Volume 15 (2003) – Issue 3

15. Jahrgang (2003) – Heft 3

Content | Inhalt

Klaus A. Schneewind & Eva Wunderer: Bedingungen von „wahrgenommener Positivität“ und „Konfliktkompetenz“ in Ehebeziehungen

Davide Margola & Rosa Rosnati: Die schwierige Vereinbarung von Familie und Beruf: Eine italienische Studie

Clemens Trudewind & Rita Steckel: Effekte gewaltorientierter Computerspiele bei Kindern: Wirkmechanismen, Moderatoren und Entwicklungsfolgen

Max Wingen: Anmerkungen zu 50 Jahren „Familienministerium“ in Rück- und Ausblick

Johannes Huinink: Die hervorragende Zukunft der Familienpolitik

Franz-Xaver Kaufmann: Kein Glückwunsch

Siegfried Keil: Fünfzig Jahre Bundesfamilienministerium in evangelisch-sozialethischer Perspektive

Klaus A. Schneewind: 50 Jahre Familienministerium in der Bundesrepublik Deutschland: Plädoyer für eine wissenschaftlich fundierte Familienpolitik

Gisela Erler: Außer Spesen nichts gewesen?

Mechtild Oechsle: Keine Zeit – Ein Blick in die Innenwelt amerikanischer Familien

Günter G. Voß: Entgrenzte Arbeit – Gestresste Familien


Abstracts and keywords | Zusammenfassungen und Schlagwörter

Klaus A. Schneewind & Eva Wunderer (pp. 191-219)

Bedingungen von „wahrgenommener Positivität“ und „Konfliktkompetenz“ in Ehebeziehungen

Für 663 in Erst-Ehe verheiratete Paare wurde bezüglich der zentralen Beziehungsdimensionen „wahrgenommene Positivität“ und „Konfliktkompetenz“ untersucht, welche Zusammenhangsmuster sich für sechs Bereiche von person-, kontext- und paarbezogenen Bedingungsvariablen ergeben. In bereichs- und geschlechtsspezifisch durchgeführten Regressionsanalysen erweist sich jeder der sechs Modellbereiche als prädiktiv für die beiden Zielvariablen. In integrativen hierarchischen Regressionsanalysen ergibt sich für die „wahrgenommene Positivität“ eine deutlich höhere Varianzaufklärung als für die „Konfliktkompetenz“. Für die „wahrgenommene Positivität“ stellen sich vor allem Paarbeziehungsindikatoren als erklärungskräftig heraus, für die „Konfliktkompetenz“ ist es vornehmlich der Personbereich. Im Hinblick auf Interventionsmaß- nahmen sprechen die Befunde für unterschiedliche Ansatzpunkte hinsichtlich der beiden Zielvariablen.

Schlagworte: Erst-Ehen, Langzeitehen, wahrgenommene Positivität, Konfliktkompetenz, Vorhersage der Beziehungsqualität

Determinants of “perceived positivity” and “conflict competence” in marital relationships

663 first-married couples participated in a study relating two focal relationship dimensions, i.e., “perceived positivity” and “conflict competence”, to six domains covering person-, context- and couple specific variables. Stepwise regression analyses for husbands and wives show that each of the six domains contribute to the prediction of both target variables. Integrative hierarchical regression analyses result in a much higher amount of explained variance for the “perceived positivity” than for the “conflict competence“ dimension. While for “perceived positivity” specific relationship variables are highly predictive, variables referring to the person domain are most strongly related to the “conflict competence” dimension. With respect to intervention strategies the findings suggest to use different approaches for both target variables.

Key Words: first-married couples, long-term marriages, perceived positivity, conflict competence, prediction of relationship quality


Davide Margola & Rosa Rosnati (pp. 220-237)

Die schwierige Vereinbarung von Familie und Beruf: Eine italienische Studie

Von einer dyadischen (matched-pairs) Forschungsperspektive ausgehend, will der folgende Beitrag die Risiken und die Möglichkeiten untersuchen, welche mit der Interferenz zwischen Arbeit und Familie (workfamily-conflict: WFC / family-work-conflict: FWC) in den ersten Phasen des Lebenszyklus der Familie zusammenhängen. Es sollen vor allem die Ansichten von Ehemännern und -frauen in Hinsicht auf den Konflikt zwischen den beiden Lebensumfeldern verglichen sowie untersucht werden, ob und in welchem Maße sich dieser Konflikt auf das individuelle und eheliche Wohlbefinden sowie auf die Verwendung der Coping-Strategien auswirkt. Das Sample der Studie besteht aus 279 jungen, verheirateten Paaren, welche in Norditalien ansässig sind (ohne Kinder, mit 1 oder 2 Kindern im Vorschulalter) an welche der Fragebogen ausgehändigt wurde. Sieben MANOVA-Modelle wurden dann anhand der Befragungsergebnisse getestet. Im Einklang mit anderen Forschungsarbeiten wurde erhoben, dass die Frauen einen höheren Interferenzgrad des Familienumfeldes im Verhältnis zu den Anforderungen, welche im Arbeitsumfeld (family-work-conflict) an sie gerichtet werden, erleben. Zusätzlich wurde eine dyadische Typologie erstellt, welche von verschiedenen, innerhalb der Paare wahrgenommenen Graden des FWC ausgeht. Diese Taxonomie hat determinierenden Einfluss auf die eheliche Zufriedenheit, auf den Grad des individuellen Wohlbefindens und auf die verwendeten Coping-Strategien. Des weiteren wird aufgedeckt, welche Rolle die geschlechterspezifischen Faktoren und die Faktoren des Zyklus des Familienlebens in Hinsicht auf die Entwicklung der Vereinbarung von Arbeit und Familie spielen.

Schlagworte: Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Ehezufriedenheit, Depression, Bewältigungsstrategien, Familienzyklus

Coping with the demanding reconciliation between family and work: Evidence from Italy

Based on a matched pairs research design, the purpose of the present study was to investigate risks and resources of the workfamily interface (WFC/FWC) during the earliest phases of the family life cycle. Comparing the perceptions of husbands and wives, this cross-sectional study examined the impact of work-family-conflict on the individual and couple well-being as well as on a range of work-family coping strategies. Using a random sample of 279 dual-earner young married couples from the north of Italy (childless / with 1 preschooler / with 2 preschoolers), seven MANOVA models were tested through self-report data. Consistently with previous research, the findings indicated that wives experienced a greater amount of family interfering with work demands and obligations (family-work-conflict FWC). In addition, a four-fold dyadic typology was created crossing the FWC levels within the pairs (i.e., within the couples). The typology in question discriminated as marital satisfaction, personal well-being and the coping strategy of responsibilities avoidance were concerned. On the whole, gender and family life cycle factors showed a specific role in shaping the complex workfamily nexus.

Key words: Family work relationship, marital satisfaction, depression, coping behavior, family life cycle


Clemens Trudewind & Rita Steckel (pp. 238-271)

Effekte gewaltorientierter Computerspiele bei Kindern: Wirkmechanismen, Moderatoren und Entwicklungsfolgen

Einen großen Teil ihrer Freizeit verbringen Kinder und Jugendliche derzeit mit Computer- und Videospielen. Viele dieser Spiele fordern vom Spieler gewalttätige und gegen virtuelle Personen gerichtete aggressive Aktionen. Im Unterschied zur Fernsehwirkungsforschung gibt es bisher nur wenige empirische Untersuchungen, die sich mit den Auswirkungen des Umgangs mit solchen Spielen beschäftigen. Das Ziel dieser Studie war a) unmittelbare Effekte des Spielens gewalthaltiger Computerspiele experimentell nachzuweisen, b) in einem korrelationsanalytischen Ansatz Kovariationen zwischen Variablen des Umgangs mit gewaltorientierten Computerspielen und dispositionellen Merkmalen aufzuspüren, die als langfristige Entwicklungsfolgen der unmittelbaren Effekte gedeutet werden können, c) Wirkmechanismen aufzudecken, die mögliche Entwicklungsfolgen theoretisch erklären können und d) Variablen zu identifizieren, die die unmittelbaren Effekte moderieren und mögliche Entwicklungsfolgen beeinflussen können. Ausgangspunkt der Analyse war das kognitiv-affektive Motivationsmodell der Aggression von Kornadt (1982a, 1982b), in dem die Aggressionshemmung als integrale Komponente des Aggressionsmotivsystems konzeptualisiert ist. In einem experimentellen Design konnte an 280 Kindern im Alter von 8 bis 14 Jahren unmittelbare Wirkungen des Spielens eines gewaltorientierten Computerspiels auf die emotionale Sensitivität nachgewiesen werden, die jedoch durch das Bindungsmotiv moderiert werden. In einem korrelativen Ansatz konnten vermutete langfristige Auswirkungen des Computerspielverhaltens auf die Entwicklung des Aggressionsmotivs und die dispositionelle Empathie ebenso nachgewiesen werden wie die Moderatorwirkung des Bindungsmotivs und der Eltern-Involviertheit.

Schlagworte: Gewalthaltige Computerspiele, Aggressionsmotiv, Empathie, emotionale Sensitivität, Bindungsmotiv, Eltern-Involviertheit

Effects of violent computer games on children: mechanism, moderators and developmental consequences

A large amount of their free time children and youth spent playing video-and computer games. A large number of these games demand aggressive and violent actions of the player. The empirical literature on the effects of the exposure to video game violence is sparse. The aim of this study with 280 children aged 8 to 14 years was a) to proof short term effects of playing violent video games, b) to explore in an correlational approach covariations between playing violent video games and dispositional variables which could be seen as developmental consequences of these effects, c) to disclosure mechanisms for explaining possible developmental consequences, and d) to identify variables which moderate the relationships between the exposure to video violence and short term and developmental consequences. The starting point for the analysis was Kornadt’s (1982a, 1982b) CognitiveAffective Model of Aggression Motivation. In this model inhibition of aggression is conceptualised as an integral component of the motive system for aggression. Using an experimental design an immediate effect of playing a violent computer game on the emotional sensitivity were proofed. But this relationship was moderated by the quality of the attachment motive. In a correlational approach long term developmental consequences of intensive exposure to violent video games and the moderating function of the attachment motive and the parental involvement could be shown.

Key words: Violent video games, aggression, empathy, emotional sensitivity, attachment motive, parental involvement