Volume 17 (2005) – Issue 3

17. Jahrgang (2005) – Heft 3

Content | Inhalt 

Michael Wagner & Bernd Weiß: Konflikte in Partnerschaften. Erste Befunde der Kölner Paarbefragung

O. Arránz Becker, K. Rüssmann & P. B. Hill: Wahrnehmung und Bewältigung von Konflikten und die Stabilität von Partnerschaften

Thomas Weißbrodt: Gemeinsame Zeit in Partnerschaften

Eva Wunderer: Partnerschaft zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Anforderungen von Ehepartnern und ihre Wirkung in der Ehebeziehung

Anja Ostendorp & Julia Nentwich: Im Wettbewerb um „Familienfreundlichkeit“


Abstracts and keywords | Zusammenfassungen und Schlagwörter

Michael Wagner und Bernd Weiß (pp. 217-250)

Konflikte in Partnerschaften. Erste Befunde der Kölner Paarbefragung

Die vorliegende Studie untersucht die Konflikthäufigkeit in Partnerschaften. Es werden ein einfaches Modell des Konfliktverlaufs in Partnerschaften sowie mehrere Hypothesen über die Bedingungen von Konflikten vorgestellt. Als Datenbasis dient eine Befragung von 358 Personen in Köln, wobei in 228 Fällen auch deren Partner befragt wurden. Die Analysen auf Paarebene ergeben, dass insbesondere der Institutionalisierungsgrad von Partnerschaften, das Konflikthandeln, Persönlichkeitsmerkmale und subjektive Belastungen durch die private Situation außerhalb der Partnerschaft die Konflikthäufigkeit innerhalb der Partnerschaft beeinflussen.

Schagworte: Konflikt, Partnerschaft, Konflikthäufigkeit

Conflicts in couples. First findings from the Cologne partnership study

Our study analyzes the frequency of conflicts in couples. We present a simple model of the conflict process and a number of hypotheses on the conditions leading to conflict. The data basis of our analysis is a survey among 358 persons in Cologne, including the partners of 228 of the participants. The results show that the frequency of conflicts depends on the degree of the institutionalization of a relationship, conflict behavior, characteristics of the personality, and partners’ social stress resulting from situations outside of the relationship.

Key words: conflict, relationship, frequency of conflicts


O. Arránz Becker, K. Rüssmann und P. B. Hill (pp. 251-278)

Wahrnehmung und Bewältigung von Konflikten und die Stabilität von Partnerschaften

Der vorliegende Beitrag untersucht die Auswirkungen von Konflikten auf die wahrgenommene Stabilität von Partnerschaften. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die vermittelnde Rolle von Paarinteraktion und Partnerschaftszufriedenheit gelegt. Weiterhin werden Wechselwirkungen zwischen Konflikten und Paarinteraktionen und deren Folgen für den Partnerschaftserfolg betrachtet. Die Kernthese lautet dabei, dass Konflikte Partnerschaften weniger stark beeinträchtigen, wenn ausreichend „positive“ bzw. funktionale Paarinteraktion vorhanden ist. Insgesamt zeigen die Befunde in sämtlichen Analysen eine nachteilige direkte Wirkung von Konflikten auf Qualität und Stabilität von Paarbeziehungen, die jedoch zum Teil durch positive Paarkommunikation abgemildert werden kann.

Schlagworte: Ehe, Partnerschaft, Konflikte, Kommunikation, Scheidung

Couple interaction, perceived conflict, and relationship stability

The present study analyses consequences of couple conflict on perceptions of relationship stability. The main focus lies on the mediating role of couple interaction and relationship satisfaction. Additionally, interaction effects between degree of conflict and different couple interaction styles on the success of the relationship are considered. The core hypothesis is that couple conflict will have a less detrimental effect on the relationship if there is sufficient positive or functional couple interaction. Generally, in all of the analyses degree of conflict does affect the quality and stability of intimate relationships adversely, but this effect is partially attenuated by positive couple interaction.

Key words: marriage, relationship, conflict, communication, divorce


Thomas Weißbrodt (pp. 279-307)

Gemeinsame Zeit in Partnerschaften

Die vorliegende Untersuchung beschäftigt sich mit der gemeinsamen Zeitverwendung in Partnerschaften. Es werden Paartypen nach unterschiedlichen Merkmalen wie Alter, Erwerbstätigkeit und nach dem Vorhandensein von Kindern differenziert. Die Datengrundlage bildet die Zeitbudgeterhebung 2001/2002 des Statistischen Bundesamtes. Es liegen rund 19.700 Tagebücher von Paaren zur Analyse vor. Als zentrales Ergebnis kann festgehalten werden, dass an Werktagen insbesondere die Anzahl erwerbstätiger Partner in der Beziehung die entscheidende Determinante der gemeinsamen Zeitverwendung darstellt. An den Wochenenden zeigen sich dagegen häufig sehr ähnliche Zeitverwendungsmuster zwischen den Paartypen.

Schlagworte: Zeitbudgeterhebung, gemeinsame Zeitverwendung von Paaren, Erwerbstätigkeit

Time couples spend together

In the study presented here, we deal with joint time use in couples. We differentiate couples by several criteria like age, employment status, and whether they have children or not. The study is based on data established in the Time Use Survey of 2001- 2002 of the Federal Statistical Office consisting of 19.700 diaries of couples. As a central finding, we conclude that, on weekdays, particularly the number of working partners constitutes the decisive determinant of joint time use in relationships. On weekends, however, the patterns of time use often converge among different types of couples.

Key words: time use survey, joint time use in couples, gainful employment


Eva Wunderer (pp. 308-332)

Partnerschaft zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Anforderungen von Ehepartnern und ihre Wirkung in der Ehebeziehung

Der vorliegende Beitrag fasst den Forschungsstand zu Ansprüchen, die Partner an ihre Beziehung stellen, zusammen. Dabei werden zunächst eine Differenzierung verschiedener Typen von Paarbeziehungskognitionen sowie eine Definition (ehelicher) Ansprüche vorgenommen. Ein weiterer Abschnitt beschäftigt sich mit der Operationalisierung der Beziehungsansprüche. Ferner werden empirische Ergebnisse zusammenfassend dargestellt, die sich mit (a) Geschlechtsunterschieden in den Ansprüchen, (b) den Veränderungen der Ansprüche über den Familienlebenszyklus hinweg sowie dem Zusammenhang zwischen Beziehungsansprüchen und (c) Beziehungsqualität, (d) Interaktionsverhalten und (e) weiteren wichtigen Beziehungskonstrukten befassen. Im Fazit werden unter anderem Implikationen für die therapeutische Praxis diskutiert.

Schlagworte: Ansprüche, Paarbeziehungskognitionen, Beziehungsqualität

Couple relationships – demand and reality: Standards of spouses and their effects within marriage

The present contribution gives an overview on psychological research concerning relationship standards. Firstly, different types of relationship cognitions are differentiated and a definition of (marital) standards as one specific type of cognition is presented. Another section deals with the operationalisation of relationship standards. Furthermore, the article contains a summary of empirical results referring to (a) gender differences in standards, (b) changes in standards during the family life cycle as well as the relationship between standards and (c) relationship quality, (d) marital interaction and (e) additional important relationship constructs. In the contribution implications for therapeutic intervention are discussed.

Key words: standards, relationship cognitions, relationship quality


Anja Ostendorp und Julia C. Nentwich (pp. 333-356)

Im Wettbewerb um „Familienfreundlichkeit“. Konstruktionen familienfreundlicher Wirklichkeiten zwischen gleichstellerischen Idealen und pragmatischer Machbarkeit

Mit Blick auf Konstruktionen von „Familienfreundlichkeit“ im Kontext verschiedener neuer Schweizer Wettbewerbe zur Auszeichnung „familienfreundlicher“ Unternehmen werden die im Konstruktionsprozess jeweils verwendeten Verständnisse untersucht. Leitend ist dabei die Frage nach Veränderungspotenzialen hinsichtlich geschlechtsspezifischer Arbeits-, Verantwortungs- und Raumteilung. Durch ein multiperspektivisches, qualitatives Vorgehen werden bei den untersuchten kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) sechs unterschiedliche interpretative Repertoires herausgearbeitet und deren jeweilige Funktionen und Konsequenzen für den Argumentationszusammenhang diskutiert. Dabei wird die jeweils verfolgte Zielsetzung als zentral angesehen. Wird in einem Fall explizit ein gleichstellerisches Anliegen, verbunden mit einer Veränderung der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung und Rollenvorstellungen verfolgt, so scheinen „familienfreundliche“ Maßnahmen in anderen interpretativen Repertoires für diese Zielsetzung geradezu kontraproduktiv zu wirken.

Schlagworte: „Familienfreundlichkeit“, interpretative Repertoires, Gleichstellung, KMU, Veränderung

Competing for „family friendliness“. The construction of family friendly realities between the utopia of gender equality and pragmatic feasibility

Analysing the construction of “family friendliness“ in the context of various Swiss competitions for family friendly companies this study asks the question about different understandings in the construction process. The guiding question lies on the potentials for change regarding the gendered division of labour, responsibility and space. By means of a multi-perspective qualitative research design the constructions in small and medium-sized businesses (SMB) are explored. Six different interpretative repertoires are analysed and their consequences, functions and effects are discussed. Besides the context specific use of each of the interpretative repertoires the objective of each repertoire was seen as central to the consequences. For example, if a family friendliness initiative tries to support a change process towards gender equality, hence focusing on a change in the gendering of labour and stereotypical roles, some of the repertoires used are even working against this aim.

Key words: family friendliness, interpretative repertoires, gender equality, SMB, change