Volume 23 (2011) – Issue 2

23. Jahrgang (2011) – Heft 2

Content | Inhalt

Michaela Kreyenfeld & Valerie Martin: Introduction to the special issue on The dynamics of stepfamilies in cross-national perspective

Michaela Kreyenfeld & Valerie Martin: Economic conditions of stepfamilies from a cross-national perspective

Jani Turunen: Entering a stepfamily: Children’s experience of family reconstitution in Schweden 1970-2000

Sebastian Schnettler & Anja Steinbach: How do biological and social kinship play out within families in the U.S.? An evolutionary perspective on perceived parental care and closeness in adolescents

Valerie Martin, Céline Le Bourdais & Évelyne Lapierre-Adamcyk: Stepfamily instability in Canada – The impact of family composition and union type

Ina Jaschinski: Der Übergang in eine nacheheliche Partnerschaft: Eine vergleichende Analyse zwischen Männern und Frauen auf der Basis des deutschen Generations and Gender Survey

Sabine Buchebner-Ferstl: Hausarbeit in Partnerschaften – die Rolle von Präferenzstrukturen: Ein innovativer Ansatz zur Erklärung von Verteilungsmustern
[Volltext]


Abstracts and keywords | Zusammenfassung und Schlagwörter

Michaela Kreyenfeld & Valerie Martin (pp.  128-153)

Die ökonomische Situation von Stieffamilien im internationalen VergleichIn diesem Beitrag werden die Daten der ersten Welle des Generations and Gender Survey (GGS) verwendet, um die die ökonomische Situation von Stieffamilien in Deutschland, der russischen Föderation und Frankreich zu untersuchen. Die Ergebnisse zeigen, dass Stieffamilien in Frankreich und in Westdeutschland häufiger ökonomischen Schwierigkeiten ausgesetzt sind als Kernfamilien. Soziodemographische Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Familientypen, insbesondere die Tatsache, dass Stieffamilien größere Familien mit mehreren Kindern sind, können die Unterschiede in der Einschätzung der ökonomischen Situation in Frankreich erklären. Für Westdeutschland bleiben jedoch auch nach Kontrolle der soziodemographischen Merkmale die Unterschiede zwischen den Familientypen bestehen. Für die russische Föderation und für Ostdeutschland lassen sich keine signifikanten Unterschiede in der Einschätzung der ökonomischen Situation zwischen Stieffamilien und Kernfamilien aufzeigen. Die zentrale Trennlinie verläuft hier zwischen Alleinerziehenden und anderen Familienformen.

Schlagwörter: Stieffamilie, familialer Wandel, Westdeutschland, Ostdeutschland, Russische Fö- deration, Frankreich

Economic conditions of stepfamilies from a crossnational perspective

This paper investigates the economic conditions of stepfamilies in Germany, the Russian Federation and France using data from the first wave of the Generations and Gender Survey (GGS). The analysis shows that stepfamilies more often report economic hardship than nuclear families in France and Western Germany. Socio-demographic differences between family types – particularly the fact that stepfamilies tend to be larger families – explain the differences in economic well-being between families in France. For Western Germany, differences between nuclear and stepfamilies remain after controlling for socio-economic composition of different family types. For the Russian Federation and Eastern Germany, we do not find any statistically significant differences in economic well-being between stepfamilies and nuclear families. The major dividing line for these regions runs between single parents and other types of families.

Key words: stepfamilies, family changes, Western Germany, Eastern Germany, Russian Federation, France


Jani Turunen (pp. 154-172)

Eintritt in die Stieffamilie – Die Erfahrungen von Kindern mit Familienrekonstitution in Schweden zwischen 1970 und 2000

In diesem Beitrag werden die Daten des schwedischen Level of Living Survey verwendet, um die Erfahrungen von Kindern mit der Familienrekonstitution, genauer: mit der ersten Formierung einer Stieffamilie in Schweden zwischen den Jahren 1970 und 2000 zu untersuchen. Zu Beginn wird das Risiko analysiert, einen Stiefelternteil zu bekommen und zwar für Jungen und Mädchen unterschiedlichen Alters und sozioökonomischen Hintergrunds, wobei letzterer anhand des Bildungsniveaus der Eltern gemessen wird. Die Ergebnisse zeigen hinsichtlich des Bildungsniveaus keine Unterschiede im Prozess der Gründung von Stieffamilien auf. Es bestehen jedoch eindeutige Unterschiede zwischen den Geschlechtern, da die Neigung, einen Stiefelternteil zu bekommen, je nach Geschlecht des Kindes variiert. Andere Faktoren, die ebenfalls Einfluss auf die Eintrittsrate in eine Stieffamilie haben, sind: die Zeitdauer, die ein Kind mit einem alleinerziehenden Elternteil gelebt hat als auch das Alter des Kindes in Wechselwirkung mit dessen Geschlecht. Obwohl die Bildung keinen Einfluss auf die Rate des Eintritts in eine Stieffamilie hat, muss man beachtet, dass es ein soziales Gefälle bei den Prozessen gibt, die dazu führen, dass Kinder sich im Risikopool derjenigen befinden, die überhaupt in eine Stieffamilie eintreten können. Insbesondere Kinder höher gebildeter Eltern haben ein signifikant geringeres Risiko außerhalb einer Partnerschaft geboren zu werden oder die Trennung oder Scheidung der Eltern zu erleben und sind somit seltener im Risikopool derjenigen zu finden, die in eine Stieffamilie eintreten können.

Schlagwörter: Stieffamilie, Stiefelternteil, Bildung einer Stieffamilie, Familienrekonstitution, Wiederverheiratung, schwedischer Level of Living Survey

Entering a stepfamily: Children’s experience of family reconstitution in Sweden 1970-2000

In this article, I use the Swedish Level of Living Survey data to study children’s experience of family reconstitution, or the first formation of stepfamily in Sweden 1970 to 2000. I set out to analyze relative risks for acquiring a stepparent for boys and girls of different ages and socioeconomic backgrounds, here measured as parent’s educational attainment. The results show no educational differences in the stepfamily formation process. There are however clear gender differences in the family reconstitution process where the likelihood of gaining a stepparent varies by the child’s gender. Other factors that have effect on the child’s likelihood of entering the first stepfamily are the time lived with a single parent as well as the child’s age in interaction with the child’s sex. Although there are no educational differentials in stepfamily formation, one needs to account for the social gradient in the processes leading to children being in the risk pool. Particularly children of higher educated parents have a significantly lower risk of being born out of union or experiencing a parental union dissolution and thus being exposed to the risk of entering a stepfamily.

Key words: stepfamily, stepparent, stepfamily formation, family reconstitution, re-marriage, Swedish Level of Living Survey


Sebastian Schnettler & Anja Steinbach (pp. 173-195)

Welche Rolle spielt biologische und soziale Elternschaft innerhalb von Familien? Eine evolutionsbiologische Betrachtung der Einschätzung elterlicher Fürsorge und emotionaler Nähe unter Jugendlichen in den USA

Abgeleitet aus der Theorie der Verwandtenselektion sagen Evolutionsbiologen vorher, dass Individuen gegenüber ihren biologischen Kindern mehr Fürsorge zeigen sollten als gegenüber Kindern, zu denen eine soziale Elternschaft besteht. Entsprechend wird erwartet, dass biologische Kinder die Beziehungen zu ihren Eltern besser einschätzen als Stiefkinder. Zur Überprüfung dieser Hypothese ziehen wir die Daten der U.S. National Longitudinal Study of Adolescent Health (Add Health) heran. Diese Studie erlaubt es, im Gegensatz zu vielen anderen Datenquellen, die Konsequenzen der innerfamilialen Dynamik sozialer und biologischer Eltern-Kind-Beziehungen zu untersuchen. Um diesen Vergleich innerhalb der Familien zu ermöglichen, untersuchen wir Geschwisterdyaden und führen eine fixed-effects-Regression durch. Die Resultate der deskriptiven und der multivariaten Analysen bestätigen, dass der Status biologischer Elternschaft auch dann die Beziehungseinschätzungen der Jugendlichen (wahrgenommene elterliche Fürsorge und emotionale Nähe) vorhersagt, wenn für andere relevante Einflussfaktoren kontrolliert wird – sowohl in Bezug auf die väterliche als auch auf die mütterliche Beziehung. In der Diskussion kommentieren wir das Ergebnis im Hinblick auf eine mögliche Integration evolutionsbiologischer und soziologischer Forschungsperspektiven und schließen mit einigen Empfehlungen für die zukünftige empirische Datenerhebung ab. Eine Umsetzung dieser Empfehlungen könnte es interessierten Forscherinnen und Forschern in Zukunft ermöglichen, die relative Bedeutung biologischer und sozialer Einflüsse auf die Eltern detaillierter zu untersuchen.

Schlagwörter: Stiefelternschaft, Stieffamilien, Geschwister, fixed effects, Eltern-Kind-Beziehungen, elterliches Investment, Evolutionspsychologie, Soziobiologie

How do biological and social kinship play out within families in the U.S.? An evolutionary perspective on perceived parental care and closeness in adolescents

Consistent with inclusive fitness theory, evolutionary biologists predict that individuals care more for their biological than their social children and hence that biological children assess the relationships to their parents better than stepchildren. To test this assumption, we use data from the U.S. National Longitudinal Study of Adolescent Health (Add Health). Unlike many other studies that have been conducted so far, this survey allows us to analyze the consequences of the dynamic between social and biological parent-child relationships within the same families. We use comparisons of sibling pairs and fixed-effects regression to achieve the within-family comparison. Both the descriptive and multivariate regression results confirm that – even after controlling for other relevant influences – biological parenthood matters with regard to children’s relationship assessments (perceived parental care and closeness of the parent-child relationship) and in both the relationships to resident fathers and mothers. In the discussion, we comment on the possible integration of the evolutionary and sociological perspectives and close with some recommendations for future data collection that could allow researchers to analyze the relative impact of biological and social influences on parent-child relationships on a more fine-grained level.

Key words: stepfamilies, siblings, fixed-effects regression, parent-child relations, parental investment, evolutionary psychology, sociobiology


Valerie Martin, Céline Le Bourdais & Évelyne Lapierre-Adamcyk (pp. 196-218)

Instabilität von Stieffamilien in Kanada: der Einfluss der Familienkonstellation und der Art der Partnerschaft

Der vorliegende Artikel untersucht die (In)stabilität von Stieffamilien in Kanada. Die Analysen wurden mit dem General Social Survey (GSS) 2001 unter Anwendung der Ereignisdatenanalyse durchgeführt. Von besonderem Interesse waren der Einfluss der Familienkonstellation und die Art der Partnerschaft auf das Trennungsrisiko. Ferner wurde untersucht, wie sich die (In)stabilität von Stieffamilien über die Zeit entwickelt hat. In der kanadischen Provinz Québec gelten nichteheliche Lebensgemeinschaften bereits als vollständig institutionalisiert. Ein weiterer Aspekt dieser Studie war der Vergleich der Entwicklung der québecer Stieffamilien mit denen im restlichen Kanada über die Zeit. Die Ergebnisse zeigen, dass Stiefmutterfamilien ein geringeres Trennnungsrisiko haben als Stiefvaterfamilien und dass Ehen in Stieffamilien stabiler sind als in nichteheliche Lebensgemeinschaften. Ebenso konnte gezeigt werden, dass für beide Partnerschaftstypen das Trennungsrisiko über die Zeit hinweg stark zugenommen hat.

Schlagwörter: Stieffamilieninstabilität, Familienkonstellation, Art der Partnerschaft, Ereignisdatenanalyse, Frauen, Kanada

Stepfamily instability in Canada – The impact of family composition and union type

The aim of this paper is to analyze stepfamily instability in Canada by applying the proportional hazards model to the information collected in the 2001 General Social Survey on Family. More specifically, we examine the effect that the family composition and the type of conjugal union exert on the risk of separation, and test whether the impact of cohabiting union varies over time and between Quebec and the other provinces, depending of its stage of institutionalization. The analysis shows that stepmother families face a lower risk of separation than those formed around a stepfather, and that cohabiting stepfamily couples are more unstable than married ones. The risk of union dissolution among stepfamily couples has increased over time, for married as well as cohabiting partners, but the effect of cohabitation relative to marriage does not appear to significantly differ across periods or regions.

Key words: stepfamily instability, family composition, type of union, event history analysis, women, Canada


Ina Jaschinski (pp. 219-240)

Der Übergang in eine nacheheliche Partnerschaft: Eine vergleichende Analyse zwischen Männern und Frauen auf Basis des deutschen Generations and Gender Survey

Angesichts kontinuierlich hoher Scheidungszahlen werden nacheheliche Beziehungen zu regelmäßigen Lebensereignissen innerhalb einer Partnerschaftsbiografie. Allerdings gibt es relativ wenige Studien zu den Determinanten der nachehelichen Paarbildung. In diesem Beitrag werden die Daten des Generations und Gender Surveys (GGS) aus dem Jahr 2005 verwendet, um einen Einblick in das nacheheliche Partnerschaftsverhalten in Deutschland zu gewinnen. Im Fokus der Betrachtung steht dabei, welche wesentlichen Einflussfaktoren diesen Prozess der Paarbildung bestimmen und zu welchen Unterschieden es dabei zwischen Männern und Frauen kommt. Die Ergebnisse zeigen, dass es bei den Übergangsraten in eine nacheheliche Partnerschaft kaum Geschlechterunterschiede gibt. Sowohl für Männer als auch für Frauen geht vom Bildungsniveau ein positiver Effekt auf die Übergangsrate in eine nacheheliche Partnerschaft aus. Nur in Bezug auf das Alter bei Scheidung gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede. Insbesondere bei Frauen zeigt sich der negative Einfluss des Alters deutlicher.

Schlagwörter: Nacheheliche Paarbildung, Trennung, Scheidung, Ereignisanalyse

Re-partnering after divorce in Germany – A comparison between men and women based on an analysis with the Generations and Gender Survey

Due to continuously high marital dissolution rates, re-partnering becomes an increasingly regular life course experience. However, only few empirical studies have addressed the topic of repartnering after divorce. This analysis uses data from the first wave of the German Generations and Gender Survey (GGS), which was conducted in 2005, to study patterns of post-divorce union formation in Germany. Particular attention is given to potential gender differences. Surprisingly, the empirical investigation shows no major gender differences in re-partnering rates. High education increases re-partnering rates for both sexes. There is, however, a gender difference for the age at divorce determining re-partnering behaviour: while women who are older at divorce experience a rather low rate of re-partnering, we do not find such a clear pattern for their male counterparts.

Key words: post-divorce re-partnering, separation, divorce, event history


Sabine Buchebner-Ferstl (pp. 241-259)

Hausarbeit in Partnerschaften – die Rolle von Präferenzstrukturen. Ein innovativer Ansatz zur Erklärung von Verteilungsmustern

Die hier vorgestellten Ergebnisse sind aus der qualitativen Studie „The glass partitioning wall“ (in Anlehnung an den Begriff der „glass ceiling“) hervorgegangen, in der 40 österreichische Paare mit mindestens einem Kind unter sechs Jahren zur Aufgabenverteilung im Haushalt befragt wurden. Auf dieser Grundlage konnte ein fundiertes theoretisches Modell der Arbeitsteilung im Haushalt entwickelt werden. Den zentralen Bestandteil des Modells bilden internale Faktoren, so genannte Präferenzen der Partner, die als Verteilungs- überzeugungen, Kompetenzüberzeugungen und Gestaltungsprinzipien in Erscheinung treten. In der qualitativen Studie ließen sich sowohl auf der Ebene des Individuums als auch auf Paarebene typische Muster identifizieren, die jeweils durch eine spezifische Konstellation hinsichtlich der Präferenzen gekennzeichnet sind. So gehen etwa hohe Kompetenzzuschreibungen an die eigene Person zumeist mit höheren Ansprüchen und sehr konkreten Gestaltungsprinzipien einher.

Schlagwörter: Hausarbeit, Verteilung der Hausarbeit, Geschlechtergerechtigkeit

Housework and partnership – the role of preference patterns. An innovative approach to explain the division of housework

The findings presented in this article have emerged from the qualitative study “The glass partitioning wall” (an analogue to the well known “glass ceiling”) in which 40 Austrian couples with at least one child (aged six or younger) have been interviewed about their division of housework. Based on the results, a well-grounded theoretical explanation model for the division of housework could be developed. The leading factors of the model are internal factors, the „preferences“, of the partners, which include “gender equity in the division of tasks”, “perceived competence in household (or family) tasks” and “standards for household tasks”. In the qualitative study on the individual level as well as on the partnership-level specific patterns in couples’ attitudes could be identified. For example, a high degree of perceived own competences for household tasks is mostly attended by high and elaborated standards.

Key words; housework, division of housework, gender equality