Volume 17 (2005) – Issue 1

17. Jahrgang (2005) – Heft 1

Content |  Inhalt

Wolfgang Walter: Einführung: Fertilität – Kinderwunsch und Realität

Harald Rost: Kinder – Wunsch und Wirklichkeit

Marina Rupp: Kinderlos trotz (stabiler) Ehe

Adelheid Smolka: Vom Paar zum Kind – oder doch nicht? Anmerkungen zur Frage des Kinderwunsches und seiner Realisierung

Ilona Ostner: Einführung: Wandel der Geschlechtsrollen – Blickpunkt Väter

Harald Rost/Rotraut Oberndorfer: Neue Väter – Anspruch und Realität

Thomas Gesterkamp: Betriebliche und politische Hindernisse engagierter Vaterschaft

Gudrun Cyprian: Die weißen Flecken in der Diskussion zur „neuen Vaterrolle“ – Folgerungen aus dem gegenwärtigen Forschungsstand in Deutschland


Abstracts and keywords | Zusammenfassungen und Schlagwörter

Wolfgang Walter (pp. 4-7)

Einführung: Fertilität – Kinderwunsch und Realität. Zur Aktualität des Bevölkerungsthemas

Obwohl der Geburtenrückgang als solcher nicht neu ist, so ist doch die jüngste Problematisierung und Politisierung der Ausgangspunkt neuer Sichtweisen zum Menschenbild und zur Analyse der Demographie.

Schlagworte: Demographie, Geburtenrückgang, Bevölkerungspolitik


Introduction to thematic block I: “Fertility: Desire for children and real outcomes. Is birth decline a new issue?

While birth decline is a new issue in itself, the recent focus on it as a problem and a political theme has led to a new perspective in demographic analysis.

Key words: demography, birth decline, population policy


Harald Rost (pp. 8-20)

Kinder – Wunsch und Wirklichkeit

Seit dem starken Fertilitätsrückgang Ende der 1960er Jahre zählt Deutschland zu den Ländern mit der niedrigsten Geburtenziffer in Europa. Die niedrigen Geburtenraten stehen scheinbar im Widerspruch zu dem hohen Stellenwert, den die Familie bei jungen Menschen immer noch genießt und auch zu der gewünschten Kinderzahl, wie sie in verschiedenen Studien ermittelt wurde. Mittels Daten einer Längsschnittstudie vergleicht dieser Beitrag anhand einer Eheschließungskohorte von 1988/89 aus den alten Bundesländern den ursprünglichen Kinderwunsch zu Ehebeginn und die erreichte Kinderzahl nach 15 Jahren Ehe.

Schlagworte: Kinderwunsch, Familienentwicklung, Fertilität

Desire for children and real outcomes

Following the sharp decline in fertility rates at the end of the 1960s, Germany has been among those European countries with a very low birth rate. There seems to be a discrepancy between these figures and the high significance the family still enjoys among young people. As several studies point out, another discrepancy exists with regard to the number of children desired and the actual birth rate. Using data from a longitudinal survey by employing a 1988/89 marriage cohort from the old Länder , this contribution compares the initial number of children desired at the outset of the marriage and the real number of children after 15 years in wedlock.

Key words: desire for children, family development, fertility


Marina Rupp (pp. 21-40)

Kinderlosigkeit in stabilen Ehen

Eheschließungen erfolgen meist mit dem Wunsch zur Familiengründung. Dennoch bleiben langfristig gesehen immer mehr Ehen kinderlos. Eine Analyse kinderloser Ehepaare, die nach 16 Jahren Ehe am Ende der Fertilitätsphase stehen, zeigt, dass die Mehrheit von ihnen sich nicht bewusst gegen Kinder entschieden hat. Vielmehr prä- gen das Hinausschieben und das Ausbleiben der positiven Entscheidung die Entwicklung, welche manche nachträglich bedauern. Ein Vergleich mit Elternpaaren macht sichtbar, dass den Paaren, die keine Kinder bekommen haben, die Hürden in vielen Bereichen – darunter auch das berufliche Engagement – (etwas) höher erschienen und sie weniger Gratifikationen von der Elternschaft erwarteten. Dass selbst in dieser spezifischen Gruppe der Kinderlosen in langfristig stabilen Ehe eine Binnendifferenzierung angebracht ist, belegt die Verlaufsbetrachtung: Unterschiedliche Wege in die Kinderlosigkeit resultieren aus differenten Motivationslagen und führen zu verschiedenen Bewältigungsmustern. So ist ein Teil der ungewollt Kinderlosen durchaus mit seinem Lebensverlauf zufrieden, während manche bedauern, die Weichen nicht anders gestellt zu haben.

Schlagwörter: kinderlose Ehepaare, Kinderwunsch, ungewollt Kinderlose, Lebenszufriedenheit

Remaining childless, despite a stable marriage

In most cases, couples marry with the intention to form a family. None the less, an increasing portion of marriages remains childless in the long run. The analysis of childless couples at the end of their fertile phase, i.e., after having been married for 16 years, shows that the majority of them did not make a deliberate decision against children. Rather, this outcome has been caused by the postponement and the subsequent failure of making a decision in favour of getting children. Retrospectively, some couples regret this. When comparing childless couples with parents, it becomes clear that the former were (a bit) more concerned about possible obstacles, including barriers for their professional career – resulting from parenthood than parents were. Also, these couples expected smaller benefits from parenthood. As panel analysis shows, it is necessary to differentiate this group of childless couples internally: different paths in life that resulted in the absence of children stem from a variety of motivations that, in turn, lead to differing coping strategies. Thus, some of the couples that unintentionally ended up childless are satisfied with their life course by all means, whereas some do regret not having set the agenda differently.

Key words: childless couples, desire for children, remaining unintentionally childless, satisfaction with life


 

Rotraut Oberndorfer & Harald Rost (pp. 50-65)

Neue Väter – Anspruch und Realität

Die Einstellungen zur Vaterrolle scheinen sich bei jüngeren Männern langsam zu wandeln. Die wenigen empirischen Studien, die es bislang in der Väterforschung gibt, weisen darauf hin, dass ein zunehmend größerer Anteil von Männern traditionelle Geschlechterrollen ablehnen. Auf der Verhaltensebene zeigt sich dies jedoch (noch) nicht im gleichen Ausmaß: Väter, die Elternzeit nutzen oder Teilzeit arbeiten, sind nach wie vor höchst selten. Anhand einer qualitativen Studie über Familien mit einer partnerschaftlichen Verteilung von Erwerbsund Familienarbeit beschreibt der Beitrag, welche Bedingungen der Entscheidung für diese Aufgabenverteilung zugrunde lagen.

Schlagworte: Väterforschung, Geschlechterrollen, Arbeitsteilung, Gender

New fathers: Claim and reality

Among young men, the attitudes towards fatherhood seem to change slowly but steadily. The few studies already existing in fathers’ studies indicate that an increasing number of men verbally oppose traditional sex roles. However, this is not (yet) reflected to that degree on the level of actual behaviour: In fact, there are only very few fathers who take paternal leave or work part-time. Based on qualitative research, this contribution describes families with an equal distribution of paid work and family work.

Key words: fathers’ studies, sex roles, division of labour, gender


Thomas Gesterkamp (pp. 66-75)

Betriebliche und politische Hindernisse engagierter Vaterschaft

Das Thema „Väter“ ist in jüngster Zeit stärker in den Blickpunkt fachpolitischer und wissenschaftlicher Debatten gerückt. Die Einstellung von Männern zur Vaterschaft hat sich verändert, in kleinen Schritten ändert sich auch ihr Verhalten in Partnerschaft und Familie. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten gibt es aber wenig Spielraum für Rollenexperimente. Männer sind mit vielfältigen beruflichen und politischen Hindernissen konfrontiert, wenn sie engagierte Vaterschaft leben wollen.

Schlagworte: Väter, Geschlechterrollen, Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Professional and political impediments to committed fatherhood

In recent years, the topic „fathers“ has moved into the focus of political and academic debates. The attitude of men towards fatherhood has changed; by taking small steps, their behaviour in partnership and family is changing, too. There is not much latitude for experimenting with roles in times of economic hardship, however. Men are being confronted with a multitude of professional and political impediments when attempting to live out “committed fatherhood.”

Key words: Fathers, gender roles, reconciliation of family and work