang von positivem und negativem Interaktionsverhalten in der Partnerschaft mit Partnerschaftszufriedenheit und Trennungsabsichten

In dieser Studie wird der Zusammenhang von selbsteingeschätztem negativem und positivem Interaktionsverhalten mit der eigenen Partnerschaftszufriedenheit und Trennungsabsichten unter Kontrolle der Einflüsse von erlebtem Stress, allgemeinem Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit analysiert. Hauptziel ist die Prüfung der Frage, ob negatives oder positives Interaktionsverhalten prädiktiver für die Partnerschaftszufriedenheit und die Trennungsabsichten ist. Dazu wurden N = 2‘583 verheiratete Personen zu ihrer Partnerschaft befragt. Die Resultate zeigen, dass selbsteingeschätztes eigenes negatives und positives Verhalten wie erwartet über die Kontrollvariablen hinaus mit Partnerschaftszufriedenheit und Trennungsabsichten zusammenhängt. Beim Vergleich der beiden untersuchten Bestandteile des positiven Verhaltens (1. dyadisches Coping; 2. positives Interaktionsverhalten) weist das dyadische Coping stärkere Effekte auf die Partnerschaftszufriedenheit auf, als positives Interaktionsverhalten. Insgesamt belegen die Ergebnisse die Bedeutung des positiven Verhaltens in klinisch unauffälligen Partnerschaftsbeziehungen. Implikationen für die Beratung, Psychotherapie und zukünftige Forschung werden diskutiert.

Schlagwörter: Partnerschaft, dyadisches Coping, positives Interaktionsverhalten, negatives Interaktionsverhalten, Partnerschaftszufriedenheit, Trennungsabsicht

The association between positive and negative interaction behavior with relationship satisfaction and the intention to separate in married couples

In this study, we focus on self-reported negative and positive interaction behavior and their relationship with one’s own relationship satisfaction and intention to separate, controlling for perceived stress, well-being and satisfaction with life. Our aim is to analyze if negative or positive interaction behavior is more predictive for relationship satisfaction and intention to separate. For this purpose, we examined N = 2,583 married participants. Results indicate that negative and positive behaviors predict relationship satisfaction and intention to separate beyond the prediction by control variables. Comparing two forms of positive behavior (1. dyadic coping, 2. positive interaction behavior), dyadic coping was a better predictor of relationship satisfaction than positive interaction behavior. In sum, results show the importance of positive behavior for relationship quality in a convenience sample of married subjects. Implications for counseling, therapy, and future research are discussed.

Key words: marriage, dyadic coping, positive interaction behavior, negative interaction behavior, relationship satisfaction, separation, divorce.