Volume 14 (2002) – Issue 2

14. Jahrgang (2002) – Heft 2

Content | Inhalt

Levy René & Ernst Michèle: Lebenslauf und Regulation in Paarbeziehungen: Bestimmungsgründe der Ungleichheit familialer Arbeitsteilung

Rohmann Elke & Schmohr Martina & Bierhoff Hans-Werner: Aufteilung der Hausarbeit, verletzte Erwartungen und Beziehungsqualität

Keuning Martine & Schulze Hans-Joachim & Stams Geert Jan & Groenewegen Ingrid & Schuengel Carlo: Marital conflict strategies predict child abuse potential in Dutch families from low socioeconomic backgrounds

Wingen Max: Ein bedeutsamer Schritt auf dem Wege zu einer eigenständigen Fachdisziplin Familienwissenschaft

Leitner Sigrid: Die Anerkennung von Kindererziehung im Rentensystem

Hammer Veronika: Alleinerziehende im Gender-Diskurs – Unterschiede oder Gemeinsamkeiten bei Müttern und Vätern?


Abstracts and keywords

René Levy & Michèle Ernst (pp. 103-131)

Lebenslauf und Regulation in Paarbeziehungen: Bestimmungsgründe der Ungleichheit familialer Arbeitsteilung

Anhand einer kürzlichen Befragung der Partner zusammenlebender Paare in der Schweiz werden klassische und weniger klassische Erklärungsfaktoren für die Ungleichheit der Verteilung von Familienarbeit zwischen den Partnern exploriert. Gegenüber einer eher schwachen Bestätigung ressourcentheoretischer Aspekte erweist sich der Familienzyklus als stark prägende Größe, welche sich vor allem über die weibliche Erwerbsbeteiligung auf die Feminisierung oder Egalisierung der Familienarbeit auswirkt. Ein institutioneller Erklä- rungsansatz in termini geschlechtsattribuierter komplementärer Masterstatus wird vorgeschlagen.

Schlagworte: Familie, Geschlechterverhältnis, Familienarbeit, Berufstätigkeit, Ungleichheit, Zeitregime, Lebenslauf, Familienphasen, Schweiz

Life course and regulation in couples: Explanatory factors of inequality in the familial division of labour

On the basis of a recent survey of couples living together in Switzerland, classical and less classical explanatory factors of the unequal division of family labour between the partners are explored. Resource-theoretical aspects are only modestly confirmed whereas the family cycle emerges as a strong condition that develops its effects concerning feminisation or equal distribution of family labour mainly through the female partner’s occupational activity. An institutionalist approach is proposed, based on the concept of sex-typed complementary master-statuses.

Key words: family, gender, family work, occupational work, inequality, time regime, life course, family cycle, Switzerland


Elke Rohmann, Martina Schmohr und Hans-Werner Bierhoff (pp. 133-152)

Aufteilung der Hausarbeit, verletzte Erwartungen und Beziehungsqualität

In dieser Studie wird der Ansatz der EquityForschung auf heterosexuelle Partnerschaften angewandt. Im einzelnen befasst sich die Untersuchung mit der Frage, inwieweit sich Unfairness und verletzte Erwartungen bei der Verteilung der Hausarbeit auf die Beziehungszufriedenheit und den erlebten Ärger in der Beziehung auswirken. Es wurden 92 Personen, die mit ihrem Partner zusammenlebten, nach ihren Erwartungen und ihrem tatsächlichen Verhalten bezüglich der Ausführung von 21 Tätigkeiten im Haushalt befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass Männer erwarten, diese Tätigkeiten seltener zu verrichten als ihre Partnerin, während Frauen erwarten, diese Tätigkeiten häufiger zu verrichten als ihr Partner. Zudem zeigt sich, dass Frauen viel häufiger Hausarbeiten ausführen als ihr Partner, während Männer viel seltener Hausarbeiten ausführen als ihre Partnerin, und dass Frauen diese Tätigkeiten noch häufiger ausführen als sie es erwarten und Männer diese Tätigkeiten noch seltener ausführen als sie es erwarten. Die Ergebnisse zeigen weiterhin, dass bei Ungleichverteilung im Haushalt weniger Zufriedenheit und mehr Ärger in der Beziehung erlebt wird als bei fairer Aufteilung der Hausarbeit. Erwartungsverletzungen hingegen stehen nicht im Zusammenhang mit der Zufriedenheit und dem erlebten Ärger in der Partnerschaft.

Schlagworte: Equity, Verteilung der Hausarbeit, Erwartungsverletzungen, Beziehungsqualität

Division of household labour, violated expectations and relationship quality

In this study, the equity approach is applied to heterosexual partnerships. Specifically, this study focuses on the effects of perceived unfairness of the division of household labour and violated expectations concerning the division of household tasks on satisfaction and anger in heterosexual partnerships. 92 persons who currently lived with a partner answered a questionnaire about their expectations and actual performance of 21 household tasks. Results indicated that women expected to perform and actually performed the 21 tasks more often than their partners. Men expected to perform and actually performed the tasks less often than their partners. Moreover, women performed the tasks more frequently than they expected, whereas men performed the tasks less frequently than they expected. Finally, the results indicated that unequal contributions to household tasks and relationship quality are correlated: Respondents experienced more satisfaction and less anger when they perceived the contributions as more equal (compared with their partners). In contrast, depending on violated expectations with regard to household tasks, no significant differences in satisfaction and anger were found between respondents.

Key words: equity, division of household labour, violated expectations, relationship quality


Martine Keuning, Hans-Joachim Schulze, Geert Jan Stams, Ingrid Groenewegen, & Carlo Schuengel (pp. 153-166)

Partnerschaftliche Konfliktlösungsmuster bestimmen das Potential zur körperlichen Kindesmisshandlung in niederländischen Familien aus unteren Schichten

Der Beitrag untersucht den Zusammenhang zwischen Partnerschaftskonflikten und dem Potential zur physischen Misshandlung von Eltern aus N=86 Unterschichtfamilien in den Niederlanden. 17% der Eltern erreichten eine Punktzahl auf Milner’s Child Abuse Potential Inventory, die dessen obere 5%- Grenze überschritt. Niedrigerer sozialökonomischer Status, relativ unangemessene eheliche Konfliktstrategien und weniger Ehekonflikte erklärten statistisch ein höheres Misshandlungspotential. Von allen Konfliktstrategien trugen physische Aggression gegenüber dem Partner, Konfliktvermeidung und eisiges Schweigen zur Erklärung des Zusammenhangs bei. Obwohl bessere Konfliktlösungen positiv korrelierten mit geringerem Misshandlungspotential konnten sie die Erklärungskraft der Konfliktstrategien nicht übertrumpfen. Wir gelangten zum Schluss, dass Konfliktverhalten in der Partnerschaft und die Neigung von Eltern zur physischen Misshandlung in derselben Inkompetenz im Umgang in intimen Beziehungen liegen kann.

Schlagworte: Partnerschaft, Konfliktmuster, Kindermisshandlungspotential, Schicht, Elternschaft

Marital conflict strategies predict child abuse potential in Dutch families from low socioeconomic backgrounds

We examined the association between marital conflict and child abuse potential in N = 86 Dutch families from low socioeconomic backgrounds. The percentage of parents who exceeded the upper 5 percent cut-off score on Milner’s Child Abuse Potential Inventory was 17%. It was found that lower socioeconomic status, relatively inadequate marital conflict strategies, and fewer marital conflicts predicted higher child abuse potential. In particular physical aggression towards the partner, avoidance of conflicts, and stonewalling contributed to increased child abuse potential. Although more positive marital conflict resolutions were associated with lower child abuse potential, they did not predict abuse potential beyond the contribution of conflict strategies. We suggested that child abuse may be one of many manifestations of difficulties in coping with the conflicts and problems that are intrinsic to close and affective relationships.

Key words: partnership, conflict strategies, child abuse potential, class, parenthood


Sigrid Leitner (pp. 172-193)

Die Anerkennung von Kindererziehung im Rentensystem. Parteiideologische Konfliktlinien am Beispiel Österreichs

Der Beitrag setzt sich mit der Anerkennung von Kindererziehungszeiten im Rentenrecht auseinander und untersucht die Frage, ob sich im Sinne der Parteiendifferenzthese in diesem Politikfeld spezifische parteipolitische Profile ausmachen lassen. Dazu wird ein Analyseraster erarbeitet, das zwischen konservativen und progressiven Positionen unterscheidet. Als Fallbeispiel wird die Entwicklung der rentenrechtlichen Anrechnung von Kindererziehungszeiten in Österreich dargestellt. Die durchaus bewegte Entwicklungsgeschichte macht klar, dass parteipolitische Positionen über die Zeit und unter wechselnden Regierungskonstellationen einem Wandel unterworfen waren. Sowohl der sozio-kulturelle Kontext als auch ökonomische Rahmenbedingungen haben die Parteipolitik wesentlich geprägt.

Schlagworte: Parteiideologie, Kindererziehung, Geschlechterverhältnis, Österreich, Rentensystem

Recognition of child rearing in the pension plan. Conflict among political parties‘ ideologies in Austria

This contribution deals with the recognition of child-raising years in pension legislation and examines the question of whether it is possible to distinguish party-specific policies in this political field. For this purpose, an analytic scale was developed to distinguish between conservative and progressive positions. The development of the recognition of child-raising years in Austria is presented as a case example. It is clear from the markedly oscillating development of the Austrian pension plan that the positions taken by party-politics were subject to transformation over time and under changing constellations of governments. The sociocultural context as well as economic conditions had significant influence on party policy.

Key Words: party ideology, child-raising, gender relations, Austria, pension plan


Veronika Hammer (pp. 194-207)

Alleinerziehende im GenderDiskurs – Unterschiede oder Gemeinsamkeiten bei Müttern und Vätern?

Gendersensible empirische Analysen nehmen sowohl Frauen, als auch Männer in ihren jeweils eigenen ökonomischen, sozialen und familialen Bezügen in den Blick. Sie bieten für die Familienforschung weiterführende Inspirationen, indem sie „genderblindness“ entgegenwirken. Vorliegender Beitrag beschäftigt sich mit geschlechterspezifischen Divergenzen und Konvergenzen bei allein erziehenden Müttern und Vätern im Kontext der Entwicklung familialer Lebensformen und kompatibler theoretischer Ansätze. Als Analysekriterien werden vier Dimensionen herangezogen, welche es erlauben, signifikante Annahmen zu Unterschieden und Gemeinsamkeiten hinsichtlich des sozialen Geschlechtes zu formulieren. Es sind dies die Kriterien der Elternzeit, des Sozialhilfebezugs und der Arbeitslosigkeit sowie das Merkmal der personal-familialen Stärken, bezogen auf ausgewählte Kompetenzen für den beruflichen Alltag. Ausgehend von den empirischen Ergebnissen verdichten sich zwei Entwicklungslinien: Zum einen kann angenommen werden, dass allein erziehende Frauen nach wie vor von besonderen sozialen und finanziellen Risiken betroffen sind und spezifischer Unterstützungsformen bedürfen. Zum anderen ist zu vermuten, dass sich bei der Selbsteinschätzung der persönlichen Qualifikationen allein erziehender Väter und Mütter für den beruflichen Alltag eine Annäherung in den Geschlechterrollen abzeichnen könnte.

Schlagworte: Genderforschung, allein erziehende Mütter, allein erziehende Väter, Elternzeit, Sozialhilfe, Arbeitslosigkeit, personale Stärken

Single parents in the gender discourse: What do mothers and fathers have in common and where do they differ?

Gender-sensitive empirical analyses consider both men and women in their respective economical, social and family contexts. They inspire family research with new ideas by counteracting „gender blindness“. The following essay deals with gender specific differences and similarities among single parents as they develop their specific ways of life and determines suitable theoretical approaches. Four dimensions are used as analytical criteria, allowing to make relevant assumptions about what men and women might have or have not in common with regard to gender. These criteria are: parenting time, social benefits, unemployment as well as personal/family strengths related to selected competencies for working life. Starting from empirical results, two different trends shape up. On the one hand, we can assume that single mothers still are affected by exceptional social and financial risks and require specific forms of support. On the other hand, we can assume that an approximation of gender roles might emerge where single mothers and fathers evaluate their own qualifications for working life.

Key words: gender studies, single mothers, single fathers, parenting time, social assistance, unemployment, personal strengths