Volume 23 (2011) – Issue 3

23. Jahrgang (2011) – Heft 3

Content | Inhalt

Hans-Peter Blossfeld & Andreas Schmitz: Introduction to the special issue
Online dating: Social innovation and a tool for research on partnership formation

Jan Skopek, Andreas Schmitz & Hans-Peter Blossfeld: The gendered dynamics of age preferences – Empirical evidence from online dating

Doreen Zillmann, Andreas Schmitz & Hans-Peter Blossfeld: Lügner haben kurze Beine. Zum Zusammenhang unwahrer Selbstdarstellung und partnerschaftlicher Chancen im Online-Dating

Marie Bergström: Casual dating online. Sexual norms and practices on French heterosexual dating sites

Kai Dröge & Oliver Voirol: Online dating: The tensions between romantic love and economic rationalization

Andreas Schmitz, Susann Sachse-Thürer, Doreen Zillmann & Hans-Peter Blossfeld: Myths and facts about online mate choice


Abstracts and keywords | Zusammenfassung und Schlagwörter

Jan Skopek, Andreas Schmitz & Hans-Peter Blossfeld (pp. 267-290)

Die geschlechtsspezifische Dynamik von Alterpräferenzen – Empirische Evidenzen aus dem Online-Dating

In der vorliegenden Studie werden innovative Daten, die aus dem Online-Dating stammen, verwendet, um die Präferenzen von Männern und Frauen hinsichtlich des Alters eines Partners zu untersuchen. Diese Daten umfassen sowohl Beobachtungen, wie sich Individuen auf den Plattformen einer Partnerschaftsbörse verhalten, als auch Informationen über die Präferenzen, die Individuen bei einer Online-Umfrage nannten. In diesem Beitrag wird analysiert, wie die Alterspräferenzen von Männern und Frauen durch das jeweilige Alter des Individuums, die Präferenzen hinsichtlich anderer Eigenschaften sowie die je eigenen marktrelevanten Eigenschaften, die anderen als wünschenswert oder nicht gewünscht erscheinen, erklären werden können, Wie unsere Ergebnisse zeigen, ändern sich Alterspräferenzen wesentlich mit dem eigenen Alter, dies jedoch für Männer und Frauen in unterschiedlicher Weise: Während Männer zunehmend jüngere Frauen bevorzugen, wenn sie selbst älter werden, entwickeln sich die Alterspräferenzen hinsichtlich der Partner in zunehmend unterschiedlicher Weise. Zudem zeigen die Ergebnisse, dass die Alterspräferenzen mit geschlechtsspezifischen Präferenzen hinsichtlich der Attraktivität und des Bildungsstandes konfundieren. Schließlich variieren die Alterspräferenzen auch mit marktrelevanten Eigenschaften wie Bildungsstand und Elternschaft, nicht jedoch mit vorherigen Eheerfahrungen. Alles in allem weisen unsere Analysen auf einen geschlechtsspezifischen Rückgang des Wertes auf dem Partnermarkt mit für Männer und Frauen unterschiedlichen Konsequenzen für die Partnerpräferenzen hin.

Schlagwörter: Alterspräferenzen, Partnerwahl, offenbarte Präferenzen, selbst berichtete Präferenzen, Partnermarkt, Online Dating.

The gendered dynamics of age preferences – Empirical evidence from online dating

This study uses innovative data from online dating to analyze men’s and women’s preferences regarding the age of a partner. These data include observations on how individuals behaved on online dating platforms as well as information on which preferences individuals stated in a survey from an online panel. The paper analyzes how male and female age preferences can be explained by an individual’s own age, preferences for other traits, and own market-relevant traits that are favorable or unfavorable for others. Our results show that age preferences essentially shift with age, but in different ways for men and women: Whereas men increasingly prefer younger women as they age, women’s age preferences become increasingly diverse. They also show that age preferences are confounded with gender-specific preferences for attractiveness and education. Finally, preferences for age also vary with marketrelevant traits such as education and parenthood, but not with prior marital experience. Altogether, our analyses point to a gender-specific decline in mate value with differential consequences for men’s and women’s mating preferences.

Key words: age preferences, mate selection, revealed preferences, stated preferences, partner market, online dating


Doreen Zillmann, Andreas Schmitz & Hans-Peter Blossfeld (pp. 291-318)

Lügner haben kurze Beine. Zum Zusammenhang unwahrer Selbstdarstellung und partnerschaftlicher Chancen im Online-Dating

Unwahrheiten sind alltägliche Bestandteile sozialer Interaktionen. Sie treten im Alltag jedoch meist nur in Form kleinerer Lügen und „Schummeleien“, wie es umgangssprachlich heißt, auf. Ein Ziel von Unwahrheiten kann sein, sich eine bessere Position zu verschaffen, um daraus Vorteile beispielsweise in Form sozialer Wertschätzung durch Andere zu erhalten. Der vorliegende Beitrag untersucht Unwahrheiten bei der Selbstdarstellung im Kontext der Partnerwahl auf Online-Kontaktbörsen. Mithilfe von Daten aus einer Online-Befragung von Nutzern einer Online-Kontaktbörse wird untersucht, ob Muster unwahrer Selbstdarstellung im Nutzerprofil beobachtbar sind und wie die Merkmale der Akteure die beobachtbaren Muster der Unwahrheit beeinflussen. Dazu führen wir eine analytische Unterscheidung von spezifischer und unspezifischer Kompensation nachteiliger partnerschaftlicher Chancen ein. Die empirischen Analysen konzentrieren sich auf unwahre Profildarstellungen des Bildungsniveaus und der physischen Attraktivität. Die Ergebnisse zeigen deutliche geschlechts- und merkmalsspezifische Muster unwahrer Selbstdarstellung. So zeigt sich beispielsweise hinsichtlich der Körpergröße ein signifikanter Effekt bei Männern, nicht jedoch bei Frauen: Es sind vor allem kleine Männer, die eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, ihre Körpergröße im Nutzerprofil unwahr darzustellen. Diese Strategie bezeichnen wir als spezifische Kompensation nachteiliger Chancen am Partnermarkt. Die Analysen bestätigen aber auch unsere Erwartung hinsichtlich Strategien der unspezifischen Kompensation: tatsächliche oder vermeintliche Nachteile in einem Merkmal können dazu führen, dass sich Akteure in einem anderen Merkmal unwahr darstellen, ebenso können Nachteile in einem Merkmal durch Stärken in anderen Merkmalen kompensiert werden. Mit Hilfe der unspezifischen Kompensation ist es möglich, Unwahrheiten in einem Merkmal gering und damit auch verzeihlich zu halten.

Schlagwörter: Selbstdarstellung, Täuschung, Vertrauen, Informationen, Partnersuche im Internet, Partnerwahl, Online-Dating

Liars have short legs. The relationship between deceptive self-presentation and mating opportunities in online dating

Untruthfulness and deception are common constituents of social interactions. In everyday life, however, they usually occur in form of small lies and cheating. Gaining a better position in order to receive social approval by others might be the intention underlying untrue statements. In this contribution, we investigate deception in selfpresentation in the context of mate choice on online dating sites. Using data from an online survey conducted amongst users of an online dating site, we analyse whether patterns of misrepresentation in users’ profiles can be detected and which of the actors’ characteristics influence the observable patterns of untruthfulness. For this purpose, we introduce an analytical distinction between specific and unspecific compensation of disadvantageous chances in mating. The empirical analyses focus on deceptive presentation in the user profile concerning educational level and physical attractiveness. The results show clear gender specific and trait specific patterns of deceptive selfpresentation. With regard to, for example, body height, there is a significant effect for men, but not for women: especially small men have a higher probability to misrepresent their height in the user profile. This strategy will be called specific compensation of disadvantageous chances on the partner market. In addition, the analyses support our expectations concerning strategies of unspecific compensation: actual or perceived disadvantages in one characteristic can lead actors to misrepresent themselves in another characteristic; likewise, disadvantages in one characteristic can be compensated by advantages in other characteristics. Using unspecific compensation, actors are able to keep deception in one characteristic on a minimal and therefore excusable level.

Key words: self-presentation, deception, trust, information, mate search on the internet, mate choice, online dating


Marie Bergström (pp. 319-336)

Online-Dating für gelegentliche Treffen. Sexuelle Normen und Praktiken in französischen heterosexuellen Partnerschaftsbörsen

Während über das Internet vermittelte gelegentliche Treffen zwischen homosexuellen Männern bereits ein etablierter Forschungsgegenstand in den Sozialwissenschaften sind, ist die Forschung zu heterosexuellem Online-Dating größtenteils auf die Suche nach romantischen Langzeitbeziehungen fokussiert. Der vorliegende Artikel will damit beginnen, diese Forschungslücke zu füllen, indem er den möglichen neuen sexuellen Bereich untersucht, der durch heterosexuelle Online-Dating-Plattformen entsteht. Diese Studie basiert hauptsächlich auf qualitativen Feldstudien und zeigt den normativen Rahmen auf, der das Feld der französischen Dating-Seiten strukturiert. Außerdem zeigt die Untersuchung, wie das Kennenlernen im Internet ein neues Dating-Szenario mit sich bringt, das dazu tendiert, die Aufnahme sexueller Kurzzeitbeziehungen zu vereinfachen.

Schlagwörter: sexuelle Bereiche, Online-Dating, Heterosexualität, sexuelle Beziehungen

Casual dating online. Sexual norms and practices on French heterosexual dating sites

Although Internet-mediated casual encounters between gay men have become an established object of study in social science, research on heterosexual online dating is largely focused on the search for romantic long-term relationships. This article presents an investigation of the new “sexual territory” that appears with heterosexual dating sites. Based primarily on qualitative fieldwork, this study first reveals the normative framework that structures the field of French dating platforms, and secondly shows how meeting online comes with a new dating scenario that tends to facilitate the engagement in short-term sexual relationships.

Key words: sexual territories, online dating, heterosexuality, casual dating.


Kai Dröge & Olivier Voirol (pp. 337-357)

Online-Dating zwischen romantischer Liebe und ökonomischer Rationalität

In diesem Beitrag wird zunächst aufgezeigt, wie romantische Liebe und ökonomische Rationalität in der Moderne als zwei eigenständige Sphären entstanden, die durch je eigene normative Prinzipien, Erwartungen und praktischer Orientierungen gekennzeichnet sind und die zudem in der klassischen soziologischen Theorie zueinander systematisch als Gegensätze angesehen wurden. Im zweiten Teil wird analysiert, wie diese beiden eigenständigen Bereiche normativer Prinzipien und praktischer Orientierungen in das Feld des Online-Dating eingeführt werden. Dies führt dann zum dritten Teil, in dem empirisch untersucht wird, wie die Nutzer mit den Ambivalenzen und Spannungen zwischen diesen unterschiedlichen Orientierungen in der Praxis der Partnerschaftsbörsen umgehen. Die Schlussforderungen schließlich gehen der Frage nach, ob die Grenzen zwischen Liebe und Markt im Begriff sind, verwischt werden oder ob diese – auf jedoch brüchige Weise – im Internet heute wieder hergestellt werden.

Schlagwörter: Online-Dating, Rationalisierung, romantische Liebe, Internet, qualitative Forschung, Interviews, Deutschland, Schweiz

Online dating: The tensions between romantic love and economic rationalization

This paper will at first show how romantic love and economic rationality have emerged in modernity as two distinct spheres, which are characterized by their own normative principles, expectations and practical orientations – two spheres that have systematically been opposed in sociological tradition. In a second part, it will be analyzed how these two distinct sets of normative principles and practical orientations are both introduced into the field of online dating. This leads to the third part which investigates on an empirical basis how people deal with the ambivalences and tensions between these different orientations in the practice of online dating. Finally, a short conclusion questions if the boundaries between love and the market are being blurred or, in a fragile way, reestablished on the Internet today.

Key words: online dating, rationalization, romantic love, market, Internet, qualitative research, interviews, Germany, Switzerland


Andreas Schmitz, Susann Sachse-Thürer, Doreen Zillmann & Hans-Peter Blossfeld (pp. 358-381)

Online-Dating – Mythen und Fakten. Eine Konfrontation gängiger Vorstellungen mit empirischen Ergebnissen

Mit ihrer wachsenden Verbreitung ist die Partnerwahl im Internet zu einem bemerkenswerten Gegenstand des öffentlichen Diskurses geworden. Viele, meist negativ konnotierte Annahmen über die Eigenschaften und den Ablauf der Partnerwahl im Internet, insbesondere hinsichtlich ihrer Risiken und Nachteile, zirkulieren heute in den Medien und beeinflussen deren öffentliche Wahrnehmung. In diesem Beitrag präsentieren wir weit verbreitete Stereotype zum (immer noch) neuen Phänomen der Partnerwahl im Internet. Diese Klischees und Vorurteile, die in (Online-) Zeitungen und Zeitschriften, Online-Ratgebern, Blogs und Diskussionsforen recherchiert wurden, werden mit empirischen Fakten konfrontiert. Basierend auf verschiedenen deskriptiven Analysen diskutieren wir, ob bzw. inwieweit zehn populäre Vorstellungen mit der empirischen Realität der digitalen Partnersuche in Deutschland übereinstimmen.

Schlagworte: Online-Dating, Internet, medialer Diskurs

Myths and facts about online mate choice Contemporary beliefs and empirical findings

With the increasing dissemination and usage of online mate choice, finding a partner via the Internet has attracted remarkable public attention in the last decade. Several, mostly negative prejudices toward online mate choice – especially regarding its risks and disadvantages – circulate constantly throughout the mass media and form public perceptions. This article presents common stereotypes on this (still) new phenomenon, derived from an investigation of newspapers online and offline, online guides, blogs, and discussion forums and confronts them with the empirical facts. Based on several descriptive analyses, we discuss whether and to what extent ten prevalent beliefs correspond to the empirical reality of finding a mate via the Internet in Germany.

Key words: online dating, Internet, media discourse