Volume 16 (2004) – Issue 3

16. Jahrgang (2004) – Heft 3

Content | Inhalt

Klaus A. Schneewind, Eva Wunderer & Mirjam Erkelenz: Beziehungskompetenzen und Beziehungsmuster in stabilen (Langzeit-) Ehen: Ausgewählte Ergebnisse des Münchner DFG-Projekts „Was hält Ehen zusammen?“

Marina Schmitt & Martina Weber: Ehezufriedenheit und ihre Prädikatoren im mittleren Erwachsenenalter: Ein Ost-West-Vergleich

Stephan Baas & Marina Schmitt: Die Bedeutung der Einkommensverteilung für die Ehezufriedenheit langjährig verheirateter Ehepaare

Insa Fooken: „Späte Einsichten“ bei „späten Trennungen“. Plötzlicher Konsensbruch, trügerische Konsens-Illusion oder langjähriger Dissens? Subjektive Repräsentationen biografischer Verlaufsmuster und Seelische Gesundheit im zeitgeschichtlichen Kontext

Sonja Haug: Binationale Ehen und interethnische Partnerschaften in Deutschland – Datenlage und Erklärungsfaktoren


Abstracts and keywords | Zusammenfassungen und Schlagwörter

Klaus A. Schneewind, Eva Wunderer und Mirjam Erkelenz (pp. 225-243)

Beziehungskompetenzen und Beziehungsmuster in stabilen (Langzeit-) Ehen: Ausgewählte Ergebnisse des Münchner DFGProjekts „Was hält Ehen zusammen?

Der Beitrag berichtet querschnittliche Ergebnisse einer schriftlichen Befragung von stabilen Langzeitehen (2001, n = 663), einer 2 Jahre später durchgeführten erneuten Fragebogenstudie an einem Teil dieser Stichprobe (2003, n = 188) und einer vertiefenden Interviewstudie (2003, n = 65). Befunde (a) zum persönlichen „Eherezept“ der Paare, (b) zu Beziehungstiefs und deren Bewältigung, (c) zur Relevanz impliziter Beziehungstheorien und deren prozessorientierten Korrelaten für die Ehezufriedenheit, (d) zu einer Paartypologie auf der Basis von „Positivität“ und „Konfliktkompetenz“ und deren Ausprägung bezüglich kognitiver, emotionaler und handlungsbezogener Aspekte der Paarbeziehung sowie (e) zur Bedeutung von Generativität in Langzeitehen werden dargestellt. Die Ergebnisse werden im Lichte ihrer Verwertbarkeit zur Förderung positiver Paarbeziehungen diskutiert.

Schlagworte: Langzeitehen, Positivität, Konfliktkompetenz, Paartypologie

Relationship competencies and patterns in stable (long-term) marriages: selected results of the Munich DFG-project “What makes marriages last?”

The present contribution reports on selected cross-sectional results based on a questionnaire study of stable long-term marriages (2001, n = 663), a subsequent questionnaire study on a subsample of the original sample (2003, n = 188), and an in-depth interview study (2003, n = 65). In particular, the results refer to (a) the couples’ personal “marriage recipe”, (b) relationship downs and coping with them, (c) the relevance of implicit relationship theories and their processoriented correlates with respect to marital satisfaction, (d) a couple typology based on marital “positivity” and “conflict competence” and its differential cognitive, emotional and behavioural relationship patterns, and (e) the importance of transgenerational generativity in long-term marriages. The results are being discussed in the light of their potential usefulness to foster positive couple relationships.

Key words: long-term marriages, positivity, conflict competence, couple typology


Marina Schmitt und Martina Weber (pp. 244-267)

Ehezufriedenheit und ihre Prädiktoren im mittleren Erwachsenenalter: Ein Ost-WestVergleich

Ehezufriedenheit und ihren Prädiktoren beschäftigen, liegen relativ wenig Befunde zur Wirkung unterschiedlicher historischgesellschaftlicher Einflüsse sowie Sozialisationsbedingungen – wie sie in der DDR bzw. Bundesrepublik Deutschland gegeben waren – vor. Daten von N = 294 ost- und westdeutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Geburtsjahrgänge 1950/52 aus der Interdisziplinären Längsschnittstudie des Erwachsenenalters (ILSE) zur Ehezufriedenheit, zur sozio-ökonomischen Situation, zur Persönlichkeit, zum Unterstützungserleben und -verhalten wurden für die Analysen herangezogen. Obwohl keine OstWest-Unterschiede in der Ehezufriedenheit auftreten, zeigen sich unterschiedliche Prä- diktorenkonstellationen: Während in der westdeutschen Stichprobe sowohl Persönlichkeitseigenschaften als auch Unterstützungserleben und -verhalten zur Ehezufriedenheit beitrugen, sind es in der ostdeutschen Stichprobe lediglich das Unterstützungserleben und -verhalten. Konsequenzen der Ergebnisse für die weitere Forschung und Intervention werden diskutiert.

Schlagworte: Ehezufriedenheit, mittleres Erwachsenenalter, Ost-West-Vergleich

Marital satisfaction and its predictors in middle adulthood: A Comparison between East and West Germany

Although many studies have been conducted on marital satisfaction and its predictors, research largely neglects the effects of different historic and societal influences or differences in socialisation, as they were found in the former GDR and the Federal Republic of Germany. With data from 294 East and West German participants of the Interdisciplinary Longitudinal Study of Adult Development (ILSE), we examined marital satisfaction, socioeconomics, personality, support behaviour and perceived support. Although results show no East-West differences in marital satisfaction, they point out important differences in the prediction of marital satisfaction: While in the Western sample personality factors, perceived support and support behaviour significantly contributed to marital satisfaction, in the Eastern sample only perceived support and support behaviour explained the variance in marital behaviour. The implications of these findings for further research are being discussed.

Key Words: marital satisfaction, middle adulthood, comparison of East and West Germany


Stephan Baas und Marina Schmitt (pp. 268-288)

Die Bedeutung der Einkommensverteilung für die Ehezufriedenheit langjährig verheirateter Ehepaare

Die Paarbeziehungsforschung beschäftigt sich kaum mit langjährigen Partnerschaften, sondern konzentriert sich auf Partnerschaften im jüngeren oder mittleren Erwachsenenalter. Dyadisches Coping gilt dabei als wichtigste Voraussetzung für hohe Partnerschaftszufriedenheit, bei einem Altersgruppenvergleich war dieses bei den ältesten Ehepaaren allerdings am wenigsten etabliert. Die Ursache für diesen Mangel ist unklar: Ein Grund könnte in der Einkommensverteilung zwischen den Ehepartnern und dem damit verbundenen Ehemodell liegen – Doppelverdienerehe oder männliche Versorgerehe. Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass eine ausgeglichene Einkommensgewinnung zwischen den Ehepartnern einen destabilisierenden Effekt auf Beziehungen haben kann. Mit dieser Studie möchten wir folgende Frage beantworten: Welche Auswirkungen haben die Ehemodelle auf die Partnerschaftszufriedenheit bei verrenteten Ehepaaren? Zu diesem Zweck wurden insgesamt 99 langjährig verheiratete Ehepaare befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass sich verschiedene Aspekte dieser Ehen unterschiedlich auf die Partnerschaftszufriedenheit auswirken: Männer aus Versorgerehen sind mit ihrer Partnerschaft zufriedener als solche aus Doppelverdienerehen, während die Ehezufriedenheit der befragten Ehefrauen eher vom dyadischen Coping und der individuellen Alltagsbewältigung abhängt.

Schlagworte: Ehezufriedenheit, Ehetypen; langjährig verheiratete Ehepaare

The impact of income distribution on marital satisfaction in long-term marriages

Research on marital satisfaction in longlasting partnerships is not well established, present research concentrates on younger couples. So far dyadic coping is supposed to be the most important prerequisite for marital satisfaction, but a comparison between age groups shows that this strategy was least diffused in the oldest group. Still unexplained is what reasons determine these differences. One possible explanation can be found in the income distribution between both spouses and interrelated types of marriage – either dual career couples or male breadwinners: According to recent research equal earnings of both spouses may have disequilibrating effects on relationships. We would like to respond to the following question: What are the effects of these two types of marriages on marital satisfaction when both partners are retired? Based on this question, 99 couples were interviewed. Results of structural equation models show that different aspects of relationships have varying impacts on marital satisfaction: Male „dual earners“ are more satisfied when compared with male „breadwinners,“ while female marital satisfaction depends more on dyadic coping and environmental mastery.

Key Words: Marital satisfaction; types of marriage; long-term marriage


Insa Fooken (pp. 289-304)

„Späte Einsichten“ bei „späten Trennungen“. Plötzlicher Konsensbruch, trügerische Konsens -Illusion oder langjähriger Dissens? Subjektive Repräsentationen biografischer Verlaufsmuster und Seelische Gesundheit im zeitgeschichtlichen Kontext

Die Zahl der Scheidungen nach langjährigen Ehen ist im Anwachsen begriffen. Im Rahmen dieses Beitrags wird der Frage nachgegangen, welche Bilanzierungs-konzepte und subjektiven Erklärungs-modelle „spät Geschiedene“ selber für das Geschehen haben. Unterschieden werden dabei die Varianten „abrupter Konsensbruch“, „trügerische Konsens-Illusion“ und „langjähriger Dissens“. Diese subjektiven Konstruktionen werden in Verbindung gebracht mit zentralen Aspekten des (ehe-)biografischen Verlaufs, der „Seelischen Gesundheit“ und möglicher relevanter zeithistorischer Einflüsse. Die Stichprobe besteht aus n=83 geschiedenen Männern und Frauen, im Schnitt 25 Jahre verheiratet, je zur Hälfte aus den Geburtjahrgängen 1940 („40er“, „Kriegskinder“) und 1950 („50er“, „Nachkriegskinder“). Etwa die Hälfte aller Befragten geht von einem langjährigen Dissens aus. Allerdings finden sich unter den Befragten, welche die Trennung als Ausdruck eines massiven Konsensbruches erleben, v.a. Männer der„40er“-Kohorte. Varianz- und Regressionsanalysen verweisen auf geschlechts- und kohortenspezifisch interagierende Befunde hinsichtlich der Zusammenhänge zwischen den jeweiligen subjektiven „Trennungsbegründungen“ und biografischen Determinanten einerseits und seelischer Gesundheit andererseits. Zusätzlich wird die These aufgestellt, dass die zeitgeschichtlichen Rahmenbedingungen („Kriegskindheit“ vs. „Nachkriegskindheit“) die Art und Weise des intradyadischen Geschlechterdialogs und die Bewältigung von hieraus erwachsendenen Konflikten möglicherweise nachhaltig beeinflusst haben.

Schlagworte: „Späte Scheidungen/Trennungen“, subjektive Trennungserklärungen, seelische Gesundheit, zeithistorischer Kontext

“Late Insights” after “late divorces”. Perceived breach of consensus, illusion of consensus or long lasting dissension? Subjective conceptions of biographical trajectories and mental health in the context of contemporary historical development

German demographic statistics point to an increase in the number of divorces after long-term marriages. What kind of subjective explanations do people develop while looking back on their “unsuccessful” marital careers? Three modes of explanation are distinguished: “perceived breach of consensus”, “illusory consensus” and “long-lasting dissension”. These “subjective constructs” are related to: central aspects of (marital) biographical development, mental health, and potential impacts of war (World War II) and post-war living conditions. The sample consists of n=83 divorced men and women, married for an average of 25 years. Half of the subjects were born in the 1940’s (“children of war”), and half in the 1950’s (“post-war children”). About half of the participants report a longterm dissension. The men of the “40’s” cohort are the most likely group to perceive a so-called “breach of consensus”. Analyses of variance and regression reveal cohortand gender-specific interaction of ‘divorce explanations’ with both biographical determinants and mental health. It is argued that much of the variance can be attributed to cohort-specific (war vs. post-war) conditions that may have influenced subjects’ style of intradyadic gender-dialogue and on their ability to cope with resulting conflicts.

Key Words: “Late divorces/separations”, subjective explanations of separation, mental health, historical context