Volume 21 (2009) – Issue 3

21. Jahrgang (2009) – Heft 3

Content | Inhalt

Henriette Engelhardt: Einleitung zum Schwerpunktthema Fertilität und Frauenerwerbstätigkeit

Jette Schröder & Klaus Pforr: Der aktuelle Forschungsstand zum Zusammenhang zwischen Erwerbstätigkeit und Fertilität bei Frauen

Henriette Engelhardt: Zum Wandel der Korrelation von Fertilität und Frauenerwerbstätigkeit in Raum und Zeit: Eine empirische Analyse unter Berücksichtigung der Effekte ausgewählter sozialer Indikatoren

Michaela Kreyenfeld, Kerstin Schmidtke & Sylvia Zühlke: Eignet sich das Mikrozensus-Panel für familiensoziologische Fragestellungen? Untersuchung am Beispiel der Frage nach den ökonomischen Determinanten der Familiengründung

Gerda Neyer: Bildung und Kinderlosigkeit in Österreich und in Schweden

Marina Hennig: Rollenverhalten und soziale Netzwerke in großstädtischen Familien


Abstracts and keywords | Zusammenfassungen und Schlagwörter

Jette Schröder & Klaus Pforr (pp. 218-244)

Der aktuelle Forschungsstand zum Zusammenhang zwischen Erwerbstätigkeit und Fertilität bei Frauen

Der Beitrag stellt den Forschungsstand zur Frage dar, inwieweit in westlichen Industrieländern ein kausaler Zusammenhang zwischen der Erwerbstätigkeit und der Fertilität von Frauen besteht und in welche Richtung die Kausalität verläuft. Vorliegende Makrostudien können die Frage nach dem kausalen Zusammenhang zwischen Erwerbstätigkeit und Fertilität aufgrund fehlender Drittvariablenkontrolle und der Möglichkeit eines ökologischen Fehlschlusses nicht klären. Längsschnittsanalysen auf der Mikroebene zeigen einen negativen Effekt von gegenwärtiger Erwerbstätigkeit auf die Übergangsrate zu einem (weiteren) Kind. Es besteht jedoch der Verdacht, dass es sich bei diesem Effekt nicht um einen Kausaleffekt handelt, sondern um einen Selbstselektionseffekt. Auf Grundlage von Längsschnittsstudien zum Einfluss der Fertilität auf die Erwerbstätigkeit kann hingegen geschlossen werden, dass die Fertilität einen kausalen Effekt auf die Erwerbstätigkeit hat. Problematisch bleibt allerdings – wiederum aufgrund möglicherweise vorliegender Selbstselektion – die genaue Quantifizierung dieses Effekts.

Schlagwörter: Fertilität, Frauenerwerbstätigkeit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, westliche Industrieländer, Literaturüberblick

The relationship between women’s employment and fertility: A review of the current state of research

This paper presents the state of research regarding the question whether there is a causal relationship between women’s employment and fertility and which direction causality takes. Existing macrolevel studies cannot answer this question because of omitted covariates and potential ecological fallacy. Longitudinal analyses at the micro level show a negative effect of current employment on the transition rate to another child. However, it is likely that the reason for this effect is selfselection, instead of a causal relationship. Regarding the impact of fertility on employment, studies at the micro level show a negative causal effect. Nevertheless, the exact quantification of this negative effect remains problematic, which is again due to possible self-selection.

Key words: fertility, female labour force participation, work-family issues, industrialised countries, review


Henriette Engelhardt (pp. 245-263)

Zum Wandel der Korrelation von Fertilität und Frauenerwerbstätigkeit in Raum und Zeit: Eine empirische Analyse unter Berücksichtigung der Effekte ausgewählter sozialer Indikatoren

In den OECD-Ländern hat sich die Korrelation zwischen der Gesamtfertilitätsrate und der Frauenerwerbsquote über die Zeit von einem negativen Wert vor den 1980er Jahren zu einem positiven Wert gewendet. Dieser Wechsel ist offensichtlich durch unbeobachtete länderspezifische Heterogenität und durch Heterogenität in der Beziehung zwischen Fertilität und Erwerbstätigkeit über die Zeit bedingt. Die Determinanten dieser zeit- und länderspezifischen Heterogenität sind jedoch unklar. Basierend auf Daten aus 16 europäischen Ländern werden in der vorliegende Studie zusammengefasste Zeitreihenmodelle mit fixen Länderund Zeiteffekten geschätzt und die Veränderung des Effekts der Erwerbsbeteiligung von Frauen für Indikatoren des Arbeitsmarktes, der Bildungsbeteiligung von Frauen, proximale Determinanten der Fertilität sowie sozialpolitische Indikatoren untersucht. Die empirischen Ergebnisse legen nahe, dass der Wandel in der Korrelation durch die zunehmende Teilzeiterwerbstätigkeit und Bildungsbeteiligung der Frauen, dem Anstieg des Alters bei Geburt sowie dem steigenden Anteil Kinder in Vorschulerziehung bedingt ist.

Schlagworte: Fertilität, Frauenerwerbstätigkeit, Korrelation, zusammengefasste Zeitreihen, länder- und zeitspezifische Heterogenität, Determinanten

On the changing correlation between fertility and female employment over space and time: A pooled time-series analysis on the impact of social indicators

In OECD countries, the cross-country correlation between the total fertility rate and the female labour force participation rate turned from a negative value before the 1980s to a positive value thereafter. Based on pooled time-series analysis, the literature seems to agree that this change is due to unmeasured country and time heterogeneity with respect to female employment. However, the determinants of this heterogeneity remain unclear. Using data of 16 European countries from 1960-2005, I estimate pooled time-series models of fertility and female labor force participation by applying Prais-Winsten regressions with fixed country and time effects and investigate the changing effect of female labor participation for a set of labor market, educational and demographic variables and indicators of social policy. The empirical findings reveal that the change in the correlation seems to be due to the increasing proportion of females employed part-time, increasing educational attainment of females, increasing age at first birth and increasing gross enrollment ratio of children in pre-primary education.

Key words: cross-country correlation, female employment, fertility, pooled time-series, country- and time-specific heterogeneity


Michaela Kreyenfeld, Kerstin Schmidtke & Sylvia Zühlke (pp. 264-285)

Eignet sich das Mikrozensus-Panel für familiensoziologische Fragestellungen? Untersuchung am Beispiel der Frage nach den ökonomischen Determinanten der Familiengründung

Ziel dieses Beitrags ist es, das Analysepotential des Mikrozensus-Panels für familiensoziologische Fragestellungen darzustellen. Dazu wird zum einen aufgezeigt, wie die Daten in Episodenformat aufgearbeitet werden können, um ereignisanalytische Modelle des Geburtenverhaltens zu schätzen. Des Weiteren wird ein Modell zu den ökonomischen Determinanten des Übergangs zur Erstelternschaft vorgestellt. In einer Sensitivitätsanalyse wird geprüft, inwiefern der Ausfall der räumlich mobilen Personen die Ergebnisse verzerrt. Der Beitrag schließt mit einer kritischen Reflektion über die Grenzen und Möglichkeiten des Mikrozensus-Panels für Fertilitätsanalysen.

Schlagwörter: Fertilität, Familie, Mikrozensus, Erwerbstätigkeit, Datenqualität

Can we use the micro-census panel for studying family dynamics? First applications on the economic determinants of family formation

This paper discusses whether the German microcensus panel can be used for investigations in the field of family dynamics. We show how data can be set up as spell data so that event history techniques can be applied. Furthermore, a model on the economic determinants of first birth risks is estimated. A sensitivity analysis addresses the question whether panel attrition biases the investigations. The paper concludes with a critical discussion on the scope and limits of the microcensus panel for fertility investigations.

Keywords: fertility, family, microcensus, employment, data quality


Gerda Neyer (pp. 286-309)

Bildung und Kinderlosigkeit in Österreich und in Schweden

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen Bildungshöhe, Bildungsrichtung und Kinderlosigkeit österreichischer und schwedischer Frauen der Geburtenjahrgänge 1955- 59. In beiden Ländern haben Frauen mit einer Ausbildung im Unterrichts- oder Gesundheitsbereich eine geringere Kinderlosigkeit als Frauen mit einer Ausbildung in anderen Bildungsrichtungen. Deutliche Unterschiede bestehen hingegen im Ausmaß der Kinderlosigkeit zwischen schwedischen und österreichischen Frauen nach Bildungshöhe: Schwedische Frauen mit Universitätsausbildung haben im Schnitt nur wenig höhere Kinderlosigkeit als Frauen mit niedrigerem Bildungsabschluss. In Österreich dagegen bleiben Frauen mit Abitur oder höherem Bildungsabschluss wesentlich öfters kinderlos als Frauen mit niedrigerem Bildungsabschluss.

Schlagwörter: Bildung, Kinderlosigkeit, Österreich, Schweden, Politik

Education and childlessness in Austria and Sweden

This article deals with the association between educational level, educational line, and childlessness among Austrian and Swedish women born 1955-59. In both countries women educated for teaching jobs or for health occupations have lower childlessness than women educated for other professions. However, childlessness by educational level differs markedly between the two countries. Swedish women with tertiary education have only slightly higher childlessness than women with lower educational attainment. In Austria, however, women with an education at high-school level or above remain significantly more often childless than women with a lower education.

Keywords: education, childlessness, Austria, Sweden, policies


Marina Hennig (pp. 310-335)

Rollenverhalten und soziale Netzwerke in großstädtischen Familien

Elizabeth Bott hat mit ihrem Buch „Family and social network“ zahlreiche Folgestudien angeregt. Sie hat mit ihrer Studie darauf hingewiesen, dass die sozialen Netzwerke – als soziales Umfeld – in das Familien eingebunden sind, eine bedeutende Rolle für die Arbeitsteilung in der Familie spielen. Vor dem Hintergrund der inzwischen weiter entwickelten Methoden der egozentrierten Netzwerkanalyse, wird diese zentrale These von Elisabeth Bott zu Ausgangspunkt des Beitrages genommen. Denn ließe sich die These von Elisabeth Bott stützen, so müssten Familien mit ähnlicher Rollenaufteilung auch übereinstimmende Strukturmerkmale in ihren Netzwerken aufweisen. Im Ergebnis einer dazu in Deutschland 2003 durchgeführten Studie zeigt sich, dass sich seit den Studien von Elisabeth Bott die komplementär angelegten Geschlechterrollen ausdifferenziert haben und dass das Verhältnis der Partner in Bezug auf die Arbeitsteilung egalitärer geworden ist. Zum anderen sind die Netzwerkbeziehungen der Familie funktional organisiert und von den innerfamilialen Beziehungen, insbesondere der Arbeitsteilung, unabhängig. Gegenüber der Familie der sechziger Jahre ist es zu einer funktionalen Ausdifferenzierung der Innenund Außenbeziehungen der Familien mit Kindern als Ergebnis der veränderten gesellschaftlichen Anforderungen an Familien gekommen.

Schlagworte: Familie, egozentrierte Netzwerke, Rollenverhalten, innerfamiliale Arbeitsteilung, Elizabeth Bott

Role behaviour and social networks within urban families

With her book „Family and social network” Elisabeth Bott has inspired several follow-up studies. In her study, Bott pointed out that social networks, as a social environment, are incorporated into family life, and therefore play an important role in the division of work within a family. While studies of egocentric network analysis have progressed since the publication of the book, Bott’s thesis will nonetheless serve as the starting point of this study. If Elisabeth Bott’s findings are reliable, we should find that families with similar behaviour have concurrent structures of characteristics within their networks.Results of a study conducted in Germany in 2003 indicate on the one hand that, in the meantime complementary applied gender roles have become more differentiated, and that relationships between married couples have become more egalitarian with regard to the division of work within the households. On the other hand, network relationships are organized functionally, and are independent of the division of work in the family. In contrast to the family structure of the 1960s, and as a result of the shift in social demands made on families, it appears that a functional separation of the external and internal affairs of families with children has occurred.

Key words: family, ego-centered networks, role behaviour, division of work in the family, Elizabeth Bott