Volume 20 (2008) – Issue 3

20. Jahrgang (2008) – Heft 3

Content | Inhalt

Jörg von Irmer: Die Rolle des Sexuallebens in einer romantischen Partnerschaft für die Beziehungszufriedenheit: Der Fragebogen zum Erleben von Sexualität in engen Partnerschaften (FESP).

Christina Krause & Verena Klopp: „Ich und meine Familie“ – Reflexionen von Scheidungskindern über ihre Familie

Florian Schulz, Jan Skopek, Doreen Klein & Andreas Schmitz: Wer nutzt Internetkontaktbörsen in Deutschland?

Annika Jabsen & Hans-Peter Blossfeld: Häusliche Pflege und die Auswirkungen auf die Zeitverwendung der Angehörigen

Katharina Spieß: Die Bündelung familienbezogener Leistungen bei einem Parafiskus – eine Zusammenfassung bisheriger Überlegungen und eine Einordnung in die aktuelle Debatte


Abstracts and keywords | Zusammenfassungen und Schlagwörter

Jörn von Irmer (pp. 229-246)

Die Rolle des Sexuallebens in einer romantischen Partnerschaft für die Beziehungszufriedenheit. Der Fragebogen zum Erleben von Sexualität in engen Partnerschaften (FESP)

Die Rolle der Sexualität für romantische Partnerschaften ist ein wenig untersuchtes Gebiet in der Partnerschaftsforschung. Es wird ein Fragebogen vorgestellt, der das Erleben von Sexualität in engen Partnerschaften auf den zwei Dimensionen physische und affektive Anziehung erfasst. Er ermöglicht eine Beschreibung, was Partner in ihrer Sexualität erleben und wie dies mit ihren Wünschen in Einklang steht. In einer Studie an 1.583 Personen erweist sich der Fragebogen als reliables Messinstrument. Männer berichten größere Defizite in der physischen Anziehung. Au- ßerdem wird sie im Querschnittsvergleich mit steigendem Alter immer negativer bewertet. Die affektive Anziehung ist ein Aspekt der Sexualität, der speziell für die partnerschaftliche Sexualität als zentral angesehen wird. Die Bedeutung dieser beiden Dimensionen des Erlebens partnerschaftlicher Sexualität für die Beziehungszufriedenheit unter Berücksichtigung von Alters- und Geschlechtseffekten wird diskutiert.

Schlagwörter: Sexualität, Partnerschaft, Erwartung, Erleben, Beziehungszufriedenheit, Fragebogen

The role of sex life in romantic relationships for relationship satisfaction The questionnaire of sexual experience in close relationships

Research on romantic relationships has rarely investigated the role of sex. Therefore a questionnaire measuring the sexual experience along the two dimensions of physical and affective attraction has been developed. The results describe the fit between sexual experience and expectations as experienced by the participants. In a study with 1,583 participants, the questionnaire was proven reliable. Male participants reported suffering from not receiving enough attention within the physical domain. In a cross-sectional analysis, physical attraction was accorded a diminishing importance with increasing age of the participants. Affective attraction had an impact on relationship satisfaction. Affective attraction is an aspect of sex life which may be typical for sex in close relationships only. The effect of both dimensions of experiencing sex in close relationships on relationship satisfaction will be discussed with respect to age and gender effects.

Key words: Sexuality, romantic relationship, expectation, experience, relationship satisfaction, questionnaire


Christina Krause & Verena Klopp (pp. 247-270)

„Ich und meine Familie“ – Reflexionen von Scheidungskindern über ihre Familie

Eine elterliche Trennung ist für Kinder ein kritisches Lebensereignis, das sie vielfältigen Belastungen aussetzt und von ihnen eine Reorganisation und Umstrukturierung des Familienkonzepts erfordert. Das Ziel der Untersuchung bestand darin, die kindliche Perspektive gegenüber den neu organisierten Familienbeziehungen zu erfassen. Im Rahmen des Forschungsprojekts „Ich bin ich – Gesundheit fördern durch Selbstwertstärkung” wurden von Grundschulkindern Familienbilder angefertigt. In diesem Beitrag werden die Ergebnisse dieser Analyse vorgestellt. Die Darstellungen der Scheidungskinder unterscheiden sich deutlich von den Darstellungen der Kinder, die die Erfahrung von Scheidung nicht gemacht haben. Die nähere Betrachtung der Gruppe der Scheidungskinder zeigt, dass Jungen mehr Anpassungsschwierigkeiten an die neue Familiensituation haben als Mädchen. Die Darstellungen der Scheidungskinder sind sehr heterogen, die typische Nachscheidungssituation kann nicht festgestellt werden.

Schlagwörter: Familiendarstellungen, Reflexion über die Familie, Grundschulkinder, Scheidung, Belastungen, Neustrukturierung und Reorganisation

„My family and me“ –Family from the perspective of children of divorced parents

For children, the divorce of their parents constitutes a critical life event exposing them to various stressful situations and requires them to reorganize and restructure their concept of the family. This study aims at gathering information on the children’s perspective on the reorganized relationships within the family. In the context of the study „I am who I am – Health promotion through reinforcement of self-esteem”, children from elementary schools have been asked to draw pictures of their families. The depictions made by children of divorced parents differ significantly from those made by children who did not experience their parents’ divorce. A closer inspection of the group consisting of children of divorced parents shows that boys have greater difficulties than girls to adapt to the new family situation. The depictions made by children of divorced parents are heterogeneous, there is no proof of a typical after-divorce situation.

Key words: Depictions of the family, reflections on the family, elementary schoolchildren, divorce, stress, reorganization and restructuring


Florian Schulz, Jan Skopek, Doreen Klein & Andreas Schmitz (pp. 271-292)

Wer nutzt Internetkontaktbörsen in Deutschland?

Der Aufsatz stellt die Frage, wer in Deutschland die Möglichkeit der internetgestützten Partnersuche nutzt. Ausgehend von der Debatte um digitale Ungleichheiten werden in Auseinandersetzung mit den Erkenntnissen der soziologischen Partnerwahlforschung theoretische Hypothesen formuliert, nach welchen sozialstrukturellen Merkmalen die Teilnahme am Onlinedating variiert. Diese Überlegungen werden auf Basis der Daten der ARD/ZDF-Onlinestudie 2007, einer für Deutschland repräsentativen Erhebung zur Internetnutzung, empirisch geprüft. Verglichen mit der Gesamtbevölkerung zeigt sich, dass die Onlinedater eher männlich, jünger und höher gebildet sind, sowie tendenziell in Haushalten mit höherem Einkommen leben. Verglichen mit den Internetnutzern sind die Onlinedater wiederum eher männlich, jünger und alleinwohnend; allerdings sind hier niedriger gebildete Personen leicht überreprä- sentiert. In Erweiterung zu früheren Untersuchungen zeigen unsere Ergebnisse, dass die Neigung von Männern und Frauen, am Onlinedating teilzunehmen, von ihren jeweiligen Perspektiven am Heiratsmarkt abhängig ist. Vor allem höher gebildete Frauen und niedrig gebildete Männer gehören dabei zu den Gruppen, die durch die Nutzung von Online-Kontaktbörsen ihre Partnersuche ausweiten.

Schlagworte: Onlinedating, Sozialstruktur, Deutschland, Partnerwahl, Internet, Digital Divide

Who is using internet dating platforms in Germany?

This paper seeks to identify, who is using online dating sites in Germany. Theoretically, it is drawn on the debate about the digital divide of society and the findings of sociological mate selection research. Several hypotheses are presented on how individuals using internet dating vary in socioeconomic and demographic characteristics. These considerations are then tested empirically, using the data of the ARD/ZDF-Online Study 2007, a representative national sample of internet behaviour in Germany. Compared to the total population, the results show that online daters are rather male, younger, higher educated and live in households with a higher income. Compared to all internet users, online daters are also rather male, younger and living in single households; however, lower educated individuals are slightly overrepresented. Our work contributes to the research by showing that the propensity of men and women to participate in online dating depends on their individual perspectives at the marriage market. Particularly higher educated women and lower educated men belong to those groups that try to extend their pool of partners by using dating sites.

Key words: Online dating, social structure, Germany, mate selection, internet, digital divide.


Annika Jabsen & Hans-Peter Blossfeld (pp. 293-321)

Die Auswirkungen häuslicher Pflege auf die Arbeitsteilung in der Familie

Der vorliegende Beitrag analysiert die Auswirkungen der Anwesenheit pflegebedürftiger Personen auf die individuelle Zeitverwendung und die Arbeitsteilung der Haushaltsmitglieder. Die Untersuchung bezieht sich konkret auf die Zeit, die Frauen und Männer im Alter von 30 bis 65 Jahren für Erwerbstätigkeit und Haushaltsarbeit aufbringen und fokussiert die Veränderung der individuellen und relativen Zeitverwendungsmuster bei Eintritt eines Pflegeereignisses. Es handelt sich um eine Längsschnittanalyse auf Basis der Daten des Sozio-oekonomischen Panels von 1985 bis 2004. Empirisch zeigt sich, dass sich vor allem die Frauen nach einem Pflegeereignis verstärkt im Haushalt engagieren und ihre Erwerbsbeteiligung reduzieren. Auf Paarebene lassen sich verstärkte Traditionalisierungstendenzen erkennen. Die Frau übernimmt einen größeren Anteil der Hausarbeitszeit, der Mann einen größeren Anteil der Erwerbsarbeitszeit.

Schlagwörter: Zeitverwendung, innerfamiliale Arbeitsteilung, Pflegende, SOEP

Home care and its effects on the division of labour in the family

In this article we study the effects of home care on individual time use patterns of family members and the household division of labour. We focus on the amount of time that 30 to 65 year old women and men spend on employment and housework, and the changes that might occur on both the individual and the couples level when home care becomes necessary. The longitudinal analysis is based on data of the German Socioeconomic Panel from 1985 to 2004. Referring to caring for relatives, empirical evidence shows that women, in particular, increase their time for housework and decrease their time for paid employment. Focusing on couples division of labour in the household, our findings indicate a traditionalization process. The female partner fulfills the larger part of the housework time requirements, while the male partner fulfills the larger part of paid employment time requirements.

Key words: Time use, household division of labour, care, GSOEP


C. Katharina Spieß (pp. 322-340)

Die Bündelung familienbezogener Leistungen bei einem Parafiskus. Eine Zusammenfassung bisheriger Überlegungen und eine Einordnung in die aktuelle Debatte

Familienbezogene Leistungen umfassen in Deutschland eine Vielzahl von Sach- und Geldleistungen. Diese Leistungen sind nicht aufeinander abgestimmt, stehen häufig unverbunden nebeneinander und sind wenig transparent. Die Bündelung familienbezogener Maßnahmen bei einer Familienkasse als Parafiskus könnte, so die zentrale Aussage dieses Beitrags, Abhilfe schaffen. Die grundsätzlichen Vor- und Nachteile parafiskalischer Institutionen werden zusammengefasst und es wird diskutiert, wie diese im Kontext familienbezogener Leistungen zu bewerten sind. Daran anschließend wird der Aspekt der Selbstverwaltung beleuchtet, da er in der Debatte um Parafisken einen prominenten Stellenwert einnimmt. Der Beitrag schließt mit der Skizzierung weiterer Ausgestaltungsparameter eines Familienparafiskus, seiner Finanzierung und des Leistungsspektrums. Eine Diskussion um den Leistungskatalog eines Familienparafiskus setzt allerdings eine systematische Evaluierung des Gesamtsystems voraus. Mittelfristig spricht einiges dafür mit einer Integration der familienbezogenen Maßnahmen in der Sozialversicherung und anderer beim Bund angesiedelter familienbezogener Leistungen in eine Familienkasse zu beginnen.

Schlagwörter: Familienkasse, Parafiskus, Bündelung familienbezogener Leistrungen

Grouping family-related support measures in a parafiscus – A summary of previous ideas and a contribution to the current debate

In Germany, support for families includes diverse types of financial and material aid. These different programs are not aligned and coordinated, but rather stand alone alongside each other and are far from being transparent. This article argues that this situation could be remedied by grouping the various family-related support measures within a single family support agency as a parafiscal institution. Here we summarize the basic advantages and disadvantages of parafiscal institutions and evaluate them in the context of family-related support measures. Then we examine the aspect of self-administration, which has taken a prominent role in the debate on parafiscal institutions. The paper concludes by outlining further parameters for the design, financing, and range of services that could be offered by a family parafiscus. However, a detailed discussion of the services offered by a family parafiscus would require systematic evaluation of the overall system. In the medium term, there is substantial evidence that efforts should begin to integrate the family-related support measures provided by the social insurance system with other support measures provided by the federal government in a single family support agency.

Key words: Parafiscus, family support measures, grouping family policy measures