Volume 15 (2003) – Issue 2

15. Jahrgang (2003) – Heft 2

Content | Inhalt

Guy Bodenmann: Welche Bedeutung haben Partnerschaft und Liebe für Jugendliche heute. Eine deskriptive Untersuchung

Spruijt Ed & Duindam Vincent: Das Wohlbefinden der Väter und die Wochenarbeitszeit der Mütter

Dienel Christiane: Die Mutter und ihr erstes Kind – individuelle und staatliche Arrangements im europäischen Vergleich

Aufenanger Stefan: Die Bedeutung der Familie für die Entwicklung der Medienkompetenz von Kindern

Schorb Bernd: Medien und ihr Einfluss auf die Familie

Selg Herbert: Wirkungen von Gewaltdarstellungen in Massenmedien auf die Aggressivität von Kindern und Jugendlichen Institutspräsentation

Voss Hans-Georg W.: European Society on Family Relations (ESFR)


Abstracts and keywords | Zusammenfassungen und Schlagwörter

Guy Bodenmann (pp. 91-104)

Welche Bedeutung haben Partnerschaft und Liebe für Jugendliche heute? Eine deskriptive Untersuchung.

Die Untersuchung geht der Frage nach, wie Jugendliche Partnerschaft und Ehe heute wahrnehmen, welche Erwartungen sie daran haben, nach welchen Kriterien sie ihren Partner auswählen und welche Bedeutung sie der Liebe und anderen Merkmalen intimer Beziehungen zukommen lassen. Weiter interessiert die Frage, was Jugendliche denken, wie eine zufriedenstellende Partnerschaft längerfristig aufrechterhalten werden kann. Diese Fragen werden bei einer Schweizer Stichprobe von 300 Jugendlichen beleuchtet. Die Ergebnisse zeigen, dass die befragten Jugendlichen insbesondere Treue und Geborgenheit mit Partnerschaft und Ehe assoziieren und davon ausgehen, dass die Ehe ein lebenslanges Bündnis darstellt. Die Vorstellungen darüber, wie die Beziehung auf Dauer zufriedenstellend erhalten werden könne, sind jedoch rudimentär. Die Ergebnisse werden im Hinblick auf präventive Initiativen bei Paaren diskutiert.

Schlagworte: Einstellungen, Partnerschaft, Ehe, Liebe, Prävention.

The significance of close relationship and love for adolescents: A descriptive study.

This study focuses upon the mental representations and attitudes with regard to close relationship, marriage and love among adolescents. Expectations towards close relationships are investigated as well as the question what has to be done to guarantee a satisfying relationship over time. Data from 300 adolescents were gathered by means of a questionnaire. Our results reveal that faithfulness is still a main issue in close relationships. It is, however, rather astonishing to find that most of the youth describe marriage as a lifelong relationship, despite of the high divorce rates in European countries. Many adolescents also neglect the importance of continuous investment in the close relationship and ignore the importance of prevention for couples. The findings are discussed with regard to prevention programs.

Keywords: Attitudes, close relationship, marriage, love, prevention.


Ed Spruijt, Vincent Duindam (pp. 105-119)

Das Wohlbefinden der Väter und die Wochenarbeitszeit der Mütter

In diesem Artikel wird der Zusammenhang zwischen dem Wohlbefinden der Väter und der Wochenarbeitszeit ihrer berufstätigen Partnerinnen untersucht. Vertreter der folgenden zwei Vätergruppen nahmen an der Studie teil: der moderne Vater, der Haushalts- und Familienaufgaben übernimmt und der traditionellere Vater, der oft Vollzeit arbeitet. Es zeigt sich, dass für beide Gruppen Folgendes gilt: Es besteht ein Zusammenhang zwischen der (relativen) Wochenarbeitszeit der Mütter und dem körperlichen und psychischen Wohlbefinden der Väter. In der Studie werden folgende zwei Hypothesen miteinander verglichen: Es besteht ein negativer Zusammenhang zwischen der tatsächlichen Wochenarbeitszeit der Frau und dem Wohlbefinden ihres Partners. Oder als zweite Hypothese: Diese Auswirkungen hängen mehr mit „symbolischen” Faktoren zusammen, gemessen durch den relativen Anteil der Frau am Familieneinkommen oder durch die relative Stundenzahl, die sie berufstätig ist (die Wochenarbeitszeit der Frau im Vergleich zu der des Mannes). Beide Hypothesen wurden in der Studie bestätigt, die Hypothese des „Unfulfilled Husband“ (ihre relative Wochenarbeitszeit) wurde jedoch am meisten unterstützt. Finanzielle Faktoren spielen dabei eine weniger wichtige Rolle. Erwähnenswert ist außerdem, dass ein positiver Zusammenhang besteht zwischen der Wochenarbeitszeit erwerbstätiger Männer und ihrem körperlichen und seelischen Befinden.

Schlagworte: Wohlbefinden des Vaters, Berufstätigkeit der Mutter, körperliches und psychisches Wohlbefinden, TeilzeitHausmänner.

This investigation studies the relation between the well-being of fathers and the number of hours that their wives work outside the home. Two groups of fathers were involved in the investigation: the modern, caring fathers, and the more traditional fathers, who are often in full-time employment outside the home. It would appear to be true for both groups that the amount of hours their wives work, correlates negatively with the well-being of fathers both physically and mentally. Two hypotheses were compared: does the well-being of fathers correlate mainly with the actual absence of the wife, measured by the absolute number of hours that she works? Or does it correlate more with ‘symbolic’ factors, measured by her relative share in the family income or the relative number of hours that she works (her working hours compared with his). Confirmation was found for both hypotheses, but the unfulfilled husband hypothesis had the most support. Financial factors play a rather less important role. Finally, it must be observed that the number of hours that men themselves work still has a positive correlation with their well-being.

Key Words: Father’s well-being, mother’s work, physical and mental well-being, caring fathers.


Christiane Dienel (pp. 120-145)

Die Mutter und ihr erstes Kind – individuelle und staatliche Arrangements im europäischen Vergleich

Die Mutter-Kind-Beziehung in den ersten Lebenswochen lässt sich in national differenzierten Typen beschreiben, sowohl hinsichtlich der demographischen Eckdaten als auch hinsichtlich der wohlfahrtsstaatlichen Rahmenbedingungen. Aber selbst die elementarsten Begegnungen zwischen Mutter und Kind (Schlafen, Ernährung) zeigen deutlich unterschiedliche Leitbilder von Mutterschaft. Diese Differenzen werden auf der Mikro-Ebene durch drei empirische Zugänge (Ratgeberliteratur, Geburtsstile, Internet-Foren) im deutsch-englischfranzösischen Vergleich nachgewiesen, auf historische Entwicklungen und Phänomene der Longue durée zurückgeführt sowie zur Makro-Ebene politischer Unterstützungssysteme in Beziehung gesetzt.

Schlagwörter: deutsch-französischer Vergleich, Mutter-Kind-Beziehung, Erziehungstil, Geburt, Internet

The mother and her first child – Personal and public arrangements in European comparison.

The mother-child relationship in the first weeks of life can be described in terms of national styles with respect to both demographic trends and welfare provisions. However, even the most elementary exchanges between a mother and her child (e.g. sleep, nutrition) tend to reflect different ideals of motherhood. These differences are shown at a micro-level using three different empirical approaches: parent advice books, styles of birthing, and internet discussion groups. These are compared across Germany, United Kingdom and France and traced back to historical developments and phenomena of long duration (longue durée). These are related, at a macro-level to the three countries’ social policies in support of families.

Key words: German-French comparison, mother-child-relationship, childraising style, birthing, internet