Volume 14 (2002) – Issue 3

14. Jahrgang (2002) – Heft 3

Content | Inhalt

John Birgit & Stutzer Erich: Erwerbsverhalten von Erziehungsurlauberinnen

Neumann Eva: Von der Eltern-Kind-Beziehung zur Paarbeziehung Erwachsener – Eine Untersuchung zur Kontinuität von Bindung und Lebenslauf

Meerum Terwogt Mark & Meerum Terwogt-Reijnders Caroline J. & van Hekken Suus M. J.: Identity problems related to an absent genetic father

Heintze Isolde: Determinanten des Familienklimas unter besonderer Berücksichtigung sozialökologischer Kontextfaktoren

Institutspräsentation: The Vanier Institute of the Family (VIF) /
l’Institut Vanier de la Famille (IVF), Ottawa, Kanada


Abstracts and keywords | Zusammenfassungen und Schlagwörter

Birgit John, Erich Stutzer (pp. 215-233)

Erwerbsverhalten von Erziehungsurlauberinnen

Die Einführung des Erziehungsurlaubs bzw. der Elternzeit gilt als eine Maßnahme zur besseren Vereinbarkeit der Lebensbereiche Beruf und Familie. In der vorliegenden Abhandlung wird auf der Basis des Mikrozensus untersucht, inwieweit das sog. DreiPhasen-Modell zur Vereinbarung von Familien- und Erwerbsarbeit empirisch bedeutsam ist und welche Veränderungen sich im Zeitablauf ergeben. Es wird gezeigt, wie sich die Einführung des Erziehungsurlaubs auf die Erwerbsbeteiligung junger Mütter (und Väter) ausgewirkt hat. Die Ergebnisse belegen, dass in Deutschland das (mit dem Instrument Erziehungsurlaub geförderte) Drei-Phasen-Modell zur sukzessiven Vereinbarkeit von Familien- und Erwerbsarbeit von der Mehrheit der Mütter gelebt wird. Die relativ hohe Erwerbstätigenquote junger Mütter lässt sich auf sehr viele Mütter im Erziehungsurlaub zurückführen. Darüber hinaus lässt sich zeigen, dass das Ausmaß der Teilzeittätigkeit junger Mütter bislang unterschätzt, die Vollzeittätigkeit dagegen überschätzt wurde. Das geringe Ausmaß aktiver Erwerbstätigkeit junger Mütter zeigt sich auch darin, dass mehr als zwei Drittel der jungen Mütter vorwiegend Haus- und Familienarbeiten leisten. In methodischer Hinsicht wird deutlich, dass eine auf dem Mikrozensus basierte Analyse der Erwerbsbeteiligung, beurlaubte Frauen angemessen berücksichtigen sollte.

Schlagworte: Erziehungsurlaub, Elternzeit, Familienarbeit, Erwerbsarbeit, Erwerbsbeteiligung, Teilzeitarbeit, Mütter mit Kleinkindern

Professional activity during maternal leave

Parental leave/maternal leave was instituted as a measure to improve the compatibility of professional activity and family life. The following study is based on the “Mikrozensus”. It examines the empirical significance of the Three-Phase-Model for compatibility of family and professional work and documents changes that arise over time. The study demonstrates the influence of parental leave on young mothers’ (and fathers’) participation in professional work. Results indicate that in Germany the Three-PhaseModel (which is strengthened by the parental leave initiative) leads to successive increases in the compatibility of family- and professional work for most young mothers. The relatively high proportion of young mothers who are professionally active can be attributed to many mothers being on parental leave. The study also shows that while the prevalence of part-time professional employment had previously been underestimated, the rate of full-time employment had been overestimated. The limited degree of young mothers’ professional activity is also demonstrated by the finding that over two-thirds of young mothers are primarily occupied with housework and other family-related work. With respect to methodology , it becomes clear that a Mikrozensus-based analysis of professional activity should give appropriate consideration of women on parental leave.

Key words: parental leave/maternal leave, professional activity, family work, professional work, part-time work, mothers with small children


Eva Neumann (pp. 234-256)

Die Paarbeziehung Erwachsener und Erinnerungen an die ElternKind-Beziehung – Eine Untersuchung zur Kontinuität von Bindung

Von Bowlbys These ausgehend, dass die Eltern-Kind-Bindung als Modell für enge Beziehungen im weiteren Leben dient, ging es in dieser Arbeit um die Frage, inwieweit Zusammenhänge zwischen der Bindung an einen Partner im Erwachsenenalter und Erinnerungen an die Bindung an die Eltern in der Kindheit festzustellen sind. Zwei Studien wurden durchgeführt, in denen Erwachsene mit qualitativen und quantitativen Methoden zu ihrer aktuellen Bindung an einen Partner und zu ihrer früheren Bindung an die Eltern befragt wurden. Es zeigte sich, dass die Bindung an einen Partner mit zwei Dimensionen der Erinnerungen an die Eltern-Kind-Bindung zusammenhing, die Emotionale Akzeptanz seitens der Mutter in der Kindheit und die Offenheit der Befragten beim Ausdruck von Gefühlen. Emotionale Komponenten der Erinnerungen an die Eltern-Kind-Bindung erwiesen sich damit als bedeutsam für die partnerschaftliche Bindung. Keine signifikante Übereinstimmung wurde dagegen gefunden, wenn die partnerschaftliche und die kindheitsbezogene Bindung als sicher, ängstlich-ambivalent oder vermeidend klassifiziert wurden. Die Ergebnisse werden vor dem Hintergrund der These der Kontinuität von Bindung diskutiert.

Schlagwörter: Bindung, Partnerschaft, Eltern-Kind-Beziehung, Kontinuität, Emotion

Adult partnerships and memories of the parent-child-relationship – An empirical study of the continuity of attachment

Based on Bowlby’s hypothesis that attachment to parents serves as a model for close relationships in adulthood, this study focuses on the extent to which adult attachment to a romantic partner is related to recollections of attachment to one’s parents in childhood. Two studies were conducted in which adults were assessed with qualitative and quantitative methods with respect to their view of their current romantic bond and their former bond to parents. Results indicated that romantic attachment was related to two dimensions of memories of attachment to parents: feeling emotionally accepted by the mother in childhood, and the respondents‘ present openness in expressing feelings. Emotional components of memories of parent-child-attachment were therefore shown to be significantly related to romantic attachment. However, no significant correspondence was found when attachment to romantic partners and to parents was classified as secure, ambivalent, or avoidant. Results are discussed with respect to the continuity hypothesis of attachment.

Key Words: attachment, partnerships, parent-child-relationship, continuity, emotion


Mark Meerum Terwogt, Caroline J. Meerum TerwogtReijnders, Suus M. J. van Hekken (pp. 257-271)

Mit dem abwesenden Vater verbundene Identitätsprobleme

Menschen, die ihren genetischen Vater nicht kennen, entwickeln oft Identitätsprobleme. Der abwesende Vater dient als eine Identifikationsfigur, der sie alle ihre persönlichen Eigenschaften zuschreiben, die sie nicht auf andere Personen zurückführen können. Infolgedessen werden solche Charakteristika weniger stark als Teil der eigenen Persönlichkeit empfunden. Neben der theoretischen Entfaltung der daraus resultierenden Identitätsprobleme und der damit im Zusammenhang stehenden Fragestellungen stellt der Beitrag eine Fallstudie vor, um die allgemeinen Schritte des psychotherapeutischen Behandlungsprozesses zu verdeutlichen.

Schlagworte: Abwesender Vater, Identitätsprobleme, Psychotherapie

Identity problems related to an absent genetic father

People who do not know their genetic father often develop identity problems. They identify with the unknown father, to whom they attribute all the personal characteristics that they cannot trace to others. Consequently, such characteristics are less strongly felt as being part of one’s own personality. In addition to a theoretical exposition of the ensuing identity problem and related issues, the paper presents a case study in order to illustrate the general steps in the psychotherapeutic treatment process.

Key words: absent father, identity problems, psychotherapy


Isolde Heintze (pp. 272-294)

Determinanten des Familienklimas unter besonderer Berücksichtigung sozialökologischer Kontextfaktoren

Ziel des vorliegenden Beitrages ist es, die Frage zu untersuchen, inwieweit Arbeitslosigkeit und sozioökonomische Deprivation im Kontext des sozialökologischen Umfeldes einer Familie einen Einfluss auf die Qualität der Familienbeziehung hat. Im Mittelpunkt meines Interesses steht dabei, in welcher Weise sozialökologische Kontextfaktoren, wie Wohnverhältnisse und Wohnumweltbedingungen aber auch Nachbarschaften, im Zusammenhang mit sozialer Deprivation infolge von Arbeitslosigkeit auf das Familienklima einwirken. Für die empirischen Analysen verwende ich Daten einer postalischen Befragung von Dresdner Haushalten, welche im Herbst 1999 durchgeführt wurde. Die Befunde zeigen einerseits, dass eine größere Anzahl von Kindern einen Stressfaktor hinsichtlich abträglicher Familienbeziehungen darstellt. Anderseits ergeben sich kognitiv-emotionale Folgen von Arbeitslosigkeit, die sich in häufigeren Konflikten und Auseinandersetzungen zwischen den Familienmitgliedern entladen. Außerdem darf der Einfluss sozialökologischer Kontextfaktoren nicht überschätzt werden. Lediglich ungünstige strukturelle Merkmale des Stadtviertels, wie eine hohe Arbeitslosigkeit, können über häufige innerfamiliale Streitigkeiten das Familienklima negativ beeinflussen.

Schlagworte: Familienklima, Arbeitslosigkeit, Sozialökologie

Determinants of family climate, with special consideration of socioecologic contextual factors

The purpose of this paper is to investigate the extent to which parental unemployment and socio-economic deprivation in a family’s socioecological environment influence the quality of family relations. I am primarily interested in how socioecologic contextual factors such as living conditions, the residential environment, and neighbourhoods, in combination with social deprivation due to unemployment, influence the atmosphere within a family. For the empirical investigation, I used data from a postal survey of households conducted in the autumn of 1999 in Dresden, Germany. The results show that while families with more children are at higher risk for conflicts, cognitive-emotional impacts of unemployment also increase the frequency of conflicts and arguments among family members. Additionally, the influence of socioecologic contextual factors should not be overestimated. Merely unfavourable structural characteristics of the residential district, such as high unemployment, can increase family quarrels and have a negative effect on family climate.

Key words: family climate, unemployment, social ecology